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Wirtschaft

Eine Million Jobs durch Entwicklungsprojekte

Der Entwicklungsfinanzierer DEG hat im vergangenen Jahr weniger neue Mittel für private Investitionen in Entwicklungsländern zugesagt als im Vorjahr. Trotzdem sieht sich das Institut als "Krisengewinnler".

Die zuletzt schwächere Konjunktur in vielen Teilen der Welt hat auch das Neugeschäft der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) beeinflusst. Im vergangenen Jahr sagte die DEG rund 1,1 Milliarden Euro für die Finanzierung privater Investionen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu. Gegenüber 2014, als die Neuzusagen bei 1,5 Milliarden Euro lagen, ist das ein Rückgang von 28 Prozent.

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Bruno Wenn, Sprecher der DEG-Geschäftsführung, ist trotzdem zufrieden: "Die 1,1 Milliarden haben Investitionen von 5,7 Milliarden angeschoben. Darauf sind wir stolz."

Die zur staatlichen Förderbank KfW gehörende DEG finanziert Investitionen in Asien, Lateinamerika, Afrika und Osteuropa. Dafür stellt sie Firmen, Banken oder Fonds Mittel zur Verfügung oder beteiligt sich direkt an der Projektfinanzierung. Mehrheitsbeteiligungen schließt sie aus, so dass sich auch andere Investoren beteiligen müssen.

Eine Million Arbeitsplätze

Zusagen der DEG sind zudem an Auflagen gebunden, dass Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechtsstandards eingehalten werden. Projekte und Kreditnehmer werden umfassend geprüft und zunehmend auch beraten. "Die Folge ist", sagt Geschäftsführer Wenn, "dass wir nie schnell sind."

Wie schwierig eine genaue Prüfung ist, zeigten im vergangenen Jahr die Proteste gegen ein umstrittenes Staudammprojekt, das von der DEG mitfinanziert wurde.

Neue und bestehende Investitionen der DEG haben insgesamt ein Volumen von acht Milliarden Euro, verteilt auf 740 Engagements in mehr als 80 Ländern. Nach Angaben von Wenn sind dadurch eine Million Arbeitsplätze entstanden.

Geförderte Projekte reichen von einem Zementwerk in Namibia über eine Kochschule auf den Philippinen bis zu netzunabhängigen Solaranlagen in Tansania und Ruanda.

DEG Entwicklungsfinanzierung

Auszubildende am Center for Culinary Art in Manila. Der Betreiber erhielt von der DEG zwei langfristige Darlehen.

Finanzierungen für kleine und mittelständische Firmen machten zuletzt mehr als 60 Prozent der Neuzusagen aus. Auch deutsche Unternehmen profitierten, 115 erhielten im vergangenen Jahr von der DEG insgesamt 164 Millionen Euro für ihre Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

"Krisengewinnler"

Die derzeit schwierige Konjunkturlage habe für die DEG auch eine gute Seite, sagt Wenn und nennt sein Institut scherzhaft "Krisengewinnler". "Gerade in einer weltwirtschaftlichen Krise sehen wir, dass die Kunden auf uns zukommen."

Das entspräche ganz der Rolle der DEG. "Wenn der Markt nicht funktionsfähig ist, dann helfen wir den Kunden, ihre Vision zu realisieren." Trotz schwieriger Umstände erwartet Wenn für 2016 daher ein Neugeschäft auf dem Niveau der Vorjahre.

Über ihre Muttergesellschaft, der staatlichen Förderbank KfW, kann sich die DEG günstig refinanzieren - zu ähnlich guten Konditionen wie derzeit der deutsche Staat. Weil das Institut aber gemeinnützig ist, darf es nicht versuchen, anderen Kreditgebern Marktanteile streitig zu machen.

Je mehr private Investoren an einem Projekt interessiert seien, desto weniger müsse sich die DEG beteiligen. "Wir sind froh, wenn es andere machen", sagt Wenn.

Pressebild DEG Entwicklungsfinanzierung

An der Berliner Firma Mobisol, die Haushalte in Ostafrika mit Solarstromanlagen ausrüstet, ist die DEG beteiligt.

Wachstumsmarkt Afrika

Der größte Teil des Neugeschäfts entfiel 2015 auf Asien, wo die DEG 383 Millionen Euro investierte, gefolgt von Lateinamerika (310 Millionen Euro) und Afrika (284 Millionen Euro). Gerade das Geschäft in afrikanischen Ländern soll weiter stark wachsen, sagt Wenn.

"In Afrika gibt es einen ungeheuren Nachholbedarf, was die infrastrukturelle Entwicklung angeht. Und es gibt einen ungeheuren Bedarf, die Landwirtschaft auszubauen. All das schafft Arbeitsplätze."

Von den Finanzierungen der DEG in Afrika seien 60 Millionen an deutsche Unternehmen gegangen. "Das lässt hoffen, dass es eine Trendwende gibt in der Sichtweise der deutschen Wirtschaft auf unseren Nachbarkontinent Afrika", sagt Wenn. Zu viele deutsche Unternehmer, fügt er hinzu, denken bei Afrika zuerst an Krieg, Krisen und Katastrophen.

Private Investitionen in Entwicklungsländern sind generell mit höheren Risiken verbunden. Nach Angaben der DEG gelten aber weniger als neun Prozent der Kredite als notleidend, etwa, weil Zahlungsfristen nicht eingehalten wurden.

Der Anteil der Totalausfälle liegt üblicherweise zwischen ein und zwei Prozent. Genaue Zahlen für das vergangene Jahr gibt es erst, wenn die DEG im Frühjahr ihren Geschäftsbericht vorlegt.