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Top-Thema – Podcast

Einfach ekelhaft

Maden und Ratten, Kot und Urin – das alles finden wir abstoßend. Ekel kennen alle Menschen. Doch es gibt kulturelle Unterschiede, vor allem beim Essen. Was in manchen Kulturen als Delikatesse gilt, ist in anderen tabu.

Überall auf der Welt sind sich die Menschen einig: Leichen, Körperprodukte wie Kot oder Urin, vergammelte Lebensmittel und bestimmte Tiere wie Kakerlaken sind abstoßend. Und das zeigen wir überall mit dem gleichen Gesichtsausdruck: Die Nase wird gerümpft und die Oberlippe hochgezogen, während die Mundwinkel nach unten gehen.

Ekel ist nicht nur unangenehm. Er hat auch eine wichtige Aufgabe: Er soll uns vor unsichtbaren Gefahren wie Giften und Krankheitserregern schützen. Der Kasseler Psychologieprofessor Harald Euler erklärt: „Ekel ist intuitive Mikrobiologie, die uns von der Natur mitgegeben ist. Ekel verhindert, dass gefährliche Dinge aufgenommen werden.“

Aber warum finden wir Tiere wie zum Beispiel Maden eklig, die in anderen Kulturen eine Delikatesse sind? Euler sagt: „Die kulturspeziellen Nahrungstabus werden durch Vorbild und Nachahmung vermittelt.“ Es muss nur jemand am Tisch die Nase rümpfen und wir wissen: Das sollten wir lieber nicht essen! Gemeinsamer Ekel stärkt nach Euler die Gruppe und hilft ihr, sich gegen andere abzugrenzen.

Was eklig ist, müssen wir also erst lernen. Kinder unter zwei Jahren finden zunächst einmal gar nichts eklig und stecken alles in den Mund. Erst später verinnerlichen sie die beiden Gesetze des Ekels, die für Erwachsene normal sind. Diese lauten: Alles, was mit etwas Ekligem in Kontakt kommt, wird auch eklig. Und alles, was einem ekelhaften Objekt ähnlich sieht, ist auch eklig. Kaum jemand würde daher ein Glas Milch trinken, das mit einer Klobürste umgerührt wurde, oder Suppe aus einem – auch noch so neuen – Nachttopf essen.


Glossar

ekelhaft
– so unangenehm, dass man eine körperliche Reaktion fühlen kann (auch: eklig, Substantiv: der Ekel)

Made, -n (f.) – eine ganz junge Entwicklungsstufe eines Insekts (z. B. einer Fliege)

Kot (m.) – der feste Teil der Nahrung, den der Körper wieder abgibt

Delikatesse, -n (f.) – ein besonders gutes und teures Gericht

tabu – nicht erlaubt

Leiche, -n (f.) – ein toter Mensch

abstoßend ekelhaft; widerlich

die Nase rümpfen – die Nase krausen; die Nase so bewegen, dass Falten entstehen

unsichtbar – nicht sichtbar; nicht zu sehen

Krankheitserreger, - (m.) – Bakterien und Viren, die krank machen

intuitiv – so, dass man etwas macht, ohne darüber nachdenken zu müssen; instinktiv

Mikrobiologie (f.) – ein Gebiet der Biologie, das sich mit ganz kleinen Lebewesen beschäftigt

etwas auf|nehmen – hier: etwas essen oder trinken

Nachahmung, -en (f.) – das Kopieren eines bestimmten Verhaltens

nach – hier: wie jemand sagt

sich gegen etwas/jemanden ab|grenzen – sich so verhalten, dass der eigene Unterschied zu etwas/jemandem betont wird

etwas verinnerlichen – eine Handlung so aufnehmen, dass sie automatisch erfolgt

lauten – sein; heißen

Klobürste, -n (f.) – eine Bürste zur Reinigung einer Toilette

Nachttopf, Nachttöpfe (m.) – ein Behältnis, das als Toilette genutzt wird


Fragen zum Text

1. Ekel ist wichtig, weil …

a) wir durch ihn lernen, keine Spinnen zu essen.
b) wir er ein individuelles Merkmal eines Menschen ist.
c) er uns vor nicht sichtbaren Viren und Bakterien schützt.

2. Was stimmt nicht? Eklig ist nicht nur ein Objekt, sondern alles, ...
a) was mit ihm in Berührung kommt.
b) was krank macht.
c) was ihm ähnlich sieht.

3. Menschen finden das eklig, was …
a) auch andere Menschen eklig finden.
b) sich kleine Kinder in den Mund stecken.
c) in anderen Ländern eine Delikatesse ist.

4. Überall auf der ganzen Welt sind wir Menschen … bei bestimmten Dingen einig.
a) unsre
b) uns
c) unser

5. Auf welche Weise kann man folgenden Satz nicht ändern? Kinder stecken sich alles in den Mund.
a) In den Mund stecken Kinder alles sich.
b) In den Mund stecken sich Kinder alles.
c) In den Mund stecken Kinder sich alles.


Arbeitsauftrag
Vor was ekelt ihr euch besonders? Gibt es eine für euch eklige Delikatesse, die ihr schon einmal probiert habt? Berichtet im Kurs.


Autoren: Michael Hartlep/Stephanie Schmaus
Redaktion: Ingo Pickel

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