1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Eine Treppe ins Weltall

Es brauchte einen amerikanischen Namen, Superkräfte und ein Dutzend Zeichner: So wurde Perry Rhodan zur längsten Science-Fiction-Serie der Welt. Jetzt erscheint Heft Nummer 2500.

Bild: Verlag Pabel-Moewig

Ein englischer Name musste her! Perry Rhodan ist eigentlich ein deutscher Held

Im kleinen süddeutschen Städtchen Rastatt startete mitten im Kalten Krieg und nur drei Wochen nach dem Mauerbau, das Unternehmen "Stardust", Sternstaub. Die erste deutsche Mondmission. Commander ist Perry Rhodan. Er steckt in einem silbernen Raumanzug mit riesigem Glaskugelhelm und ist angetreten zur Erfüllung einer mächtigen Zukunftsutopie. Lange bevor Apollo 11 mit Neil Armstrong den Mond betrat.

"Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer für die Menschheit", dieser Ausspruch des ersten Menschen auf dem Mond wurde bereits am 8. September 1961 in Deutschland Wirklichkeit. Die zwei Comic-Zeichner und Kriegsveteranen, Karl Herbert Scheer und Walter Ernstling, schufen die Figur des super-intelligenten und ewig jungen Weltraumfahrers Perry Rhodan. Er soll Menschen aller Nationen und Religionen einen.

Die Vision des Raumfahrers Perry Rhodan

Bild: Verlag Pabel-Moewig

Es war einmal...Perry Rhodan Comic Nr. 1, 1961

Doch kaum ist Perry Rhodan mühsam auf dem Mond gelandet, passiert das Unvermeidliche. Aus unerklärlichen Gründen setzt die Steuerung aus. Perry Rhodan gelingt nur knapp eine Notlandung. Bald darauf stoßen die Astronauten auf den Grund ihres Beinahe-Absturzes: ein gewaltiges Raumschiff der "Arkoniden". Im so genannten Perryversum ist das das mächtigste menschenähnliche Volk der Milchstraße. Perry Rhodan lässt sich von der technischen Überlegenheit der Arkoniden nicht einschüchtern. Er erhält Zugang zu ihrer Technologie. Es gelingt ihm nichts Geringeres als den Dritten Weltkrieg zu verhindern und die Menschheit zu einen. Das Tor zu den Sternen steht den Terranern, wie sie sich von diesem Moment an nennen, offen. Und es beginnt eine, wie es Perry Rhodan Autor Bernhard Kempen nennt, "ganz gewaltige Space Opera", die bis heute anhält.

Zusammen mit seinem Kumpel Atlan erforscht Perry Rhodan nun ein gigantisches Universum. Sie fliegen mit Raumschiffen durch die Gegend, besuchen andere Planeten, andere Galaxien, andere Universen. Dort treffen sie auf die unterschiedlichsten Völker, mit denen manchmal positive, manchmal negative Kontakte entstehen. Konflikte, die im Laufe der Handlung gelöst werden.

Die Idee zu diesem gigantomanen Projekt stammt jedoch nicht von einem Schriftsteller oder Zeichner. Sie stammt vom Verlag Pabel Moewig.

Eine fast 50-jährige Erfolgsgeschichte

Bild: Verlag Pabel-Moewig

Unverletzlich, ewig jung und super-intelligent: Perry Rhodan

70 Pfennig kostete das erste Heft 1961, heute ist es ein begehrtes Sammelobjekt. Bis zu 100 Euro zahlen Liebhaber für ein Heft. Noch heute erscheint jeden Freitag am Kiosk ein Perry Rhodan Heft. Nach Meinung von Experten wird hier der komplexeste Entwurf eines fiktiven Universums geboten, den die Literatur - egal in welcher Sprache - zu bieten hat.

Zwölf Autoren pro Heft

An den Heften arbeiten derzeit zwölf Autoren. Die große Linie gibt ein Storyliner vor, damit es keine Widersprüche und Ungereimtheiten gibt. Ein technischer Experte wacht darüber, dass auch alle Details stimmen und logisch ineinander passen.

Dass jedoch die altertümliche Form des Groschenheftes ausgerechnet als Weltraum-Soap überlebt, ist angesichts der multimedialen Konkurrenz ein besonderes Phänomen und erstaunlich. Auch weil es sich um ein ausgesprochen erfolgreiches literarisches Projekt handelt. Perry Rhodan ist kein Produkt der amerikanischen Popkultur, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern ein rein deutsches Phänomen. Man musste damals dem Raumfahrer auf Weltmission einen englischen Namen geben, denn man glaubte, der deutsche Leser würde nur einem amerikanischen Major Perry Rhodan die Mission glaubwürdig abnehmen. Nicht aber einem Kai Müller oder Peter Richter.

Die Prophezeiungen von Perry Rhodan

Bild: Verlag Pabel-Moewig

Millionenfach verkauft - jetzt erscheint Heft Nummer 2500

"Die Serie steckt voller aktueller Bezüge", so Germanist Rainer Stache, der zu den Perry Rhodan Heften promoviert hat. Man will der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, und reflektiert aktuelle Konflikte wie beispielsweise das Engagement der NATO auf dem Balkan. Aber letztlich geht es um metaphysische, transzendente Ziele, die in der Realität immer weniger Wirklichkeitscharakter haben. Es geht um die Einigung der Menschheit, die Überwindung der Rassen- und Klassenschranken und der Atomkriegsgefahr. Zentrale Ziele, die jeder bedingungslos unterschreiben würde.

Große Literatur

Man glaubt es kaum, aber die längste Science Fiction Romanheftserie ist zu literarischen Höchstleistungen fähig. Bei der Lektüre kann man manchmal durchaus das Gefühl bekommen, Samuel Beckett zu lesen. Surreale Welten und ironische Facetten zeigen sich hauptsächlich dann, wenn es um die Terraner, die Bewohner der Erde, geht.

Bequem zum Himmel steigen

Mehr als eine Milliarde Romane wurde in den vergangenen 48 Jahren verkauft. Weil ein Roman 60 Seiten hat, sind also schon etwa 60 Milliarden Seiten davon erschienen. Würde man heute alle Seiten zu einer Art Treppe in den Himmel legen, könnte man bequem die Weltraumstation ISS erreichen und den Astronauten Guten Tag sagen.

Autor: Christoph Richter
Redaktion: Elena Singer

WWW-Links