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Kultur

Eine Zukunft für das Operndorf

Vor genau einem Jahr wurde in Burkina Faso der Grundstein für Christoph Schlingensiefs Operndorf gelegt. Seit dem Tod des Künstlers im August 2010 ist es um das Projekt ruhig geworden. Dabei nimmt es Konturen an.

Operndorf Afrika Burkina Faso Christoph Schlingensief Modell (Foto: Gundula Friese)

Im Oktober soll die erste Bauphase endlich abgeschlossen sein. Eine Schule wird dann in Laongo stehen, mit vier Klassen, einem Tonstudio, einer Kantine, Lehrerwohnungen und Lagerräumen. Die Fundamente einiger dieser Gebäude hatte man bereits vor einem guten halben Jahr errichtet. Nach dem Tod von Christoph Schlingensief am 21. August 2010 wollte es mit den Bauarbeiten dann nicht so recht weiter gehen. Das soll sich nun ändern. Francis Kéré rechnet damit, dass schon in dieser Woche wieder richtig losgelegt wird. Und dass in drei, vier Monaten Ergebnisse zu sehen sein werden.

Ein Opernhaus für Afrika

Francis Kéré ist der Architekt, der Schlingensiefs Vision umgesetzt hat, klimafreundlich, preiswert und unter Verwendung lokaler Baustoffe. Ein Festspielhaus für 500 Besucher soll in Laongo unweit der Hauptstadt Ougadougou einmal entstehen, um das sich dann spiralförmig ein ganzes Ensemble von Gebäuden und Nutzflächen windet. Eine Krankenstation wird dazu gehören, Anbauflächen zur Selbstversorgung, Siedlungen, ein Fußballplatz und eben die Schule, die dringend gebraucht wird. Denn beinahe 80 Prozent der Menschen in Burkina Faso sind Analphabeten. Francis Kéré stammt aus diesem bitterarmen Land. Er sagt, Christoph Schlingensief habe die Menschen dort mit seiner Begeisterung restlos gewonnen. Und sie seien froh, dass die in Berlin ansässige Festspielhaus GmbH unter der Leitung von Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz entschieden hat, den Bau des Operndorfes fortzuführen.

Francis Kéré und Christoph Schlingensief in Burkina Faso (Foto: www.presse.festspielhaus-afrika.com)

Francis Kéré und Christoph Schlingensief in Burkina Faso

Seit seinem Tod ist sie schon mehrfach in Westafrika gewesen, um das Projekt voranzutreiben. Es bedeute ihr viel, sagt Aino Laberenz. Und es ginge ihr keineswegs nur darum, ihrem verstorbenen Mann auf diese Weise nahe zu sein. Der wollte in einem der ärmsten Länder der Welt Bedingungen schaffen, die sowohl Ausbildung wie auch Austausch und Kunstproduktion möglich machen. Ein Operndorf, in dem alle Formen der Kunst zusammenfließen, in dem traditionelle Kulturtechniken gepflegt werden und Neues entstehen kann. Eines der vielen Talente Christoph Schlingensiefs bestand darin, viele von dieser nicht alltäglichen Idee zu überzeugen und sie in seiner Begeisterung mitzureißen. Das Goethe Institut, die Kulturstiftung des Bundes und das Auswärtige Amt hat er gewonnen, zahlreiche Sponsoren und Politiker in Burkina Faso wie in Deutschland.

Einflussreiche Förderer

Nun, nach Schlingesiefs Tod, hat sich Aino Laberenz erfolgreich um den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler bemüht, er hat die Schirmherrschaft für das Operndorf übernommen. Und sie hat einflussreiche Freunde und Weggefährten ihres Mannes im Kuratorium versammelt: Francis Kéré natürlich, den Architekten, Amelie Deuflehard, Kampnagel-Intendatin in Hamburg, Matthias Lilienthal, den Chef des Berliner Theaters Hebbel am Ufer, den Rechtsanwalt und Mäzen Peter Raue sowie Antje Vollmer, die frühere Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags.

Erste Arbeiten im Operndorf (Foto: www.presse.festspielhaus-afrika.com)

Nun wird fleißig gebaut

Wenn diese sechs über das Operndorf sprechen, dann klingt das anders, nüchterner, als seinerzeit bei Christoph Schlingensief. Aber, da ist man sich im Kuratorium einig, der umtriebige Künstler soll und kann nicht ersetzt werden. Bewahren möchte man ihn indes in dem Projekt, es in seinem Sinne fortführen, den Austausch zwischen Afrika und Europa befördern und in Burkina Faso jene soziale Plastik realisieren, die ihm laut Aino Laberenz immer vorgeschwebt habe.

Es geht voran!

Die Finanzierung des ersten Bauabschnitts, also der Schulanlage, ist bislang gesichert. Und ein Jahr lang kann man auch den Schulbetrieb unterhalten. Wenn man denn geeignete Lehrer findet. Es sind zunächst also ziemlich handfeste Probleme, die gelöst werden müssen, bevor im Operndorf wirklich Kunst entstehen kann. Aber scheitern, sagt Francis Kéré, scheitern dürfe das Projekt nicht. Schon, weil er selbst aus Burkina Faso kommt, müsse er dafür sorgen, dass es keine Seifenblase bleibe. Das Operndorf, sagt Aino Laberenz, sei ja auch so etwas wie ein Organismus, dem man Raum geben muss, um sich zu entwickeln. Weshalb bei diesem Projekt wohl vor allem eines gefordert ist: Geduld, viel Geduld.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Conny Paul