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Afrika

Eine starke Frau an der Spitze Afrikas

Nkosazana Dlamini-Zuma aus Südafrika ist die erste Frau auf dem Chefsessel der Afrikanischen Union. Die Erwartungen an die neue Kommissionspräsidentin sind hoch: Sie muss sich als knallharte Krisenmanagerin beweisen.

Die Südafrikanerin Nkosazana Dlamini-Zuma (Foto: dpa)

Nkosazana Dlamini-Zuma

Sie gilt als ausgesprochen durchsetzungsfähig und diszipliniert – Eigenschaften, die Nkosazana Dlamini-Zuma in ihrem neuen Job als Kommissionspräsidentin der Afrikanischen Union (AU) gut gebrauchen kann. Immerhin steht sie nun für vier Jahre an der Spitze eines der größten regionalen Bündnisse, dirigiert künftig 53 afrikanische Staaten. Und auch die Liste ihrer diplomatischen Herausforderungen ist lang. Sie reicht von der Krise in Mali über die Gewalt im Kongo bis zum Sorgenstaat Somalia.

Doch den mächtigsten Posten in der AU musste sich Dlamini-Zuma, bislang Innenministerin Südafrikas, hart erkämpfen. Das Votum der Staats- und Regierungschefs auf dem AU-Gipfel in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba war keine spontane Liebeserklärung an die 63-Jährige. Nach drei Wahlgängen fehlte ihr am Sonntag (15.07.12) noch immer die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit von 34 Ländern. Erst als sich Amtsinhaber Jean Ping aus dem westafrikanischen Gabun zurückzog, erhielt Dlamini-Zuma in der vierten Wahlrunde ein mehrheitliches Ja. Die Kandidatin feierte das Ergebnis als Sieg für die Frauen. "Diese Position ist nicht nur wichtig für Südafrika, sondern auch für die Frauen. Noch nie hatte eine Frau diesen Job und wir bekämen ihn auch nicht, wenn wir uns nicht immer wieder zu Wahl stellen würden – solange bis wir endlich gewinnen", sagte sie.

Starke Frau aus dem Süden

Die Außenministerin der Republik Südafrika, Nkosazana Dlamini-Zuma im Jahr 2009 (Foto: dpa)

Erfahrene Politikerin: Dlamini-Zuma als Außenministerin Südafrikas (1999 bis 2009)

Dlamini-Zuma gilt als eine der einflussreichsten Politikerinnen Südafrikas und als Veteranin im Kampf gegen den Rassenhass. Geboren 1949, wuchs sie als eines von acht Kindern in einem Dorf nahe der Küstenstadt Durban auf, wurde in der Tradition der Zulu erzogen, der größten Volksgruppe Südafrikas. Sie studierte zunächst Zoologie und Botanik, engagierte sich schon früh im Untergrund für den Afrikanischen Nationalkongress (ANC), die südafrikanische Anti-Apartheid-Bewegung. Nach den Aufständen von 1976 floh sie ins britische Exil, studierte dort Medizin und heiratete 1978 den heutigen Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma.

In den frühen 90er Jahren kehrte sie zurück nach Südafrika und ging 1994, nach den ersten freien Wahlen des Landes, in die Politik. Der neue Präsident, Nelson Mandela, machte sie zu seiner Gesundheitsministerin. Danach war Dlamini-Zuma Außenministerin, 2009 wechselte sie in die Innenpolitik – als Ministerin in der Regierung ihres Ex-Ehemannes Jacob Zuma, von dem sie seit 1998 geschieden ist. Er war einer der ersten, der ihr am Sonntag zum Wahlsieg gratulierte. "Das bedeutet viel für Afrika, für den Kontinent, für die Einheit und die Rechte der Frauen", sagte Zuma.

Die neue Krisenmanagerin

Der bisherige AU-Kommissionspräsident Jean Ping (Foto: rtr)

Der bisherige Amtsinhaber: Jean Ping aus Gabun

Das große politische Ziel der fünffachen Mutter: Sie will die Afrikanische Union "effizienter" machen. Immer wieder stand das Bündnis in der Kritik, ein "zahnloser Tiger" zu sein, der sich in Krisen wie Mali, Libyen und Sudan zu keiner eindeutigen Stellung durchringen konnte. Ein Vorwurf, der sich auch an den scheidenden Kommissionspräsidenten Jean Ping richtet. "Von Frau Dlamini-Zuma wird jetzt erwartet, dass sie die AU-Kommission stärkt und ihr politisches Gehör verschafft", sagt Julia Leininger vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn. Konkret heißt das: Die Union nach innen und nach außen managen. Damit muss Dlamini-Zuma nicht nur Arbeitsabläufe verbessern und gut ausgebildete Afrikaner für Spitzenpositionen rekrutieren, sondern auch die politischen Differenzen der Mitgliedstaaten schlichten und Lösungen für die Konflikte des Kontinents vorantreiben. Nach der Kampfabstimmung vom Sonntag sind das echte Herausforderungen.

Monatelang hatte Dlamini-Zuma mit Jean Ping, seit 2008 im Amt, um den Chefposten gerungen. Der Machtkampf hatte die Organisation regelrecht gelähmt und dazu geführt, dass die AU mehr mit sich selbst als mit den drängenden Problemen auf dem Kontinent befasst war. Eine erste Abstimmung beim AU-Gipfel im Januar endete ohne Ergebnis, weil keiner der beiden Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichte. Das Bündnis - zerrissen entlang Sprachgrenzen und Interessenlagen.

Siegerin nach langem Machtkampf

Islamistische Rebellen in Mali (Foto: rtr)

Ganz oben auf der Agenda: die Krise in Mali

Allein schon mit seiner Kandidatur hatte Südafrika ein ungeschriebenes Gesetz der AU gebrochen. Danach dürfen sich große, wirtschaftsstarke Staaten nicht um hohe Ämter bewerben. Dlamini-Zuma aber genießt die Unterstützung weiter Teile des englischsprachigen Afrikas und ist die Wunschkandidatin der "Wirtschafts- und Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika" (SADC). Ping dagegen galt als der Kandidat des frankophonen Afrikas, der kleinen, weniger starken Länder. Für Südafrika bedeutet die Wahl Dlamini-Zumas zusätzliches diplomatisches Gewicht: Die größte Volkswirtschaft Afrikas gehört zu den führenden Schwellenländern und strebt nach einem permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Von zwei Fronten in der Union will das Schwergewicht nichts wissen. "Dr. Nkosazana Dlamini-Zuma wird allen Mitgliedstaaten der AU gleichermaßen dienen und nicht nur einer Region oder einem Land", sagte eine Sprecherin der südafrikanischen Regierung nach dem Wahlsieg. Dennoch: Der Riss in der AU ist tief und könnte zur Bewährungsprobe für die neue Chefin werden. "Dlamini-Zuma ist sehr erfahren in innenpolitischen Fragen, sehr durchsetzungsfähig, aber sie hat kaum Erfahrung auf einer diplomatischen Ebene, deshalb wird man sehen müssen, ob sich die Konfrontation im Vorfeld der Wahl in ihr Amt weitertragen wird", sagt Afrika-Expertin Leininger.

Neben den Krisen der Organisation muss die neue AU-Chefin auch Antworten auf die Krisen des Kontinents finden, darunter die bewaffneten Konflikte in Mali und zwischen dem Sudan und Südsudan. Viel Zeit zum Einarbeiten bleibt ihr dabei nicht.

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