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Sport

"Eine Medaille ist das Ziel"

Sie ist Olympiasiegerin, Europameisterin und Weltcupsiegerin: Die Moderne Fünfkämpferin Lena Schöneborn ist Aushängeschild ihres Sports – und doch kein Star. Im DW-Interview spricht Sie über ihre Gold-Chancen in London.

Lena Schöneborn jubelt nach ihrem Olympiasieg (Foto: dpa)

Großer Jubel: Schöneborn nach ihrem Gold-Lauf von Peking

Ihre Titelsammlung ist beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass sie erst 25 Jahre alt ist: Lena Schöneborn ist eine der besten Modernen Fünfkämpferinnen der Welt und nimmt Kurs auf ihren zweiten Olympiasieg nach 2008. In London will sie aber nicht nur sportlich glänzen, sondern auch wieder die Atmosphäre der olympischen Gemeinschaft genießen. Schon jetzt plant die Athletin aber auch für die Zeit nach ihrer aktiven Karriere: mit einem Management-Studium in Berlin. Im Interview mit der DEUTSCHEN WELLE spricht sie vor dem Start ins Olympia-Jahr über Medaillenhoffnungen, Lieblingsdisziplinen und Karrierepläne.

DW-World.de: Lena Schöneborn, die Saison 2011 liegt hinter Ihnen. War es ein gutes Jahr?

Lena Schöneborn: Für mich lief die Saison sehr gut. Ich bin nach den Spielen von Peking erfolgreich geblieben, auch wenn sich das Format geändert hat. Schießen und Laufen sind jetzt – ähnlich dem Biathlon – miteinander kombiniert. Ich bin damit erstaunlich gut zurecht gekommen und hoffe, dass das so weiter geht.

"Es hängt von der Tagesform ab, wer das Rennen macht."

Sie sind in diesem Jahr Europameisterin, Weltcupsiegerin und Team-Weltmeisterin geworden. Sind Sie jetzt nicht automatisch die Top-Favoritin für die Olympischen Spiele in London?

Ich weiß nicht, ob ich jetzt die Topfavoritin bin. Klar, ich gehöre jetzt zum Pool derer, die vorne mitspielen können. Das Ganze hat sich inzwischen etwas zugespitzt. Wir sind 15 Athletinnen, die vorne um die Medaillen kämpfen können. Da hängt es dann wirklich von der Tagesform ab, wer das Rennen macht.

Lena Schoeneborn auf dem Pferd Xingxing bei den Spielen von Peking 2008. (Foto: dpa)

Überraschung garantiert: Im Wettkampf reiten die Modernen Fünfkämpfer auf fremden Pferden

Sie gehen als amtierende Olympiasiegerin ins Rennen. Wie schwer wird es, diesen Erfolg zu wiederholen?

Schwer wird es in jedem Falle, alle anderen sind auch heiß auf Gold. Jeder gibt sehr viel auf, damit er sich optimal auf die Spiele vorbereiten kann. Natürlich ist eine Olympiamedaille hart umkämpft. Das ist ein Titel, den hat man fürs Leben.

"Ab und zu werde ich auf der Straße erkannt"

Ihr Sport ist eng mit den Olympischen Spielen verknüpft. IOC-Gründer Pierre de Coubertin gilt als Ideengeber für den Modernen Fünfkampf. Wie wichtig sind die Spiele für Ihren Sport?

Der moderne Fünfkampf ist ein Sport, der seinen Höhepunkt bei den Olympischen Spielen hat. Das heißt, alle vier Jahre sind mehr Medien dabei, es wird härter trainiert, es gibt mehr Fördergelder. Daher ist es für uns auch wichtig, im olympischen Programm zu bleiben.

Hat Sie der Olympiasieg von Peking verändert?

Ich habe danach eigentlich das Gleiche gemacht wie davor auch: Ich studiere, ich versuche, das mit dem Training zu koordinieren, ich habe die gleichen Freunde und komme gleich gut mit meiner Familie aus. Also in diesen Punkten hat sich nicht so viel geändert. Ab und zu wird man dann doch auf der Straße erkannt, aber das ist eher selten.

"Ich mag alle fünf Sportarten gleich gern"

Lena Schöneborn beim Fechten (Foto: dpa)

Schöneborn glänzt auch im Fechten

Wird ihr Sport denn inzwischen von der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen?

Bei uns hat sich doch recht viel verändert, vielleicht auch durch meinen Olympiasieg 2008. Danach hatte ich deutlich mehr Medientermine, hatte auf einmal ein Management sowie Partner und Sponsoren, die mich auf meinem Weg begleiten. Ich kann jetzt als professionelle Athletin trainieren und muss mir um die finanzielle Seite keine Gedanken mehr machen. Wir sind schon deutlich präsenter geworden, aber es gibt da noch Steigerungspotential.

Sie beherrschen fünf völlig verschiedene Sportarten: Schießen, Fechten, Laufen, Schwimmen und Reiten. Welche liegt Ihnen am besten?

Eigentlich mag ich alle fünf Sportarten gleich gerne. Je nach Form fällt mir das Schießen manchmal etwas schwerer. Momentan ist es kompliziert, weil wir in den vergangenen zwei Jahren so viele Technikumstellungen hatten und damit muss ich mich erstmal zurechtfinden. Im Training reite ich sehr gerne, im Wettkampf ist es natürlich etwas aufregender, weil wir die Pferde dort nicht kennen.

Training und Studium? "Alles eine Frage der Organisation"

Lena Schöneborn schwimmt bei den Spielen von Peking

Schöneborn kam vom Schwimmen zum Fünfkampf

Sie studieren neben dem Training der fünf Disziplinen noch Management in einem Masterstudiengang. Wie schaffen Sie das alles?

Ich bin extra nach Berlin gezogen, weil meine Hochschule mit dem Olympiastützpunkt kooperiert. Dort kann ich auch mal eine Klausur nachschreiben, wenn ich bei einem Wettkampf bin. Ich kann entsprechend meines Trainingsplans meinen Uniplan legen. Das ist alles eine Frage der Organisation. Zum Beispiel studiere ich im Jahr nach den Olympischen Spielen intensiver und im Jahr davor belege ich deutlich weniger Kurse.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer aktiven Laufbahn?

Noch nichts Konkretes. Ich will mich noch gar nicht auf eine Richtung festlegen. Vielleicht bleibe ich im Sport oder ich gehe ins Ausland. Erstmal steht nach den Spielen von London die Masterarbeit an und vielleicht ergibt sich daraus schon etwas.

"Optimal vorbereiten, viel erleben, viel mitnehmen"

Haben Sie sich ein Ziel für die Spiele von London gesteckt?

Mein Ziel lautet: optimal vorbereiten, viel erleben, viel mitnehmen. Ich habe die Eröffnungsfeier in Peking so genossen. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, welcher Moment emotionaler war: die Medaillenvergabe oder die Eröffnungsfeier. Ich hoffe, dass es auch in London wieder einen Grund zur Freude gibt.

Nämlich?

Na eine Medaille ist natürlich das oberste Ziel. Das hängt aber alles von der Tagesform ab, das ist schwer zu kalkulieren.

Das Gespräch führte Joscha Weber

Redaktion: Wolfgang van Kann

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