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Politik

"Eine neue Weltordnung"

Die arabische Presse beschäftigt sich am Dienstag (11.3.2003) mit den Folgen eines Irak-Krieges für das weltweite Machtgefüge.

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Die überregionale Zeitung "Al-Hayat" aus London schreibt zum derzeitigen Streit im Weltsicherheitsrat: "Eine neue Weltordnung wird geboren. Die Geburt wird sehr schwierig
sein. Das neue 'Kind' könnte verstümmelt auf die Welt kommen, aber es wird in jedem Fall mit Blut befleckt sein. Sicher ist nur, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Weltordnung nicht mehr den Gegebenheiten nach dem Ende des Kalten Krieges entspricht."

Die neue Weltordnung sieht die offiziöse "Al-Ittihad" aus den Vereinigten Arabischen Emiraten insbesondere als Ergebnis eines langen Streits innerhalb der westlichen Welt:

"Die anderen 'Global Player' - Frankreich, Russland, China und Deutschland - haben lange Zeit mit der Suche nach einer gemeinsamen Basis mit den neuen USA vergeudet. Sie haben diese Basis nicht gefunden. Viel Zeit ist auch vergangen bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob der richtige Zeitpunkt für einen offenen Streit mit den Amerikanern gekommen ist. Sicher gibt es Verbündete
unter diesen Staaten, aber sie sind nicht mit der neuen
amerikanischen Ideologie der militärischen Stärke einverstanden."

Die regierungsnahe Zeitung "Ascharq" aus Katar bezeichnet - anders als US-Verteidigungsminister Rumsfeld - Deutschland, Frankreich und Russland als "neues Europa" und schreibt: "Dieses neue Europa weiß, was Krieg bedeutet. Es kann den großen erwarteten Schaden für die arabische Welt sowie die wirtschaftliche Folgen für die Welt einschätzen. Daher sagt Schröder den Amerikanern: 'Wir haben im Krieg 21 Millionen Menschen sowie die Lebens- und Wirtschaftsstruktur verloren'. Damit betont er, so wie die anderen freien Führer des neuen Europa, Chirac und Putin, dass durch friedliche Mittel viel mehr als durch Krieg erreicht werden kann."

Der Krieg werde kommen - trotz der Veto-Ankündigung in Paris und Moskau, meint die in London erscheinende Zeitung "Al-Hayat". Das Blatt schreibt weiter: "Haben diese Staaten überlegt, was es bedeutet, wenn die USA den Krieg ohne Zustimmung des Sicherheitsrats führen werden? Dieser
Streit zwischen den Großmächten musste irgendwann kommen. Wenn er jetzt wegen des Irak ausgetragen wird, dann hat dies mindestens den Vorteil, dass kein direkter Schlagabtausch zwischen den Giganten stattfindet."

Die konservative Zeitung "Ad-Dustur" aus Jordanien spricht von anderen gefährlichen Folgen des Krieges: "Wenn der Verbleib von einigen Tausend amerikanischen Soldaten auf der arabischen Halbinsel nach dem letzten Golf-Krieg, den viele als gerechtfertigt empfunden hatten, dazu führte, dass ein Osama Bin Laden auf der Bühne erschien, dann könnten Hunderttausende amerikanische und britische Soldaten nach einem sicher nicht gerechten Krieg Hunderte, ja sogar Tausende von Menschen veranlassen, den Weg von Bin Laden zu gehen und den 'Dschihad' auszurufen gegen einen 'ungläubigen Feind', der das islamische Land beschmutzt."

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  • Datum 11.03.2003
  • Autorin/Autor Nabil Chbib
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