1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Einer unter vielen - Weltbevölkerungstag

Es gibt rund 70 Gedenktage der Vereinten Nationen. Dazu kommen internationale Gedenkjahre und Gedenkjahrzehnte. Diese Inflation schmälert die Bedeutung von wichtigen UN-Tagen - wie dem Weltbevölkerungstag.

Archiv: Im Schwimmring geht der damals siebeneinhalb Monate alte Laurenz Stenzel auf Entdeckungsreise im Wasser beim Babyschwimmen am 4. Nov. 2003 in Erfurt. (Foto: AP)

SOS Menschheit?

Tick. Tack. Die Menschheit wächst im Sekundentakt. Im Internet finden sich zahlreiche Weltbevölkerungsuhren, die versuchen, das rasante Wachstum optisch darzustellen. Nach Angaben der deutschen "Stiftung Weltbevölkerung" wächst die Menschheit zurzeit in jeder Sekunde um 2,6 Menschen. Pro Minute macht das 258 und pro Tag 228.155 Menschen. Daraus ergibt sich derzeit ein aktuelles Bevölkerungswachstum von über 83 Millionen pro Jahr. Das sind jährlich mehr neue Menschen auf der Erde als Deutschland Einwohner hat.

Nach einer UN-Prognose wird die Menschheit im nächsten Jahr die Marke von sieben Milliarden überspringen. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung sogar auf über neun Milliarden steigen. Natürlich können sich Prognosen ändern. Sie können sich auch als gänzlich falsch erweisen. Deswegen kann niemand mit Sicherheit sagen, wie sich das Bevölkerungswachstum perspektivisch auf unsere Lebensweise auswirken wird.

Archivbild: Bevölkerung in Indien / gläubige Hindus bei einer Kundgebung gegen die Festnahme des Hindu-Führers Jayendra Saraswati am 22.11.2004 in Muradabad (Bundesstaat Uttar Pradesh) (Foto: dpa)

Zu viele?

Doch klar ist: Wenn heute alle Menschen den gleichen Lebensstil hätten wie die Mittelschichten der reichen Industrienationen, dann nähme der Druck auf die Ressourcen unseres blauen Planeten unermesslich zu. Es bräuchte dann wohl mehr als eine Erde, um die Menschheit zu versorgen.

Gemeinsam denken und handeln

Jeder Mensch zählt. Es gibt nur eine Erde für alle. Daran soll der Weltbevölkerungstag erinnern. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte es in seiner Grußbotschaft des vergangenen Jahres so aus: "Nur wenn die Bedürfnisse aller Frauen, Männer, Mädchen und Jungen berücksichtigt werden, können wir die Milleniums-Entwicklungsziele erreichen und uns den gemeinsamen Werten der Vereinten Nationen annähern."

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat den Weltbevölkerungstag 1989 auf den Weg gebracht. Als Datum wählte die UN-Unterorganisation den 11. Juli aus, weil die Statistiker der Vereinten Nationen davon ausgehen, dass die Weltbevölkerung am 11. Juli 1987 die Fünf-Milliarden-Marke überschritten hat.

Tage, Jahre und Jahrzehnte

UN-Tage wie der Weltbevölkerungstag werden durch eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Sie sollen an besondere Leistungen der Völkergemeinschaft erinnern und ein Anstoß sein, über die großen globalen Themen nachzudenken.

Symbolbild: Weltkugel mit Lippen, Augen und Spritze im Kopf (Foto: picture-alliance / Bildagentur-online/Saurer)

Nachdenken über die Kranke Welt?

Rund 70 Erinnerungstage gibt es inzwischen, darunter den "Tag der Industrialisierung Afrikas", den "Weltschifffahrtstag", den "Weltposttag", den "Welttag des Wohn- und Siedlungswesens", den "Welttourismustag" und den "Welttag des Fernsehens". Kommt als nächstes der Welt-Facebook-Tag?

Noch länger wird die Liste der Kalendereinträge, wenn man die UN-Gedenkjahre und die UN-Dekaden dazurechnet. Derzeit befinden wir uns gleichzeitig im "Jahr der Fledermaus", im "Internationalen Jahr der Wälder", im "Internationalen Jahr der Chemie", im "Internationalen Jahr der Jugend" (noch bis zum 11. August 2011) und im "Internationalen Jahr der Menschen afrikanischer Abstammung".

Doch damit nicht genug: Die Menschheit befindet sich außerdem in neun Aktionsjahrzehnten gleichzeitig, darunter die "Weltdekade der Alphabetisierung" (2003-2012), die "Weltdekade zur Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005-2014) und die "Zweite Dekade der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt".

Trittbrettfahrer

Die Flut des Gedenkens hat unzählige Nachahmer auf den Plan gerufen, Organisationen genauso wie Privatpersonen. So hat US-Pastor Kevin Zaborney zum Beispiel vor über 20 Jahren sehr erfolgreich den "Weltknuddeltag" (National Hugging Day) ins Leben gerufen. Unter Facebook-Freunden erfreut sich seit zwei Jahren auch der "Internationale Tag der Jogginghose" großer Beliebtheit.

Logo der Vereinten Nationen (Foto: AP)

Gedenken am Fließband?

Kritiker bemängeln, die Inflation der UN-Tage entwerte den Versuch des bewussten, internationalen Gedenkens und des gemeinsamen Handelns. Ob die Vereinten Nationen das im Sinn hatten, als sie 1947 den ersten Welttag ins Leben riefen?

Der erste seiner Art

Damals beschloss die UN-Generalversammlung, dass der 24. Oktober fortan der "Tag der Vereinten Nationen" sein soll. Das Datum wurde gewählt, weil am 24. Oktober 1945 die UN-Charta in Kraft getreten war.

Doch auch dieser erste aller UN-Tag ist längst doppelt gebucht. 1972 entschloss sich die Generalversammlung, den 24. Oktober außerdem zum "Welttag der Information über Entwicklungsfragen" zu machen.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Matthias von Hein

Die Redaktion empfiehlt