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Kultur

"Eine unerträgliche Situation"

Die griechisch-orthodoxe Kirche hofft vor dem Besuch von Papst Franziskus auf mehr Rechte für die Kirchen in der Türkei, sagt der Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Augoustinos.

Der offizielle Anlass für die Türkeireise von Papst Franziskus (28. bis 30. November) ist eine Begegnung mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios. Knapp 1000 Jahren nach der Kirchenspaltung begegneten Papst und Patriarch einander inzwischen häufig. Ein gutes Zeichen, meint der ranghöchste orthodoxe Geistliche in Westeuropa, Metropolit Augoustinos, im Interview der Deutschen Welle in Bonn.

DW: Welche Bedeutung hat das jetzige Treffen in den Augen von Metropolit Augoustinos?

Augoustinos: Das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios dient sicher der Intensivierung unserer Beziehungen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der römisch-katholischen Kirche. Es ist noch nie vorgekommen, dass sich die Oberhäupter unserer Kirchen innerhalb eines Jahres so häufig begegnen. Denn es ist ja das dritte Mal in diesem Jahr – nach Jerusalem und Rom – dass Papst und Patriarch zusammenkommen. Alle drei Orte stehen übrigens für die Geschichte der alten ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends.

Sehen Sie Perspektiven für eine konkretere Annäherung von Ost- und Westchristen - eventuell bei einem Panorthodoxen Konzil 2016?

Die Annäherung zwischen unseren Kirchen ist eine Frage, welche die ganze Orthodoxie angeht – und nicht das Ökumenische Patriarchat allein. Dennoch ist jede Begegnung von großer Bedeutung, denn das Ökumenische Patriarchat hat häufig in der Geschichte der ökumenischen Bewegung schon eine Vorreiterrolle gespielt. Im Übrigen ist die Frage der Beziehungen der Orthodoxen Kirche zu den anderen christlichen Kirchen einer der zehn Tagesordnungspunkte des Konzils, von dem wir hoffen, dass es 2016 stattfinden kann.

Stärkt dieser Besuch auch die Position der Orthodoxie in der Türkei?

Das Ökumenische Patriarchat hat, wie die anderen christlichen Kirchen in der Türkei, keinen Rechtsstatus. Obwohl es seit 17 Jahrhunderten in dieser Region tätig ist, genießt es im Grunde keine rechtliche Anerkennung, es darf keinen Grundbesitz erwerben oder veräußern, es hat keine Rechtssicherheit, was den vorhandenen Besitz betrifft und so weiter. Diese Situation ist unerträglich und im 21. Jahrhundert nicht nachvollziehbar. Der Besuch des Papstes dient also nicht nur der Orthodoxie, sondern stärkt meines Erachtens die Position aller Christen in diesem islamisch geprägten Land.