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Spurensuche

Eine Spur zu Gott

Auferstehung? Leben in der Welt Gottes nach dem Tod? Anhand von Jesu Worten blickt Pater Hans Peters SVD von der katholischen Kirche ins Jenseits. Das hat Konsequenzen und zwar im Diesseits. Denn alles ist ganz anders.

Herz Jesu (Dieter Schütz/pixelio.de)

Herz Jesu, Sinnbild der Liebe Christi: Er ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden.

Eine geradezu skurrile Geschichte, das Evangelium dieses Sonntags (Lk 20,27-38): Sadduzäer kommen zu Jesus, um ihn nach dem Leben der Auferstehung zu befragen, wobei sie selbst nicht an die Auferstehung glauben. Dazu eine Geschichte: Sieben Brüder und eine Frau, einer nach dem anderen stirbt. Da alle kinderlos sterben, geht die Frau nach jüdischem Brauch von einem auf den anderen. Die süffisante Frage: „Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Ale sieben haben sie doch zur Frau gehabt?“ „Man merkt die Absicht, und ist verstimmt“, so könnte man mit Goethe sagen: den Sadduzäern geht es nicht um die Auferstehung, sondern nur darum, Jesus in eine lächerliche Position zu bringen, ja die Frage nach der Auferstehung selbst ins Lächerliche zu ziehen.

So fremd scheinen die Sadduzäer heutigem Zeitgefühl nicht zu sein: Auferstehung – für die meisten Menschen heute Fehlanzeige, vielleicht eine aus östlichen Religionen übernommene Wiedergeburtslehre, Seelenwanderung, aber das muss es dann auch sein, mehr nicht, höchstens weniger. Die Antwort Jesu: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen – in jener Welt der Auferstehung von den Toten werden Menschen nicht mehr heiraten, scheint die Sache noch mehr zu verfremden, heute, in einer Zeit, wo Eros und Sexualität so selbstverständlich zum Leben dazugehören. Man ist geneigt, das Ganze auf sich beruhen zu lassen, mal wieder: Verdächtigung und Abwertung von Eros und Sexualität – himmelstauglich sind beide scheinbar nicht – kennen wir doch.

In jener Welt werden sie nicht mehr heiraten

In jener Welt werden sie nicht mehr heiraten, dieses Wort Jesu könnte jedoch auch eine Ernüchterung zur Folge haben: Eros und Sexualität bringen uns nicht ohne weiteres den Himmel auf Erden, ja wo sie nicht human gelebt werden, können sie Ursache von großem Leid sein. Aber darum geht es nicht, zumindest nicht in erster Linie. Vielmehr es geht tatsächlich um  Auferstehung, es geht um das Herzstück christlichen Glaubens. Was Jesus hier über das Leben in der Auferstehung sagt, verbietet uns, den Himmel nach unseren Wünschen und Phantasien auszumalen, vielmehr uns darauf gefasst zu machen, dass es anders sein wird, ganz anders. Die ewige Wiederkehr des ewig Gleichen – nur so können sich die Sadduzäer den Himmel denken.

Ludwig Feuerbach, der große Atheismusphilosoph des 19. Jahrhunderts, lässt grüßen: für ihn war der christliche Glaube an ein Leben in der Auferstehung nichts anderes als die Fortschreibung nicht erfüllter menschlicher Sehnsüchte in den Himmel, eine Projektion, womit bewiesen wäre, dass der Himmel eine menschliche Erfindung sei.

Christlicher Glaube steht quer dazu: „Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig“. Vor kurzem las ich in einer Todesanzeige: „Es gibt keine Toten, es gibt nur Lebende: solche vor dem Tod und solche nach dem Tod“. Wie lebendig, wie neu und überraschend, das hat Paulus einmal sehr markant ausgedrückt, wenn er sagt: „Was kein Auge gesehen und was kein Ohr gehört hat, das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2,9). Wie es genau sein wird, das Leben in der Welt Gottes nach unserem Tod, die Bibel spricht in vielfältigen Bildern davon, Hoffnungs- und Verheißungsbilder, die auf den Geschmack des Himmels bringen wollen, wenn davon die Rede ist, dass Gott den endlosen Tränenstrom dieser Welt endlich trocknen wird (Off 21,4), einem der eindrucksvollsten Bilder für den Himmel.

Konsequenzen für das Hier und Jetzt

Nach Jesu Wort wird es anders und neu sein, nichts vom Tod, sondern nur noch Leben. Und das hat Konsequenzen schon hier und jetzt. Ist mein Leben nur noch Wiederholung, Fortschreibung von Altbekanntem und immer schon Gewusstem? Oder gibt es doch noch Platz für Neues, Überraschendes, Anderes, Fremdes? So ein Glaube an die Auferstehung färbt ab auf das alltägliche Leben: mit den Überraschungen des Lebens rechnen, dem Nichterwarteten, mit einem überraschenden Gott rechnen, immer wieder neu, anders, fremd – ganz einfach lebendig.

Immer weiter so oder ganz neu, ganz anders? – Das könnte doch auch eine Frage für die kommende Woche sein: nur immer weiter so oder doch noch ganz anders, ganz neu, ja vielleicht sogar auf den ersten Blick fremd, aber doch lebendig, leben. Gott steht für das Neue, das ganz Andere. An den Gott der Lebendigen glauben heißt schon in diesem Leben mit dem Neuen, dem ganz Anderen zu rechnen. Das Leben ist nicht die ewige Wiederkehr der immer gleichen Abläufe, sondern schon hier will der Glaube uns für das ewig Neue Gottes offenhalten und offen machen. 

Die Dichterin Hilde Domin hat es einmal treffend so ausgedrückt:
„Nicht müde werden
Sondern dem Wunder
Leise
Wie einem Vogel
Die Hand hinhalten.“1

Das wäre dann nicht mehr eine skurrile Geschichte, das wäre dann meine Geschichte, das wäre mein Leben, immer wieder neu, überraschend, ganz einfach lebendig – und so eine Ahnung von Himmel, eine Spur zu Gott.

1 Kapellari, Egon, Aber Bleibendes stiften die Dichter, Graz 2001, S. 61.  

Pater Hans Peters SVD, Steyler Missionar, Goch (DBK)

Pater Hans Peters SVD gehört seit 1967 dem Orden der Steyler Missionare an, in dem er in vielen verschiedenen Funktionen gewirkt hat und bis heute wirkt, unter anderem in der Jugendarbeit, als Novizenmeister und im Rektorat des Missionshauses St. Michael in Steyl (Niederlande). Seit 2008 arbeitet der gefragte Seelsorger und Lebensberater als Wallfahrtsseelsorger in Goch am Niederrhein. Seit 1994 schreibt er regelmäßig für die christliche Familienzeitschrift „Stadt Gottes“.

Kirchliche Verantwortung: Dr. Silvia Becker, Katholische Hörfunkbeauftragte und Alfred Herrmann