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Eine Stadtgeschichte

Sie existieren in jedem Land: Städte. Ihre Größe reicht von der Klein- über die Mittel- bis zur Megastadt. Städte bekamen Stadtrechte und hatten Stadtmauern. Was aber haben „Burg“ und „Stadt“ miteinander zu tun?

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Eine Stadtgeschichte – die Folge als MP3

Die schönste, die liebenswerteste, die größte, die charmanteste, die lauteste … Adjektive zur Beschreibung einer Stadt gibt es sehr viele – meist sind sie sehr individuell. Manche lieben ihre Stadt und alles, was sie so zu bieten hat. Andere wiederum lehnen diese „große Ansammlung von Häusern und öffentlichen Gebäuden, in der viele Menschen in einer Verwaltungseinheit leben“ grundsätzlich ab. Sie leben lieber auf dem Land, um vor den Toren der Stadt Ruhe und Erholung zu finden.

Ein etymologischer Exkurs

Die Burg in Würzburg

Sie trägt das „Burg“ im Namen, die Stadt Würzburg

Nicht jede deutsche Stadt kann mit einer Geschichte aufwarten, die bis ins 8. beziehungsweise 13. Jahrhundert zurückreicht. Entstanden ist der Begriff „Stadt“ nämlich zu dieser Zeit – als Wort und dann in seiner Bedeutung. Im Alt- und Mittelhochdeutschen gab es das Wort „stat“ – klein und nur mit einem „t“ am Ende geschrieben. Es bedeutete soviel wie „Ort“, „Stätte“, wo mehrere Menschen leben, eine Siedlung also. Seine heutige Bedeutung leitet sich von dem Begriff „Burg“ ab. Der Bedeutungswandel fand etwa um 1200 statt.

Die Germanen lernten Städte als römische Söldner und im römischen Grenzland an den Flüssen – an Donau, Rhein und am Main – kennen. Sie benannten diese großen Siedlungen zunächst mit ihrem Wort, und dieses war burg. So sind beispielsweise Städtenamen wie Würzburg, Augsburg, Aschaffenburg, Günzburg und Ladenburg zu erklären. Im frühen Mittelalter waren Burganlagen, die sich mit riesigen Mauern und manchmal auch Wassergräben gegen Feinde schützen, bereits Städte. Ihre Bewohner waren die Bürger.

Das Stadtrecht

Im Mittelalter – ungefähr um die Wende zum 12. Jahrhundert – wird der Begriff Stadt auch zu einem Rechtsbegriff. Eine Stadt steht nun nicht mehr ausschließlich aufgrund ihrer Größe im Gegensatz zum Dorf. Den Städten wurden ganz bestimmte Rechte verliehen; der Begriff des Stadtrechts geht bis auf diese Zeit zurück.

Ganz wesentlich für die Stadt war der Markt. Das Stadtrecht bestand aus mehreren Privilegien. Das Marktrecht gilt als das älteste Privileg. Das Stadtrecht bedeutete jedoch nicht nur das Recht, Markt halten zu dürfen, es sicherte den Bürgern der Stadt unter anderem auch die persönliche Freiheit, unbeschränktes Ehe- und Erbrecht, sowie Freiheit des Handels und Handwerks.

Das Stadtoberhaupt, der Bürgermeister

Ein Rathaus mit Schriftzug Rathaus

Das Stadtoberhaupt residiert hier: im Rathaus

Waren früher in Kriegszeiten vor allem die Burgen Ort der Zuflucht und des Schutzes, wurden es nun die Städte. Als Schutzvorrichtungen wurden Mauern um die Stadt errichtet, die Stadtmauern. Einlass fand man nur durch die ganz besonders gesicherten Stadttore. Und rings um die Stadt zog sich oft – wie bei den Burganlagen auch – ein tiefer, mit Wasser gefüllter Graben, der Stadtgraben.

Im Lauf der Zeit wuchsen die Städte, sie brauchten eine Verwaltung. Oberhaupt einer Stadt ist etwa seit dem 13. Jahrhundert ein Bürgermeister. Früher war er der Vertreter des Landesherrn und darüber hinaus höchster Richter im Stadtgericht. Zu den Besonderheiten des Stadtrechts gehörte auch, dass ein Stadtrat eingesetzt wurde, der im Stadthaus, heute im Rathaus, seine Beschlüsse fasste.

Städtische Insignien und Einwohnerzahlen

Fahne Wappen Regensburg

Städtisches Insignum: das Stadtwappen

Stadtwappen, Stadtsiegel und das Stadtbanner – die Stadtfahne – waren und sind bis heute Insignien einer jeder Stadt. Übrigens war in Deutschland niemals die Einwohnerzahl einer Siedlung maßgebend dafür, ob sie zur Stadt erhoben wurde. Wichtig war, ob sie das Stadtrecht verliehen bekommen hatte. So hat die bislang kleinste Stadt in Deutschland etwas mehr als 300 Einwohner.

Dennoch wurde 1887 auf der Internationalen Statistikkonferenz in Rom definiert, welche Einwohnerzahl eine Stadt haben sollte, um als Klein-, Mittel-, Groß- und Millionenstadt zu gelten. Megastädte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern gab es damals noch nicht. Dass sich manche Städte so entwickelten, hatte auch damit zu tun, dass es für viele Menschen erstrebenswert war, in der Stadt zu leben. Als es jedoch innerhalb der oft ringförmigen Stadtmauern zu eng wurde, wurden vor den Mauern der Stadt, Häuser gebaut.

Besondere Städte

Die Stadt vor der Stadt hieß Neustadt oder Vorstadt, und sie wurde wenigstens mit einem Pfahlwerk, einem lückenlosen Zaun aus Pfählen gesichert, später auch durch Mauern. Vorstadt, Neustadt, Innerer Ring, Äußerer Ring – das sind alte Bezeichnungen, die uns heute ganz selbstverständlich sind. Manche Städte sind Kleinstädte geblieben, andere haben sich zu Groß- ja Megastädten entwickelt, zu Metropolen, Weltstädten, zu Millionenstädten.

Natürlich gibt es unter den Städten ganz besondere wie beispielsweise die Ewige Stadt Rom oder die Heilige Stadt Jerusalem. Oder Städte, deren Namen aufgrund ihrer geographischen Lage, Geschichte und wirtschaftlich-kulturellen Bedeutung einen besonderen Klang haben: Rio de Janeiro, Paris, Berlin, Peking, Kapstadt, Sankt Petersburg; die Liste lässt sich fortführen.

Preiswürdig: die lebenswerteste Stadt

Seit 1997 werden Stadtverwaltungen jährlich sogar für ihre Anstrengungen belohnt, ihre Stadt lebenswerter zu machen: mit dem sogenannten „LivCom Award“. Es gibt inzwischen fünf Kategorien von Städten, die abhängig sind von der Einwohnerzahl, und vier Bewertungskriterien. Mit dem Titel schmücken können sich in Deutschland bislang Münster, der Rhein-Hunsrück-Kreis und Pfaffenhofen an der Ilm. Für manchen Bewohner dort, den es dauerhaft in die Stadt verschlagen hatte, war es eigentlich doch schon immer klar: Meine Stadt ist die lebenswerteste!





Arbeitsauftrag
Schreib ein Porträt von etwa zwei Seiten über deine Stadt. Beschreibe beispielsweise, wie viele Einwohner sie hat, wie sie sich entwickelt hat und was dir an ihr gefällt beziehungsweise missfällt.

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