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Nahost

Eine Palästinenserin im Berliner Innensenat

Sawsan Chebli ist die erste Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten des Berliner Innensenators Körting. Sie hat palästinensische Wurzeln und ihr Weg war nicht einfach.

Sawsan Chebli, Foto: Körber-Stiftung

Seit März ist Chebli Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten in Berlin

Die Eltern von Sawsan Chebli waren Flüchtlinge. Sie flohen 1948, nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg, in den Libanon, wo sie 20 Jahre lang lebten. Sawsan, ihr jüngstes Kind, wurde später in Deutschland geboren. Bis zum Alter von zwölf Jahren war sie staatenlos und lebte mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Ihre Eltern waren damals Analphabeten und zuhause wurde nur Arabisch gesprochen. Trotzdem schaffte es Sawsan aufs Gymnasium und entschied sich nach dem Abitur für ein Studium der Politikwissenschaften. Nicht zufällig: sie habe als Flüchtlingskind schon früh erfahren müssen, wie Politik sich auf den Einzelnen auswirke, sagt die heute 31-Jährige: "Politik hat das Schicksal meiner Eltern bestimmt. Darum stellte sich mir die Frage: Wie kann ich dazu beitragen, dass Politik verändert wird?"

Deutsche Islam-Konferenz 2010 mit Innenminister Thomas de Maizière, Foto: dpa

Chebli bereitet auch die Islam-Konferenz vor

Seit März 2010 ist die Politikwissenschaftlerin Sawsan Chebli als erste "Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten" beim Berliner Innensenat tätig. Sie gehört zum direkten Stab von Innensenator Ehrhart Körting, den sie in den Bereichen Islam und Integration berät. Sie bereitet inhaltlich die Islamkonferenz auf Bundesebene vor, sie betreut auf Berliner Ebene das Islam-Forum und befasst sich mit der Frage, wie Muslime in der Hauptstadt besser integriert werden können.

Bildung für Migranten

Für diese Aufgabe bringt Sawsan Chebli mit ihren palästinensischen Wurzeln die besten Voraussetzungen mit, sie gehört mittlerweile zu den erfolgreichen jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Gerade darum macht sie sich für das Thema Bildung bei jenen stark, die bereits in zweiter und dritter Generation in Deutschland leben. Zu ihrer Zeit sei das noch etwas Außergewöhnliches gewesen, erinnert sie sich: "Ich war damals die Einzige von 13 Kindern in meiner Familie, die das Abitur gemacht hat." Als sie an der Universität 2004 ihren Abschluss machte, habe es in ihrem Jahrgang nur wenige Studenten mit Migrationshintergrund gegeben, sagt sie: "Araber oder Deutsch-Araber habe ich kaum getroffen. Das sieht heute anders aus."

Das bedeute aber noch nicht, dass es einfacher geworden sei, auch nicht der Zugang zum späteren Berufsleben, sagt sie, es gebe immer noch viele Defizite. "Aber mittlerweile ist auch bei den Eltern angekommen, wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist, weil sie hier bleiben und nicht zurückgehen. Sie müssen hier das Abitur machen, sie sollen studieren und sie sollen etwas erreichen, weil sie die Multiplikatoren in der Gesellschaft sind. Und sie sind jene, die das Bild von Migranten in Deutschland und in Berlin verändern können."


Die Sehitlik-Moschee in Berlin (Archiv, Foto: ap)

In Deutschland leben schätzungsweise drei Millionen Muslime, viele von ihnen haben auch in der dritten Generation noch Probleme wegen ihres Migrationshintergrundes. Chebli setzt sich vor allem für mehr Chancengleichheit ein.

Dem Islam begegnen

Auch der Islam ist eines ihrer großen Themen, Sawsan Chebli hat bereits einen Betriebsausflug für die Mitarbeiter der Senatsinnenverwaltung durch die Berliner Sehitlik-Moschee organisiert. "Ich habe gesagt: 'Lasst uns doch mal den Islam näher kennenlernen!'. Es geht nicht nur um die Moschee, sondern auch darum, Hintergründe des Islam zu erfahren", erklärt sie.

Ehrhart Körting, Berliner Senator für Inneres (Archiv, Foto: dpa)

Hat Chebli in den Innensenat geholt: Ehrhart Körting

Sawsan Chebli ist selbst Muslimin, dennoch hat sie sich gegen das Tragen eines Kopftuchs entschieden: "Weil ich davon ausgehe, dass es schwieriger ist, in Deutschland etwas zu erreichen, wenn man das Kopftuch trägt", sagt sie. Für sie ist das Kopftuch Symbol religiöser Überzeugung und sie hält es für verantwortungslos, wenn Frauen mit Kopftüchern aus einer Gesellschaft ausgeschlossen werden. Aber auch dieses Problem habe die Politik erkannt, in der Islamkonferenz sei das Kopftuch mittlerweile ein zentrales Thema, sagt sie: Man müsse dafür sorgen, dass Musliminnen der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert und Chancengleichheit erreicht wird, fordert sie: "Mit Kopftuch oder ohne. Es darf hier keine Diskriminierung geben!"

Für November hat Sawsan Chebli ein Seminar für Führungskräfte der Polizei geplant. Dort soll es darum gehen, welche Auswirkungen Konflikte in der islamischen Welt auf den Alltag von Muslimen, vor allem von muslimischen Jugendlichen, in Berlin haben.

Autorin: Sabine Ripperger

Redaktion: Ina Rottscheidt

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