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Deutschland

Eine kleine Geschichte der Sommerzeit

Am Sonntag endet in Deutschland die Sommerzeit - die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt. Die dritte Stunde des Sonntags gibt es dann zweimal. Für Nachtschichtarbeiter ist es die längste Nacht des Jahres.

Eine Hand verstellt die Zeiger einer Uhr

Wenn’s kalt wird in Deutschland, wird’s auch ruhig. Und zwar einmal im Jahr für eine Stunde. Wenigstens für jene, die in der Nähe eines Bahnhofs oder einer Bahnstrecke wohnen. Und die außerdem noch ein Ohr haben, um nachts zwischen zwei und drei in die Welt zu horchen. Aber mit der himmlischen Ruh’ ist's eh schnell vorbei.

Am frühen Sonntagmorgen um 2 Uhr halten alle Züge, die die Bahn durch das Land schickt. Sechzig Minuten lang bewegt sich auf den Schienen gar nichts. Wenn es um "drei" wieder "zwei" ist, tun alle Lokführer und Fahrdienstleiter einfach so, als sei gar nichts geschehen und nehmen den normalen Betrieb wieder auf.

Sommerzeit, Hochsommerzeit, Moskauer Zeit

Die restaurierte historische Adler Lokomotive mit drei Waggons voller Ehrengaeste Quelle: AP

Mit der Bahn kam die (genaue) Zeit.

Der Eisenbahn erst verdanken wir unsere einheitliche Zeit. Bis ins 19. Jahrhundert hinein hatte jeder Staat seine eigene Zeit – und auf deutschem Boden gab es eine ganze Menge selbständiger Staaten. Die Berliner Zeit galt beispielsweise für Preußen, die Münchner Zeit gab den Bayern den Takt vor. Aber in Berlin geht die Sonne früher auf als in München, weshalb die Berliner Zeit der Münchner um sieben Minuten voraus war. Da in so einem "Chrono-Chaos" kein Zug pünktlich fahren kann, wurde 1893 die einheitliche "Mitteleuropäische Zeit" in Deutschland eingeführt.

1916 schließlich wurde die "Mitteleuropäische Zeit" um die Laune einer Sommerzeit erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neben der Sommerzeit sogar eine Hochsommerzeit. Weil zwischen Nordsee und Alpen nicht mehr so viele funktionstüchtige Straßenlaternen herumstanden, stellte man die Uhr noch ein Extrastündchen vor, um das Sonnenlicht noch besser nutzen zu können. Die Menschen in der SBZ, der sowjetisch besetzten Zone, hatten das eine zeitlang sogar durchgehend. In der "Ostzone" galt nach Kriegsende Moskauer Zeit, und die ist der unseren zwei Stunden voraus.

Mit der Sommerzeit Strom sparen?

Uhr im Kreml Quelle: AP

Wenn's im Kreml Zwölfe schlug, war auch in Ostberlin Mittag.

Die Zeitumstellung vom Frühjahr bis zum Herbst soll Energie sparen helfen. Weil der Wecker eine Stunde "früher" klingelt und die Menschen eher aufstehen, können sie auch das Tageslicht besser nutzen. Es hat sich aber herausgestellt, dass vor allem im März und April und dann wieder im Oktober in den frühen Stunden des Tages mehr geheizt wird – die Energieersparnis ist damit dahin. Auch Mediziner warnen immer wieder, dass der Biorhythmus des Menschen kein Herumspielen an der Uhr verzeiht. Viele Menschen, und übrigens auch Tiere, haben Schwierigkeiten mit den Zeitumstellungen. Besonders Menschen mit Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen klagen dann über zusätzliche Beschwerden.

Der nächste Sommer kommt…

Labrador Bingo in einer Tierklinik in Bad Goisern. Quelle: dpa

Auch des Menschen treuster Freund hat Probleme mit dem Hin und Her bei der Zeit.

Die Sommerzeit in ihrer heutigen Form gibt es seit 1980. Jedes Jahr im Frühjahr dürfen die Nachtschichtarbeiter einmal eine Stunde weniger arbeiten. Alle anderen müssen früher aufstehen und bauen am folgenden Morgen mehr Verkehrsunfälle als sonst. Aber jede Sommerzeit hat ein Ende. Dann müssen die Schichtarbeiter unbezahlt eine Stunde länger arbeiten. Alle anderen schlafen ein Stündchen länger, sind anderntags ausgeruht und bauen weniger Unfälle. Außerdem sind montags die Staus nicht so lang, weil immer ein paar ganz Unausgeschlafene die Zeitumstellung verpassen - die beginnen sogar den Montag noch eine Stunde zu früh.

Und die Bahn? Die Umstellung auf die Sommerzeit merkt man gar nicht - sonst fahren die Züge ja auch nicht pünktlich. Aber nun, zur Winterzeit, da stehen eine Stunde lang alle Räder still und die Schaffner ruhen. Und alles träumt in dieser stillen Zeit den gleichen Gedanken: Wo’s einen Winter gibt, da kommt auch wieder ein Sommer …

Autor: Dirk Kaufmann
Redaktion: Manfred Böhm