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Politik

"Eine neue Zeit ist angebrochen"

Ein Mitglied der Demokratischen Partei sorgt in den USA für Furore: Er macht Wahlkampf für Präsident Bush. Daniel Scheschkewitz hat den Bürgermeister von Youngstown, Ohio, besucht.

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Verdrehte Welt: Ein Demokrat wirbt für Bush statt Kerry

George McKelvey ist Bürgermeister des 100.000 Einwohner zählenden Städtchens Youngstown im US-Bundesstaat Ohio. Der seit Jahrzehnten der Demokratischen Partei angehörende Politiker hat jüngst Schlagzeilen über die Provinzgrenzen hinaus gemacht, und zwar mit seinem öffentlichen Bekenntnis für George Bush und gegen den Kandidaten seiner eigenen Partei, John Kerry. Der Bürgermeister ist nicht der einzige Politiker in der Demokratischen Partei, der in diesem Präsidentschaftswahlkampf Werbung für den Gegner macht.

Wer das Rathaus in Youngstown im Osten Ohios betritt, wird zunächst an die zehn Gebote erinnert. "Du sollst nicht töten" steht dort eingemeißelt in einer Steintafel, die an Moses erinnert. Doch auch Youngstown hat die Gegenwart spätestens am 11. September 2001 eingeholt - wer zu George McKelvey will, muss durch eine Sicherheitskontrolle wie auf einem Flughafen.

Antiterror-Kampf geht vor

"Eine neue Zeit ist angebrochen", sagt McKelvey. "Wir leben im Dritten Weltkrieg, wir sind mitten drin - und wer es noch nicht begriffen hat, dem wird es bald klar werden." Der 11. September 2001 ist dem Bürgermeister ein stete Mahnung und der eigentliche Grund dafür, dass er öffentlich für Präsident Bush zu Felde zieht - zum großen Entsetzen seiner Partei. Er sei in vielen innenpolitischen Fragen anderer Meinung als Präsident Bush, aber der Kampf gegen den Terror sei wichtiger als alles andere, so McKelvey. "Denn wenn wir in dieser Auseinandersetzung nicht erfolgreich sind, wird alles andere bedeutungslos."

Dabei müsste der Bürgermeister eigentlich genug andere Sorgen haben. Youngstown war bis in die frühen 1970er Jahre ein blühendes Zentrum der amerikanischen Stahlindustrie. Dann verschwanden in wenigen Jahren 30.000 Arbeitsplätze, die Bevölkerung wanderte ab, und bis heute ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Vereinigten Staaten. Dem Kandidaten Kerry kann der Bürgermeister trotzdem nichts abgewinnen. Anders als Bush, der für ihn den ehrlichen Typen und Kumpel von nebenan verkörpert, verachtet McKelvey Kerry wegen seiner Nähe zur links-liberal angehauchten Welt Hollywoods und des Show-Business.

"Senator Kerry stand einmal auf einer Bühne der 'Radio City Music Hall' in New York", erinnert sich der Bürgermeister. Er habe auf ein paar elitäre, linke Hollywood-Schauspieler gezeigt und gesagt, diese Leute repräsentierten das Herz und die Seele Amerikas. "Nein, das tun sie nicht, nicht hier im Mittleren Westen, nicht in Ohio", hält McKelvey dagegen. "Diese Leute repräsentieren weder unser Herz noch unsere Seele."

Amerikanische Idole

Ohio hat vor vier Jahren ganz knapp für Bush gestimmt. Auch dieses Mal ist der Flächenstaat zwischen dem Erie-See im Norden und der Berg-Kette der Apalachen im Süden einer der besonders umkämpften Schlüsselstaaten dieser Wahl. Wenn es für die Demokraten wieder nicht reichen sollte, könnte die Denkweise von Bürgermeister George McKelvey ein Grund hierfür sein.

"Franklin D. Roosevelt, Harry Truman, John F.Kennedy - diese Männer haben meine demokratische Grundüberzeugung geprägt", sagt der Abweichler. "Das waren Männer, die bei nationalen und internationalen Herausforderungen eine unbeugsame Stärke hatten." Jeder Amerikaner habe gewusst, woran er bei ihnen gewesen sei, und vor allem die Welt habe das gewusst. Wenn dagegen jemand bis zur Wahl noch herausfinde, wo Kerry in der Irak-Frage stehe, "dann ist derjenige erheblich schlauer als ich", so McKelvey.

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