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Fußball

Eine neue Ära für die Philippinen

Die philippinische Nationalmannschaft rangiert zur Zeit nur auf dem 159. Platz der FIFA-Weltrangliste direkt hinter Neukaledonien. Mit dem deutschen Trainer Michael Weiß soll nun eine neue Ära eingeläutet werden.

Ein deutscher Trainer für die Philippinen: Michael Weiß (Foto: DW)

Ein deutscher Trainer für die Philippinen: Michael Weiß

Wer denkt bei den Philippinen schon an Fußball? Bis vor einem Jahr wohl so gut wie niemand, nicht einmal die Filipinos selbst. Andere Sportarten wie Basketball oder Boxen stehen im Inselstaat im pazifischen Ozean nämlich im Mittelpunkt des Interesses. Gerade das Fußball-Nationalteam wurde in der Vergangenheit oft belächelt. Im September 2006 belegte die Mannschaft sogar nur Rang 195 der Weltrangliste und war damit lediglich vor Zwergstaaten wie Anguilla oder den Cook-Inseln platziert. Und das, obwohl die Philippinen mit 85 Millionen mehr als 4000 Mal so viele Einwohner haben. Die Philippinen zählten zu den schlechtesten Fußballnationen weltweit.

Fußball-Fans gab es nicht. Doch seit dem Sieg gegen die Mongolei zu Jahresbeginn sieht das anders aus. Es herrscht eine wahre Massenhysterie rund um die "Azkals", so der Spitzname der philippinischen Nationalmannschaft. "Azkals sind Straßenköter, die herumstreunern und die sich im Leben durchboxen müssen. Viele der Jungs haben auch einen harten und steinigen Weg hinter sich; sie sind aber immer wieder aufgestanden", sagt der deutsche Nationalcoach Michael Weiß. Jetzt schmücken Plakate ganze Häuserfassaden und die Kicker werden für Werbekampagnen engagiert. Nach Spielen stehen die Fans Schlange, um ein Foto oder ein Autogramm ihrer Lieblinge zu erhaschen.

Die Fans sind begeistert und bejubeln ihre Stars (Foto: DW)

Die Fans sind begeistert und bejubeln ihre Stars

"Wir wollen unter die Top 120"

Der Sieg gegen die Mongolei war gleichzeitig das Debüt des deutschen Trainers Michael Weiß, der sich über eine deutsche Onlineplattform für den Job des Nationaltrainers beworben hatte. Der 46-Jährige ist ein weitgereister Mann. Er war bereits in Ruanda, China und Japan in Sachen Fußball unterwegs. Sein neuer Job gehört aber wohl zu seinen größten Herausforderungen. Michael Weiß nennt es "eine reizvolle Aufgabe"; und doch ist es ein echtes Mammutprojekt, das er sich vorgenommen hat. "In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen wir unter die Top 120 der Welt, dann wären wir mit Indonesien, Thailand und Malaysia auf einer Stufe", schaut der Nationalcoach in die Zukunft.

Halb-Filipinos unterstützen das Team

Eine seiner ersten großen Aufgaben war es, das Scoutingsystem auf professionelle Füße zu stellen. Mittlerweile suchen Talentsichter auf der ganzen Welt nach jungen Fußballern mit philippinischen Wurzeln. Und gerade im europäischen Raum werden die Scouts fündig. "Der Vorteil ist, dass wir Zugriff auf sehr viele Halb-Filipinos haben, die das Fußballspielen in den Ländern gelernt haben, wo sie aufgewachsen sind. Davon profitieren wir jetzt", berichtet Weiß.

Michael Weiß erklärt Dan Palami (r.) seine Philisophie (Foto: DW)

Weiß und Palami (r.)

Neben den beim FC Chelsea ausgebildeten Brüdern James und Phil Younghusband und der Nummer drei im Tor des FC Fulham, Neil Etheridge, sind auch einige Halb-Filipinos aus Deutschland im Team der "Azkals". Stephan Schröck und der erst 19-Jährige Manuel Ott haben beide eine philippinische Mutter. "Meine ganze Familie ist sehr stolz darauf, dass ich mich für die Philippinen entschieden habe", erklärt Schröck, der in Deutschland in der zweiten Liga bei Greuther Fürth sein Geld verdient.

Schlüsselfigur Dan Palami

Neben den Europa-Legionären und dem deutschen Trainer spielt noch eine andere Person eine wichtige, vielleicht die entscheidende Rolle beim Aufschwung des philippinischen Fußballs. Denn ohne Geld funktioniert auch auf den Philippinen nicht viel. Mit Dan Palami, einem millionenschweren Unternehmer, aber vor allem großen Fußball-Fan, hat der philippinische Fußballverband jemanden in seinen Reihen, der die wirtschaftlichen Belange des Verbandes im Auge behält. Auch große Teile seines Privatvermögens investierte er bereits in die Ausrüstung der Spieler und übernahm auch schon einmal die Reisekosten der Nationalmannschaft.

Kuwait vor der Brust

Die Fußballmannschaft Straßenköter trainiert für ihr großes Ziel (Foto: DW)

Die "Straßenköter" trainieren für ihr großes Ziel

Seitdem Michael Weiß und Dan Palami das Ruder in der Hand halten, geht es mit dem philippinischen Fußball rasant bergauf. Weiß spricht bei der Entwicklung sogar von einem Wunder. "Seit Anfang 2010 ist hier etwas passiert, da brauchen andere Nationen fünf bis zehn Jahre für und das ist schon fast wie ein Wunder", beschreibt er den Fortschritt seines Teams. Der Erfolg gibt dem 46-Jährigen recht. Ende Juni führte er seine "Azkals" in der WM-Qualifikation zu einem Sieg über Sri Lanka und damit in die zweite Qualifikationsrunde.

Der nächste Gegner von Michael Weiß und seiner Mannschaft ist eine richtige Herausforderung. Kuwait belegt den 102. Weltranglistenplatz und verfügt über wesentlich mehr internationale Erfahrung. Schlagen die "Azkals" Ende Juli aber auch die kuwaitische Nationalmannschaft, erwartet das Team in der dritten WM-Qualifikationsrunde Asiens Hochkaräter wie Japan, Südkorea oder Australien.

"Auf hohem Niveau Fußball spielen"

Aber egal wie die WM-Qualifikation verläuft, die Entwicklung des philippinischen Fußballs soll und wird weitergehen. Das Potenzial für eine zukünftig schlagkräftige Mannschaft sei vorhanden, bekräftigt Stephan Schröck. "Die Philippinen haben 85 Millionen Einwohner, dazu noch zehn Millionen in Übersee. Es wird sicher so sein, dass man 18 Spieler findet, die auf einem sehr hohen Niveau Fußball spielen können." Leisten die Scouts von Michael Weiß also weiter gute Arbeit, wird mit den "Straßenkötern" in den kommenden Jahren weiter zu rechnen sein.

Autor: Thomas Klein

Redaktion: Joscha Weber

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