1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Top-Thema – Podcast

Eine richtige Verfassung

Ausgestopfte Elefanten und Skelette von Tieren waren Zeugen, als eine neue Republik geboren wurde: In einem Naturkunde-Museum in Bonn wurde 1949 das "Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland" beschlossen.

Festakt für den Parlamentarischen Rat im Museum Koenig in Bonn

Hier entstand das Grundgesetz: im Museum Koenig in Bonn

Deutschland hat eine Verfassung, die nicht "Verfassung" heißen sollte. Als am 23. Mai 1949 der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer das Grundgesetz verkündete, hofften die Politiker noch auf eine schnelle Vereinigung von West- und Ostdeutschland. Das Grundgesetz sollte nur ein Provisorium sein, bis eine gesamtdeutsche Verfassung beschlossen würde. Doch dazu kam es nie.

1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, teilten die Siegermächte Deutschland in vier Zonen: eine amerikanische, britische und französische im Westen und eine sowjetische im Osten. Die West-Alliierten gaben den deutschen Politikern den Auftrag, eine demokratische Verfassung auszuarbeiten. Als Tagungsort wurde Bonn ausgewählt. Die Halle im Museum Alexander Koenig, in der sonst ausgestopfte Tiere ausgestellt wurden, diente dem so genannten Parlamentarischen Rat als Versammlungssaal.

Die meisten der 70 Abgeordneten, die am 1. September 1948 zusammenkamen, waren sich einig: Das Grundgesetz sollte die Menschenrechte schützen und jedem ein Leben ohne Furcht und Angst ermöglichen. Bei anderen Themen allerdings gab es Diskussionen. So waren einige Männer dagegen, die Gleichheit von Frauen und Männern ins Grundgesetz aufzunehmen. Am Ende jedoch konnten sich die vier Frauen im Rat durchsetzen.

Aus Sicht von heutigen Verfassungsrechtlern hat das Grundgesetz alles, was eine Verfassung braucht. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde diskutiert, ob das Grundgesetz auch dem Namen nach zu einer Verfassung werden sollte. Aber die meisten Deutschen hatten sich inzwischen an die Bezeichnung gewöhnt. Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht und Staatsrecht an der Universität Göttingen, meint: "Das Grundgesetz ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich für andere Länder." Es beeinflusste zum Beispiel die Verfassungen Spaniens, Griechenlands und sogar Südafrikas.


Glossar

etwas ausstopfen – hier: ein totes Tier mit etwas füllen, damit es seine Form behält

Skelett, das – alle Knochen eines Menschen oder Tieres

etwas verkünden – etwas öffentlich bekannt machen

Provisorium, das – etwas, das nur so lange existieren soll, bis es etwas Besseres gibt

es kommt zu etwas – etwas passiert; etwas wird Realität

sowjetisch – auf das kommunistische Russland und die zugehörigen Länder bezogen (Substantiv: Sowjetunion, die)

West-Alliierten, die (Plural) – hier: diejenigen westlichen Staaten, die im 2. Weltkrieg gemeinsam gegen Nazi-Deutschland kämpften, vor allem USA, Großbritannien, Frankreich

etwas ausarbeiten – etwas komplett fertig machen

Tagung, die – eine Versammlung von Experten, die mehrere Tage dauert

Rat, der – hier: eine Gruppe von Personen, die bestimmte Probleme diskutiert und Entscheidungen trifft

einig – so, dass alle einer Meinung sind

sich durchsetzen – seine Ziele nach einem Streit oder Kampf erreichen

aus Sicht von jemanden – nach Meinung von jemandem

-rechtler – ein Experte auf einem bestimmten Gebiet der Rechtswissenschaft

Wiedervereinigung, die – hier: die Bildung eines Staates aus DDR und BRD 1990

dem Namen nach – auf den Namen bezogen; was den Namen betrifft

in vielerlei Hinsicht – viele verschiedene Punkte oder Themen betreffend

vorbildlich – so, dass etwas so gut ist, dass andere es auch machen wollen oder sollen


Fragen zum Text

1. Das Grundgesetz wurde nicht Verfassung genannt, weil …

a) es sich zu sehr von einer typischen Verfassung unterschied.

b) es nur für eine kurze Zeit gültig sein sollte.

c) die Bevölkerung den Begriff "Verfassung" nicht kannte.

2. Welche Aussage ist falsch?

a) Die Gleichheit von Frauen und Männern wurde ins Grundgesetz aufgenommen.

b) Einige Männer im Rat lehnten die Gleichheit von Frauen und Männern ab.

c) Bei der Gleichheit von Frauen und Männern haben die Frauen im Rat ihr Ziel nicht erreicht.

3. Welche dieser Fragen passt zum Inhalt des zweiten Absatzes?

a) Was steht im Grundgesetz?

b) Welche Wirkungen hatte das Grundgesetz?

c) Wie ist das Grundgesetz entstanden?

4. 1990 wurden die BRD und die DDR zu einem Staat …

a) vereinigt.

b) einig.

c) vereinheitlicht.

5. Manche Männer sind auch heute noch gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau, doch die meisten sind …

a) für die.

b) wofür.

c) dafür.

Arbeitsauftrag

Lesen Sie sich unter http://www.bundestag.de/parlament/funktion/gesetze/Grundgesetz/gg_01.html die Artikel eins bis sechs, acht und zwölf des Grundgesetzes durch. Welche der folgenden Aussagen sind richtig:

a) Jeder darf seine Meinung öffentlich äußern.

b) Das Christentum ist Staatsreligion.

c) Jedem Deutschen ist es erlaubt, eine Waffe zu tragen.

d) Niemand darf wegen seiner Herkunft Nachteile haben.

e) Alle Deutschen haben ein Recht auf Arbeit.

Autor: Ingo Pickel

Redaktion: Raphaela Häuser

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads