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FIFA-WM 2026

Eine WM fürs Image

Die USA bewerben sich gemeinsam mit Kanada und Mexiko für die FIFA-WM 2026. Es wäre eine hochpolitische WM, die die Nachbarn USA und Mexiko zusammenbringen soll. In Mexiko regt sich aber bereits Widerstand.

Marty Albert steht an dem Zaun, der derzeit noch die Grenze zwischen Mexiko und den USA bildet. In einigen Wochen soll genau hier, im Süden von San Diego, Kalifornien, mit dem Bau der neuen Mauer begonnen werden, die US-Präsident Trump seinen Anhängern im Wahlkampf versprochen hat. Auch wenn noch keiner weiß, wie sie eigentlich finanziert werden soll und der Kongress erstmal keine Gelder genehmigt hat. Es soll eine Mauer gegen Mexiko werden, so sieht es Donald Trump. Gleichzeitig will der Fußballverband der USA aber eine WM gemeinsam mit Mexiko ausrichten.

Marty Albert schüttelt den Kopf. Seit sieben Jahren fährt der US-Amerikaner zu jedem Heimspiel der Xolos, des Erstligisten in Tijuana, Mexiko, direkt auf der anderen Seite der Grenze. "Die gemeinsame WM-Bewerbung ist großartig", sagt er und schaut auf den Zaun, der die USA derzeit schon von Mexiko trennt. "Damit kommen wir Nachbarn uns noch näher. Aber gleichzeitig steht dieses Monstrum hier im Weg, das viele Menschen davon abhält, die Spiele, wann Sie wollen, bei uns zu schauen."

Mit voller Unterstützung Trumps

Im April haben die Fußballchefs Kanadas, der USA und Mexiko ihre Bewerbung verkündet. Eine gemeinsame Bewerbung für die FIFA-Fußball-WM 2026, die erste Mammut-WM der Fußball-Geschichte. Mit 48 statt 32 Teams. 80 statt 64 Spielen. So viele Einnahmen, Spielorte und Zuschauer wie noch nie. Konkurrenten sind nicht in Sicht, zumal sich asiatische und europäische Länder nicht bewerben dürfen. Eine Regel besagt derzeit noch, dass Länder von Kontinenten, die die beiden vorhergehenden Weltmeisterschaften (Russland 2018 und Katar 2022) austragen, vom Bewerbungsprozess ausgeschlossen sind. Aus Ozeanien und Afrika kommen kaum Länder mit ausreichend Stadien, Hotels und Trainingskapazitäten für eine so große WM in Frage, auch wenn ein Gerücht besagt, Marokko und die Elfenbeinküste hätten möglicherweise gemeinsam Interesse an einer Austragung. Südamerika möchte die WM 2030. Damit wäre der Weg frei für die USA, Kanada und Mexiko.

Sunil Gulati Wirtschaftswissenschaftler und Fußballfunktionär (picture-alliance/AP Images/M. Lennihan)

Sunil Gulati treibt das WM-Projekt 2026 voran - und hat dabei auch US-Präsident Trump hinter sich

US-Verbandschef Sunil Gulati hat die WM-Bewerbung der Superlative eingefädelt. Er ist einer der einflussreichsten Fußballfunktionäre der Welt und sagt im Interview mit der ARD Sportschau ganz offen: "Sport kann manchmal Menschen zusammenbringen. Gerade bei den derzeitigen Spannungen zwischen den USA und Mexiko. Wir haben Präsident Trumps volle Unterstützung für die gemeinsame Bewerbung." Eine interessante Aussage, wenn man bedenkt, dass der US-Präsident an seinem Vorhaben festhält, die Mauer zu Mexiko zu bauen. Lange Zeit wollte er auch die Nordamerikanische Freihandelszone NAFTA abschaffen.

Die WM-Bewerbung bleibt daher politisch brisant. Vor allem, weil Kanada und Mexiko jeweils nur zehn Spiele bekommen sollen, die USA aber 60 - darunter alle K.o.-Duelle ab dem Viertelfinale. "Wir hätten es auch alleine machen können", sagt Gulati. "Mexiko und Kanada hingegen müssten für die alleinige Ausrichtung neue Stadion bauen. Aber natürlich sind Kanada und Mexiko positiv für unser Image. Lateinamerika ist dann dabei und Kanada ist angesehen in der Welt. Klar das ist hilfreich."

"Das versteht doch kein Mensch"

Doch das Image der WM ist schon jetzt gefährdet. Das merkt man schnell, auf der anderen Seite der Grenze in Tijuana, Mexiko. Sunil Gulati verspricht, die US-Regierung werde allen Fans die Einreise garantieren, trotz der Mauer oder Trumps Dekret des Einreiseverbots für Muslime aus bestimmten Ländern. Die Fans der Xolos glauben daran nicht. Egal mit wem man spricht rund um das Spitzenspiel der mexikanischen Profilliga, Xolos gegen Toluca, Zweiter gegen Erster: Keiner sieht die WM durchweg positiv. "Das versteht doch kein Mensch", meint Rigo. "Sie organisieren eine gemeinsame WM, und dann wollen sie uns mit einer Mauer trennen."

Mexiko Fußball Los Xolos de Tijuana - Chiapas Jaguar (picture-alliance/Zumapress)

Die Xolos aus Tijuana haben viele Fans aus den USA

Auch Marty ist da. Wie über 8.000 andere Fans aus den USA, die zu jedem von Tijuanas Heimspielen über die Grenze kommen. Wegen einer Stimmung, die im US-Sport selten ist. 90 Minuten singen die Ultras der Xolos durch, die Tribüne des Stadions vibriert. Wenn man die Ultras fragt, was sie von der Bewerbung halten, bekommt man sehr nachdenkliche Antworten. Es herrscht Enttäuschung. Darüber, dass Mexiko nur zehn Spiele bekommen soll. "Bei uns hier ist es viel leidenschaftlicher als in den USA, der Fußball dort ist doch noch in der Entwicklung. Die Bewerbung vergisst Mexikos Fußballkultur mit zwei Weltmeisterschaften."

Es wäre das erste Mal, dass mit Mexiko ein Land seine dritte WM nach 1970 und 1986 ausrichten würde und das erste Mal, dass eine WM in drei Ländern stattfände. Und es wäre eine WM, die vor allem politisch in der Diskussion bleiben wird.

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