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Kultur

Eine Synagoge für Europa

In einem feierlichen Akt ist die Brüsseler Synagoge in "Große Synagoge Europas" umbenannt worden - als Anlaufstelle und für die "spirituelle Dimension" der Europäischen Union.

EU-Kommussionspräsident Jose Manuel Barroso sitzt neben einem Rabbiner auf einer Bank in der Synagoge.

Hochrangige Gäste: EU-Kommissionspräsident Barroso (links) und der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Jonathan Sackx

Die Synagoge solle von nun an zum Leitstern des europäischen Judentums werden, sagte der Rabbiner der Gemeinde, Albert Guigui, bei der Proklamation am Mittwochabend (4.6.2008). Vor allem aber sei sie offizieller Ansprechpartner gegenüber der Europäischen Union. Entsprechend waren unter den Gästen vor allem hochrangige Europapolitiker. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso enthüllte als Ehrengast eine Plakette mit dem neuen Sondertitel.

Strategische Entscheidung

Innenansicht der Synagoge, am Rednerpult rechts steht der Gemeinderabbiner Albert Guigui.

Der brüsseler Rabbiner Albert Guigui in seiner umbenannten Synagoge

Dass die Synagoge gerade jetzt umbenannt wurde, ist laut Guigui kein Zufall. "Wir hatten immer schon sehr gute Beziehungen zur EU, aber vor allem seit der Präsidentschaft von Herrn Barroso ist das Interesse die Europapolitiker an Religionen allgemein gestiegen." Man habe erkannt, dass Europa nicht nur aus wirtschaftlichen Beziehungen bestehen dürfe sondern auch eine spirituelle Dimension haben müsse. Deshalb die Entscheidung der Europäischen Rabbiner-Konferenz, mit der Synagoge einen Anlaufpunkt für jüdische Fragen in Brüssel zu bestimmen.

Beten für die Union

Innenansicht der Großen Synagoge Europas mit dem prukvollgeschmückten Altar im Hintergrund.

Die "Große Synagoge Europas" wurde 1875 in Brüssel errichtet

Teil der Zeremonie war auch ein Gebet, das extra für diesen Anlass geschrieben worden war. "Gott segne und schütze Europa und alle Einwohner der Europäischen Union", hieß es darin. Die Union möge auf menschlichen und spirituellen Werten aufbauen sowie Recht und Freiheit in aller Welt verteidigen. Die anwesenden Rabbiner riefen die europäischen Juden auf, das Gebet von nun an in ihre Sabbat-Rituale aufzunehmen und regelmäßig zu rezitieren.

Kein religiöser Aufstieg

Darüber hinaus aber hat der neue Status der Synagoge keine religiösen Konsequenzen. Sie bleibt den anderen Synagogen hierarchisch gleichgestellt. "Wir sind im Grunde eine ganz normale orthodoxe Gemeinde und werden weiterhin Samstags unsere Gottesdienste feiern", sagte Guigui der Deutschen Welle. Zusätzlich sollen in der Synagoge Konferenzen, Seminare und Konzerte stattfinden.