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"Eine ungeahnte Gigantomanie Chinas"

Bonn – "Je besser die Abgrenzung gegenüber dem Westen, desto erfolgreicher stellt man sich in China die Politik vor." Das sagte der chinesische Journalist Shi Ming am 14. Juni auf der DW-Veranstaltung "Modell China?".

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Shi Ming, Mitarbeiter des Chinesischen Programms von DW-RADIO IMG_7006a_webx.jpg

Unter der Moderation von Sybille Golte-Schröder, Leiterin der Asien-Programme von DW-RADIO, diskutierten im Rahmen der DW-Reihe "Dialog der Welt" Shi Ming, Anett Keller, die tageszeitung (taz) Berlin, und Dr. Christian Wagner, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Unter dem Titel "Modell China?" ging es um die Frage der Machtbalance in Asien.

Chinas autokratisches System verliere an Autorität, da es sich nicht "an die eigenen Tragsäulen" herantraue, so Shi Ming. Es werde noch lange dauern, bis sich in der Politik Chinas das Denken durchsetze, andere Länder nicht nur als Rivalen, sondern auch als potenzielle Partner zu betrachten, meinte der Autor und langjährige Mitarbeiter von DW-RADIO/Chinesisch.

Christian Wagner (SWP) beim Dialog der Welt Modell China?

Dr. Christian Wagner, Stiftung Wissenschaft und Politik

Indien folge China zwar in vielen Punkten, spiele aber immer nur eine "Nachzüglerrolle", sagte Christian Wagner. In 30 Jahren werde Indien sich sicher bei den G8-Staaten eingereiht haben, in der Entwicklung werde sich das Land jedoch immer noch weit entfernt von europäischen Standards befinden. Zwar habe die Demokratie in Indien nur ein "schlechtes Gesundheitssystem und ein erbärmliches Primarschulsystem" zustande gebracht. Die Analphabetenquote sei deutlich höher als in China. Andererseits habe die Demokratie Indien eine gewisse Stabilität gebracht. Die Inder seien – historisch bedingt – im Übrigen deutlich globalere Player als die Chinesen, so Wagner.

Anett Keller, taz, beim Dialog der Welt, Modell China

Anett Keller, taz Berlin

"Die Frage, ob Demokratie in der Region als hinderlich empfunden wird und das Modell China den Vorzug erhält, hat auch für uns Europäer große Relevanz", sagte Anett Keller. Indonesien etwa habe Angst, zum reinen Ressourcengebiet zu werden, so Keller mit Blick auf Chinas Bedarf an Öl und Gas. Die Textilindustrie Indonesiens sei bereits bedroht. Chinesische Eliten investierten im Land. Viele von ihnen hätten "eine unrühmliche Vergangenheit – etwa im Zusammenhang mit Abholzung von Regenwäldern", so Keller.

Shi Ming prognostizierte Asien "eine ungeahnte Gigantomanie" der Chinesen als Zukunftsszenario. Zugleich blicke China "neidisch" auf den Westen, wenn es die Rolle der Religionen im Blick habe. Die Machthaber in China würden Religion gern entdecken zur Harmonisierung der Gesellschaft.

Fotos von der Veranstaltung auf Anfrage: fotos(at)dw-world.de oder T. 0228.429-2022

Audio und Video zum Thema

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com