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Kultur

Eine "ungeheure Lektion der Liebe"

Christen in aller Welt haben am Karfreitag der Leiden Jesu Christi gedacht. In Deutschland beherrschte der Missbrauchsskandal in kirchlichen Einrichtungen die Predigten vieler Geistlicher.

Kolosseum am Karfreitag (Foto: AP)

Schauplatz: Das antike Kolosseum in Rom

Gemeinsam mit Tausenden von Gläubigen betete Papst Benedikt XVI. in Rom den Kreuzweg. Die traditionelle Zeremonie am Kolosseum lief unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab. Im Fackelschein gedachten die Christen der 14 Stationen des Leidensweges Jesu von der Verurteilung bis zum Begräbnis.

Jesus habe am Kreuz eine "ungeheure Lektion der Liebe" gegeben. Diese Liebe sei "die einzige Kraft, die fähig ist, die Welt zu verändern", sagte der Papst zum Abschluss der Zeremonie im Kolosseum.

Papst Benedikt im Kolosseum (Foto: AP)

Papst Benedikt: "Schenke uns, Herr, dass wir mit Liebe unser Kreuz tragen."

Empörung bei Juden

Mit Blick auf Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hatte Benedikts persönlicher Prediger Raniero Cantalamessa zuvor im Petersdom aus einem Brief eines jüdischen Freundes zitiert. Mit Abscheu verfolge er die aggressiven und konzentrischen Angriffe auf den Papst und auf die Kirche, las der Prediger im Beisein Benedikts aus dem Brief des nicht namentlich genannten Juden vor: "Die Stereotypen und das Verschieben persönlicher Verantwortung und Schuld hin zu einer kollektiven Schuld erinnert mich an beschämendste Aspekte des Antisemitismus."

Vertreter des Judentums reagierten empört auf den Antisemitismus-Vergleich, worauf sich der Vatikan von den Äußerungen Cantalamessas distanzierte. Ein solcher Vergleich könne zu Missverständnissen führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Die Äußerungen von Raniero Cantalamessa seien nicht die offizielle Position des Vatikans.

"Verrat am Evangelium"

Robert Zollitsch (Foto: AP)

Robert Zollitsch: "Trauer, Entsetzen und Scham"

In Deutschland nahmen viele katholische und evangelische Bischöfe zu den Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen Stellung. Der Vorsitzende der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, räumte Fehler im Umgang mit den Opfern ein. Die Kirche habe den Missbrauchsopfern in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig geholfen, erklärte der Freiburger Erzbischof.

Zollitsch wörtlich: "Heute wird uns bewusst, dass in einer anderen gesellschaftlichen Situation durch die Enttäuschung über das schmerzliche Versagen der Täter und aus falsch verstandener Sorge um das Ansehen der Kirche der helfende Blick für die Opfer nicht genügend gegeben war."

Zollitschs Vorgänger an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, warf den Tätern einen Verrat am Evangelium vor. Sie schwächten und verrieten die göttliche Botschaft, die gerade die Kinder in die Mitte stelle, sagte Lehmann im Mainzer Dom. Der evangelische Bischof von Berlin, Markus Dröge, sagte in seiner Karfreitagspredigt, das Ausmaß an Erniedrigung und seelischer Grausamkeit, das den Kindern und Jugendlichen von vertrauten Personen angetan wurde, sei unvorstellbar. Die Perspektive der Opfer habe nun endlich Vorrang und könne zur Sprache kommen.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, forderte eine Verschärfung der kirchlichen Leitlinien. Dem Berliner "Tagesspiegel" vom Samstag sagte der Bischof von Trier: "Wenn es einen Missbrauchsfall gibt, muss ein forensisches Gutachten über den Täter erstellt werden, egal, ob der Fall verjährt ist oder nicht. Das müssen wir unbedingt in die Leitlinien der Bischofskonferenz aufnehmen."

Erinnerung an Johannes Paul

Am Karfreitagabend jährte sich auch zum fünften Mal der Tod von Johannes Paul II. Der aus Polen stammende Papst war am 2. April 2005 um 21:37 Uhr gestorben. Vor allem polnische Gläubige forderten seine sofortige Heiligsprechung. Kirchenexperten erwarten für 2011 immerhin die Seligsprechung des Vorgängers von Papst Benedikt.

Autor: Christian Walz (kna, dpa, apn)
Redaktion: Gerd Winkelmann

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