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Eine verfahrene Sache

Wir können mit dem Auto fahren, Neuigkeiten erfahren und eine Sache kann uns widerfahren. Wir können uns verfahren, um dann vielleicht zu erfahren, dass ein Verfahren auf uns wartet. Na dann: allseits gute Fahrt!

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Eine verfahrene Sache

„Faran“ hieß es im Althochdeutschen – und das bedeutete jede Art von Fortbewegung. „Fahren“ ist heute eins der vielseitigsten Verben, die wir haben. Jede Art von Fortbewegung bedeutet es nicht mehr, denn Laufen, Schwimmen oder Fliegen gibt es schließlich auch noch. Auch kann man nicht nur mit der Bahn oder dem Auto fahren. Wirklich bunt in der Bedeutungsvielfalt wird es, wenn dann noch Vorsilben hinzukommen.

Bewegte Fahrzeuge

Segelschulschiff Gorch Fock (picture-alliance/dpa/C. Rehder)

Immer noch fahren Segelschiffe über die Weltmeere

„Fahren“ im engeren Sinne bedeutet, dass man sich mit Hilfe eines Fahrzeugs rollend, gleitend oder schwimmend fortbewegt. Man kann mit der Bahn oder dem Fahrrad fahren. Auch mit dem Schlitten oder auf Skiern fährt man durch den Schnee. Das fahrende Schiff gleitet majestätisch über die Wellen. Nur das Flugzeug fliegt durch die Luft. Das mag daran liegen, dass es einem Vogel ähnlich ist, denn ein Luftschiff oder ein Ballon wiederum bewegen sich auch in der Luft: sie allerdings fahren.

Im Zeitalter der Massenmobilität ist „Fahren“ nicht nur das Synonym für das Fortbewegen geworden. Das Wort saugt auch alle umliegenden Bedeutungen an. Ein Auto, das mit Diesel fährt, ist eines, das Diesel zum Fahren braucht. Jemand, der dieses Jahr nach Spanien in den Urlaub fährt, kann dafür auch das Flugzeug benutzen. Und wer sagt: „Ich fahre Mercedes“, sagt damit vor allem, dass er ein solches Auto besitzt. Natürlich wird er auch damit fahren, doch das ist zweitrangig. Auch der Satz: „Dieser Bus fährt zum Stadtwald“, bedeutet weniger, das der Bus gerade fährt, sondern, dass er dieses Ziel hat.

Erfahren und Verfahren

Ein alter Mann mit Baskenmütze steht neben einer Wand

In seinem Alter hat man viele Erfahrungen gesammelt

Sobald das Wörtchen „fahren“ Vorsilben erhält, weiten sich die Möglichkeiten seiner Bedeutung fast schon ins Grenzenlose aus. Es entstehen neue Wörter, die aber doch immer noch mit Bewegung zu tun haben. Wenn wir etwas „erfahren“, wir also etwas gesagt bekommen, etwas lesen oder hören, dann bewegt sich – bildlich gesprochen – die Information auf uns zu oder wir auf sie. Wir machen eine „Erfahrung“. Wenn viele solche Erfahrungen zusammenkommen, dann sind wir am Ende „erfahren“ und haben Erfahrungen gemacht, wissen, wie etwas funktioniert.

Auch das „Verfahren“ hat zunächst mal mit Bewegung zu tun. Wer sich „verfahren“ hat, irrt durch die Gegend, weil er vielleicht auf der Autobahn die falsche Abfahrt genommen hat. Ein Verfahren ist aber auch eine Art, eine Sache durchzuführen. Etwa das Verfahren zur Herstellung von Schokolade oder die Art, wie bei der Stadtverwaltung mit einem Antrag umgegangen, verfahren, wird. Heute sagt man zu dieser Art von Verfahren jedoch immer öfter Prozess. Und da wären wir schon beim nächsten Verfahren. Auch vor Gericht, bei einem Gerichtsverfahren, wird eine Menge bewegt bis endlich das Urteil gefällt wird.

Vorfahren und fortfahren

Mehrere Stoppschilder - und ein Geisterfahrerverkehrsschild (imago/blickwinkel)

Bloß nicht verfahren!

Noch mehr Vorsilben gefällig? Mit unseren Fahrzeugen können wir „losfahren“, „abfahren“ oder „wegfahren“. Das „Fortfahren“ geht allerdings auch ohne fahrbaren Untersatz. „Fortfahren“ bedeutet schlicht, weitermachen. Auch Abfahren geht schon mal ohne Fahrzeug: „Sie fährt ab auf Hip-Hop“ bedeutet, dass ihr diese Musik gefällt.

Ob wir ein Straßenschild umfahren, also um es herumfahren, oder es umfahren, weil wir es übersehen haben, ist am Ende nur eine Frage der Betonung. Ja, sogar unsere Vorfahren stammen sprachgeschichtlich vom Wort „fahren“ ab.

Eine verfahrene Sache

Um die ganze Sache noch weiter zu verkomplizieren  auch in Redewendungen wird viel „gefahren“ – bei einem Dialog wie dem Folgenden auch schon mal gegen die Wand: „Es ist doch zum aus der Haut fahren, entfuhr es mir. Auf so einen Unsinn fahren Sie ab?“ – „ Ja, damit sind wir immer gut gefahren, und das soll auch so bleiben!“ – „So ein Quatsch!“, fuhr ich ihm über den Mund. Der Zug ist doch längst abgefahren, und nur weil es Ihnen an Erfahrung mangelt, fahren Sie hier solche Geschütze auf.“ – Da fuhr er mir aber dazwischen: „Fahren Sie doch zur Hölle! Sie fahren den Karren doch vollends in den Dreck. Und überhaupt, auf Leute wie Sie lasse ich doch einen fahren.“ Meine Hand fuhr zum Telefon und legte auf. Das war wirklich eine verfahrene Sache.“

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