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Fußball

Eine meisterliche Saison

Die 46. Bundesliga-Saison war die spannendste aller Zeiten. Die Zuschauer strömten wie nie zuvor in die Stadien, und der VfL Wolfsburg ist ein würdiger Meister.

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Es war eine perfekte Saison – für den neuen Meister VfL Wolfsburg, für die Fans und den Fußball überhaupt. Da ist zunächst einmal der Sensations-Champion aus Niedersachsen, den wohl kein Experte auf der Rechnung hatte. Doch tatsächlich zelebrierten die Wölfe den attraktivsten und offensivsten Fußball. 80 erzielte Tore sprechen eine deutliche Sprache. Verantwortlich zeigte sich der mit großer Macht ausgestattete Felix Magath, der die einstmals graue Maus zu einem Spitzenteam und würdigen Meister formte – auch mit starker finanzieller Hilfe des VW-Konzerns. Doch anstatt nun seinen 3. Meistertitel als Trainer auszukosten, geht Magath einen mutigen Schritt. Er wechselt auf dem Höhepunkt des Erfolgs mit Champions-League-Teilnahme zum Revierclub FC Schalke 04, der für eine große Vergangenheit steht, aber keinen internationalen Start-Platz zu bieten hat. Doch Magath sucht offensichtlich eine neue Herausforderung, wobei ihm Sponsor Gazprom die Arbeit erheblich erleichtern dürfte.

Der Irrtum der Bayern

Neben Schalke war wie immer auch Bayern München für die große Unterhaltung zuständig. Der FC Hollywood, bei dem nur Titel zählen, leistete sich mit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann einen Management-Fehler und den Irrtum des Jahres. Der Schwabe hatte als Bundestrainer zwar für Euphorie gesorgt, als Ligacoach fehlte ihm jegliche Erfahrung. Und sein Modernisierungskurs bei den konservativen Bayern war bereits nach zehn Monaten zum Scheitern verurteilt, zumal Klinsmann keine neuen Spieler verpflichten durfte. Unter seinem Interims-Nachfolger Jupp Heynckes qualifizierte sich das Team immerhin noch für die lebensnotwendige Champions League. Nun soll es Louis van Gaal beim Rekordchampion richten. Allerdings: Noch nie konnte ein niederländischer Trainer ein deutsches Team zur Meisterschaft führen.

Fans sorgen für Rekorde

Allen anderen Bundesligisten und deren Fans dürfte eine nachlassende Bayern-Dominanz nur recht sein. In dieser Saison jedenfalls war die Liga ausgeglichen wie lange nicht mehr. Die Spannung in Meisterschaft und Abstiegskampf mobilisierte die Fans. 13 Millionen Zuschauer strömten in die Arenen und sorgten für eine neue Bestmarke. Zudem wurde am 33. Spieltag mit 458.000 Zuschauern ein neuer Tagesrekord aufgestellt. Die Bundesliga boomt, das Produkt stimmt und die Fans sorgen Woche für Woche für stimmungsvolle Stadien. Das spricht sich auch im Ausland herum. Zwar wechselt wohl Bremens Diego nach Italien, und außer Franck Ribery schlagen die Super-Stars weiterhin einen Bogen um Deutschland, aber in der mittleren Star-Kategorie dürfte die Dichte zunehmen. Wahrscheinlich hilft hier sogar die Finanzkrise. Während international eine Pleitewelle droht, zahlen die solide finanzierten Bundesligisten weiterhin pünktlich und zuverlässig ihre Gehälter. Und eigentlich hat die Liga ja auch neue Stars, die vor einem Jahr kaum bekannt waren. Da ist das herausragende Wolfsburger Stürmerduo Grafite und Dzeko, das zusammen 54 Treffer erzielte. Nicht zu vergessen wäre der Hoffenheimer Ibisevic, der bis zu seiner Verletzung allein in der Hinrunde 18 Tore schoss.

Erfolgsserien und ein Trauma

Und dann schrieb die Bundesliga auch noch erstaunliche Fußball-Geschichten: Beim VfB Stuttgart führte Markus Babbel, der Mann ohne Trainerlizenz, den Meister von 2007 dank einer grandiosen Rückrunde fast zum erneuten Titelgewinn. In Berlin konnte der Schweizer Trainer Lucien Favre eine nicht für möglich gehaltene Euphorie entfachen. Nur knapp verpasste Hertha BSC den ersten Meistertitel seit 78 Jahren. Der Hamburger SV tanzte vergeblich auf drei Hochzeiten, war nahezu traumatisiert, um in letzter Sekunde doch noch die neue Europa League zu erreichen.Und in Dortmund sorgte Trainer Jürgen Klopp für neue, aber erfolglose Begeisterung. In der Hinrunde glänzte Aufsteiger 1899 Hoffenheim mit Tempofußball. Der Herbstmeister rutschte dann doch noch auf Platz sieben ab. Schließlich ist da auch noch der SV Werder Bremen, bei dem Thomas Schaaf seit zehn Jahren Trainer ist. Obwohl in der Liga nur durchschnittlich, erreichten die Hanseaten zwei Endspiele. Im UEFA-Cup reichte es zwar nicht zum Titel, aber der DFB-Pokal ist noch in Reichweite. Für ein Novum sorgte Arminia Bielefeld: Der Absteiger feuerte vor dem letzten Spieltag den Trainer, um doch noch neben Karlsruhe abzusteigen. Und betrüblich: Sollte Energie Cottbus die Relegation nicht überstehen, wäre kein Ostverein mehr erstklassig. Dafür hat die Liga immer noch ein paar graue Mäuse wie etwa die Teams aus Frankfurt, Köln und Hannover. Doch das Beispiel Wolfsburg zeigt: Der Weg nach oben ist mit Geschick und einem starken Sponsor durchaus möglich.

Autor: Arnulf Boettcher

Redaktion: Joachim Falkenhagen

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