1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Eine Welt aus dem Computer

Zwei Computer-Tüftler aus Dortmund haben ein Programm erfunden, das Filmfirmen viel Geld, Zeit und Arbeit erspart. Dafür erhalten die beiden jetzt den Technik-Oscar.

default

Der Technik-Oscar

Dämonen und Geister machen die vorgeschichtliche Welt von Mittelerde unsicher, Vogelschwärme dienen grausamen Herrschern als Späher. Sie alle und damit Peter Jacksons Tolkien-Filmepos "Der Herr der Ringe" wären undenkbar - ohne die Computer-Tüftler Rolf Schneider und Uwe Sassenberg aus Dortmund. Dafür nehmen die beiden zusammen mit Vertretern 20 weiterer Unternehmen am 2. März in Los Angeles den Technik-Oscar – "Technical Achievement Award" - der Academie of Motion Picture Arts and Sciences entgegen.

Zeitersparnis ist enorm

Das preisgekrönte Programm "3D-Equalizer" der Dortmunder rekonstruiert anhand des Filmmaterials die Wege der Kamera und macht es möglich, täuschend echte Computeranimationen in den Film zu kopieren. Aus der Analyse des zweidimensionalen Materials errechne die Software dreidimensionale Bewegungen von Menschen, Tieren oder Objekten im Film, sagt der 33 Jahre alte Informatiker Schneider. "Eine Szene auf die herkömmliche Weise von Hand anzupassen, dauert vier Wochen. Unsere Software benötigt eine Viertelstunde."

Da bleibt reichlich Zeit, um den Massenheeren auf der Leinwand den Weg zu bahnen: "Viele Orks, etwa in den Minen von Moria, sind computeranimiert. Dafür wurden nicht Zehntausende von Komparsen genommen", erklärt Schneider. Die betreffenden Sequenzen wurden mit identischer Kamerafahrt gedreht und dann übereinander kopiert. So entstanden auch die fantasievollen Gebäude von Mittelerde inmitten der Landschaften Neuseelands.

"Wir liegen weit vorne"

Doch nicht nur Tolkiens Fantasy-Epos lebt dank Dortmunder Technik: Schneider und der 35 Jahre alte Physiker Sassenberg zählen mehr als 100 Postproduktions-Firmen zu ihren Kunden - in Hollywood, Japan, Großbritannien, Australien, Frankreich und Deutschland. Diese Kunden verwendeten das Programm schon für rund 60 Filmproduktionen, darunter "Oceans 11", "Gladiator", "Tomb Raider" und "Matrix". Der "Gladiator" erhielt im letzten Jahr den Oscar für die Spezialeffekte.

Ende 1995 gründeten die beiden Computer-Freaks die Firma "Science D Visions", nachdem sie sich schon seit Ende der achtziger Jahre mit Computeranimationen beschäftigt hatten. "Es gab damals keine vernünftigen Techniken, Computeranimation mit Realfilm zu mischen", erinnert sich Schneider. Die erste Version des 3D-Equalizers erschien 1996. "Das Programm kommt komplett ohne Messung aus und braucht keine Informationen vom Set", erklärt Sassenberg. Sein Kollege sagt stolz: "Ich würde nicht behaupten wollen, dass wir das allerbeste Programm haben. Aber wir liegen weit vorne."

Pionierarbeit geleistet

Mit ihrer Technik haben die Dortmunder die Profis überzeugt: "Da haben die Jungs Pionierarbeit geleistet", sagt der Leiter der 3D-Abteilung der Postproduktionsfirma "Das Werk" (München), David Hofmann. Zwar sei das Programm mit 10.226 Euro nicht billig, aber es erspare Tricktechnikern unglaublich viel Arbeit. "Was dahinter steckt, fällt nicht auf. Aber wenn eine Szene nicht perfekt aussieht, merkt es jeder", erklärt der 33-Jährige.

Ihr Erfolg wird den Dortmundern erst langsam klar. "Wir haben uns natürlich gefreut, aber man kann nicht sagen, dass die Sektkorken knallten", sagt Schneider. "Aber vielleicht kommt die Partystimmung später, wenn wir im Smoking dastehen und die Urkunde in Empfang nehmen." Der 33-Jährige freut sich dagegen über ganz andere Dinge: "Unsere Software wurde bei Stanley Kubricks letztem Film 'Eyes Wide Shut' eingesetzt. Das ist etwas Besonderes, seine Filme sind legendär." dpa/(pg)

WWW-Links