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9/11 und die Folgen

Eine Stiftung, die Vielen Hilfe bringt

Der 25-jährige Peter C. Alderman war einer der über 2700 Menschen, die bei dem Terrorangriff auf das World Trade Center ums Leben kamen. Seine Eltern haben eine Trauma-Stiftung gegründet, um an ihn zu erinnern.

Peter C. Alderman (Foto: Elizabeth Alderman)

Peter C. Alderman war nur zufällig im World Trade Center

In dem großen Haus etwas außerhalb von New York hängen Familienbilder an allen Wänden. Drei Kinder haben die Aldermans, Peter war der jüngste. Der damals 25-Jährige war am Morgen des 11. September 2001 nur zufällig im World Trade Center in New York. Er nahm an einer Konferenz teil und war erst wenige Tage zuvor aus dem Urlaub aus Frankreich zurückgekehrt. Seine Eltern Elizabeth und Stephen waren noch in Europa.

Brennender Twin Tower (Foto: AP)

Die Aldermans wollten, dass der Tod ihres Sohnes nicht vergebens war

Peters ältere Schwester hatte noch bis zum Schluss Kontakt zu ihm, erzählt die Mutter, und setzt sich auf ein Sofa. Per Email hatte Peter der Schwester mitgeteilt, dass er sich im 106. Stockwerk im Nordturm des World Trade Centers aufhielt. "Sie emailten sich hin und her bis um 9.25 Uhr", berichtet Elizabeth Alderman. Der Text von Peters letzter Email lautete: "Wir stecken fest, der Raum füllt sich mit Rauch. Ich habe Angst." Eine Stunde später, um 10 Uhr 28, stürzte der Nordturm des World Trade Centers in sich zusammen und begrub neben Peter mehr als 2700 Menschen unter sich.

Elizabeth Alderman wollte ihrem Sohn ein Denkmal setzen, und so organisierte sie sich in dem offiziellen Komitee. "Aber nach sechs Monaten hörte ich wieder auf", berichtet sie, denn: "Es war ein sehr frustrierendes Erlebnis. Es ging nicht darum, was die Familien wollten, es ging um Macht, Gier und Politik." Ehemann Stephen erzählt die Geschichte weiter: "Lizzy schlief nicht besonders viel zu der Zeit und wir beide, aber besonders sie, verschlangen alle Nachrichten, derer wir habhaft werden konnten."

Inspiration durch einen Bericht über afghanische Mädchen

Und so sah Elizabeth Alderman eines Nachts im Fernsehen einen Bericht über drei afghanische Mädchen, die wegen der amerikanischen Bombardierung zu Waisen geworden waren. Ihre spontane Reaktion: "Ich wollte die drei Mädchen einfach nur umarmen und zu uns nach Hause holen, damit wir uns um sie kümmern und ihnen ein besseres Leben geben können." Doch ihr wurde klar, sagt sie, "dass wir viel mehr erreichen können."

Sich selbst und anderen helfen

Den Aldermans wurde bewusst, dass Millionen Menschen auf der Welt vor Krieg und Gewalt fliehen müssen und dass mehr als die Hälfte von ihnen deswegen schwer traumatisiert sind. Sie beschlossen, den Menschen zu helfen, dieses Trauma zu überwinden. Denn nur dann, davon sind sie überzeugt, können die Menschen auch ihr restliches Leben meistern. Mit Hilfe des Trauma-Arztes Richard Mollica von der Harvard-Universität schmiedeten sie einen Plan: "Er schlug vor", erklärt Stephen Alderman, "die Allgemeinärzte und die wenigen Psychologen und Psychiater von Post-Konflikt- und Konfliktländern auszubilden, damit sie die traumatisierte Bevölkerung behandeln können."

Nach dem ersten Seminar entstand dann die Idee, entsprechende Zentren direkt in den Heimatländern der Ärzte zu gründen. Und so wurde ein Zimmer im ersten Stock des großen Hauses von Elizabeth und Stephen Alderman zum Hauptquartier der Trauma-Stiftung im Namen ihres ermordeten Sohnes. Die Aldermans druckten Broschüren, verschickten Emails und führten viele, viele Telefonate. Sie verhandelten direkt mit den Regierungen der Länder, in denen sie helfen wollten.

Trauma-Zentren in Afrika und Asien

Mitarbeiter vor der Klinik (Foto: Elizabeth Alderman)

Auch die Kitgum-Klinik in Uganda entstand mithilfe der Alderman-Stiftung

Die erste Klinik wurde in Kambodscha errichtet, hinzu kam eine in Uganda; inzwischen gibt es insgesamt sechs Zentren, im Oktober soll das siebte in Liberia eröffnet werden. Mehr als 1000 einheimische Ärzte und medizinische Helfer wurden bisher ausgebildet. In Ruanda und Haiti werden ebenfalls Programme unterstützt. Hinzu kommen die jährlichen Fortbildungskonferenzen, die Letzte fand im Juli in Nairobi statt.

Das alles wird noch immer von zuhause organisiert. Die Aldermans arbeiten ehrenamtlich und geben 150.000 Dollar im Jahr in die Stiftung, erzählen sie. Auch die hohe Entschädigung für Peters Tod, die Elizabeth Alderman erst nicht annehmen wollte, und andere Spenden tragen zur Finanzierung der Stiftung bei. Die Tochter arbeitet ebenfalls mit und vor zwei Jahren wurde ein Direktor eingestellt.

Elizabeth und Stephen Alderman (Foto: DW)

Sie gründeten die Trauma-Stiftung

Die Aldermans wollen sich langsam zurückziehen. Auch nach ihrem Tod soll die Stiftung und damit Peters Vermächtnis weiter existieren. Sie empfinden eine tiefe Befriedigung in der Arbeit, auch oder gerade, weil sie erschöpfend ist. Sie könne inzwischen auch besser schlafen, sagt Elizabeth: "Die Traurigkeit ist aber noch immer da, der Schmerz." Doch sie fährt fort: "Wenn ich bedenke, dass ich einmal gedacht habe, dass ich mich nie wieder über etwas freuen könnte, dann muss ich sagen: Ich empfinde eine große Zufriedenheit durch unsere Arbeit und ich fühle mich geehrt, dass ich so viele wunderbare Menschen kennenlernen durfte."

Elizabeth und Stephen Alderman haben ihre Antwort auf den Tod ihres Sohnes gefunden: Anderen Menschen Gutes zu tun, ihnen zu helfen, die Folgen des Terrors zu überwinden, damit ihr Sohn, der so viele Freunde hatte, der das Schöne am Leben zu schätzen wusste, eine Spur in dieser Welt hinterlässt. "Mir wurde klar, dass wir für Peter nichts mehr tun konnten, er war ja tot, sondern dass wir ihn, der das Leben so liebte, am besten ehren konnten, indem wir andere Menschen in Peters Namen zurück ins Leben holen."

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Sabine Faber