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Europa

Eine Stadt, eine Währung

Lewes hat ein uraltes Schloss, eine heimische Brauerei - und eine eigene Währung. Schon vor der weltweiten Finanzkrise hat das Städtchen in Südengland seine eigene Währung eingeführt: das Lewes Pound.

Pfundnoten mit einem Porträt (Foto: Gareth Fuller/PA URN:6940512)

Das eigene Pfund scheint in Lewes zu funktionieren

Das Hauptquartier für die Stadtwährung ist ein winziges Dachstudio in der Bahnhofstraße in Lewes. An den Wänden kleben Plakate mit Parolen über Ölkrise und die globale Erwärmung - gleich daneben hängen Poster mit Lösungsvorschlägen: lokale Energiequellen, lokale Tauschnetze, lokale Gemeindegärten.

Freude über die eigene Währung

Blick auf Gebäude mit roten Ziegelsteinen (Foto: dpa)

Lewes sucht seinen eigenen Weg aus den Krisen

Auch die eigene Währung soll eine Lösung sein. "Wir suchen positive Antworten auf die Energiekrise", erklärt Oliver Dudok van Heel, der das Projekt mitorganisiert hat. Die Parallel-Währung, die nur in Lewes gilt, und dort von 120 kleinen Läden anerkannt wird, soll die Bewohner zum lokalen Konsum anregen und das Gemeinschaftsgefühl stärken.

Entwickelt hat sich das Lewes Pfund aus der "Transition-Town"-Bewegung, in Deutschland als "Energiewende" bekannt. Die in lichten Blau- und Grüntönen gehaltenen Scheine seien auf echtem Banknotenpapier gedruckt, sagt Chris Smedely, der das Lewes Pfund entworfen hat. Auf die Vorderseite setzte er nicht etwa das Bild der Königin, sondern das Konterfei des englischen Revolutionärs Thomas Paine. Darunter steht der Spruch "Es liegt in unserer Macht, die Welt neu aufzubauen".

Örtliche Geschäfte wie Gemischtwarenhändler, Blumen- und Computerläden tragen die Druck- und Papierkosten. Die Brauerei "Harveys" feiert die Stadtwährung sogar mit einem eigens gebrauten Festbier. "Die lokale Währung passt wunderbar in unser grünes Konzept: Wir brauen ausschließlich mit lokalen Zutaten. Die Flaschen und sämtliche Nebenprodukte werden lokal recycelt und wir liefern nur im Umkreis von 30 Meilen aus", sagt Ham is Elder von der Brauerei.

Die Währung als verbindendes Element

Die lokale Kritik am Lewes Pfund hält sich in Grenzen. "Reichlich romantisch" sei zu hören und "vielleicht auch ein bisschen unnötig." Er kenne niemanden, der seine Kaufgewohnheiten seit der Einführung der Währung verändert habe, sagt ein Einwohner.

Seniorin in einem Supermarkt (Foto: BilderBox)

Ein Ziel: den Konsum ankurbeln

Doch Sue vom Gemischtwarenladen "Mays" widerspricht: Ihr Umsatz sei trotz Rezession gestiegen - und das verdanke sie nicht zuletzt dem Lewes Pfund. "Meine Kunden sind noch loyaler geworden. Dass wir unsere eigene Währung haben, hat uns in diesen schwierigen Zeiten tüchtig aufgemuntert: Wir freuen uns, dass wir die örtliche Gemeinschaft erhalten und etwas haben, das wir an unsere Kinder weitergeben können."

Alternativen gesucht

Das Lewes Pfund ist vorerst nur bis September 2009 gültig. Aber die Organisatoren schmieden bereits neue Pläne: Geldscheine in höherer Denomination, eine Tauschbörse für Waren und Dienstleistungen und vielleicht sogar eine Einrichtung, um lokale Mikrokredite zu vergeben. "Natürlich können wir nicht innerhalb eines Jahres grundlegende Änderungen herbeiführen. Aber die Krise zwingt die Menschen nachzudenken. Das gegenwärtige System hat versagt und das Lewes Pfund ist die beste Werbung, um eine Diskussion über lebensfähige Alternativen in Gang zu bringen"“, fasst es Oliver Dudok van Heel zusammen.

Autorin: Ruth Rach
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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