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Alltagsdeutsch – Podcast

Eine kleine Altbier-Kunde

Köln hat sein Kölsch, Düsseldorf sein Alt. Trotz aller Rivalitäten zwischen den beiden rheinischen Städten haben ihre Biere doch eines gemeinsam: den Herstellungsprozess und die Heilkraft.

Sprecher:

Deutschlands Bürger trinken gerne Bier, dafür sind die Deutschen auch im Ausland weithin bekannt. Als Begleitung zu einem deftigen Essen, als Getränk in geselliger Runde oder als herber Durstlöscher an heißen Sommertagen – das Bier nimmt immer noch den Spitzenplatz unter den deutschen Getränken ein. Das eine dunkel und würzig, das andere hell und mild, so präsentiert sich dem Laien der Unterschied. Für Kölner und Düsseldorfer Bürger spielt aber auch die Tradition noch eine große Rolle. Um etwas über Biertradition und -herstellung und auch über Bier als Heilmittel zu erfahren, hat sich unsere Reporterin diesmal auf den Weg nach Düsseldorf gemacht.

Sprecherin:

Düsseldorf hat viele Anziehungspunkte. Zahlreiche bekannte Museen haben hier ihren Standort, und eine große Geschäftsvielfalt lockt mit reich gestalteten Auslagen. Die es etwas schicker mögen, bummeln durch die Königsallee, Düsseldorfs bekannteste und teuerste Einkaufspromenade. Vor allem am Samstagabend zieht es Besucher von nah und fern in die Altstadt. In den Altstadtstraßen drängen sich Kneipen, Imbissbuden und Restaurants dicht aneinander. Wird es in den Lokalen abends zu voll, stellt man sich einfach vor die Tür und trinkt dort sein Bier. Bier, das heißt in Düsseldorf fast immer Altbier und ist Düsseldorfs Spezialität. Hier ein Kölner Bier, also ein Kölsch zu bestellen, das wäre schon beinahe ein Frevel, denn die Düsseldorfer sind stolz auf ihr Alt.

O-Ton:

"Ja, das ist eine Brautradition in Düsseldorf schon seit eh und je. Der Düsseldorfer kann sisch jar nisch vorstellen, ohne Alt zu sein oder auszukommen. Ich selbs bin auch ne Orijinal-Düsseldorfer und trinke Ürie, Füchsje und Schumacher, das sind die drei besten Biere, die et gibt, und da lass isch misch auch nisch von abhalten, und dat kann auch dat Kölsch nischt ersetzen."

Sprecher:

Die Sprache verrät's, wir sind mitten im Rheinland. Der Original-Düsseldorfer hat deutlich anstelle des ch immer sch gesprochen, das g im Wort Original hat er in ein j umgewandelt. Das als dat ausgesprochen finden Sie zwar noch anderen Orten Deutschlands, aber im Rheinland ist es besonders häufig zu hören.

Sprecher:

Noch ein kurzes Wort zu unserem Altbierliebhaber. Er sprach davon, dass es die Brautradition schon seit eh und je in Düsseldorf gibt. Seit eh und je, damit betont man, dass etwas schon seit sehr langer Zeit existiert. Man könnte auch sagen: es existiert, solange ich denken kann, oder solange ich mich erinnern kann.

Sprecherin:

Altbier gibt es in jedem Düsseldorfer Lokal. Kölsch dagegen findet man hier nur ganz selten. Umgekehrt würde es in Köln schwer fallen, eine Altbier-Kneipe zu entdecken. Eine Trennung, die vermuten lässt, dass alle Düsseldorfer patriotische Altbiertrinker sind und die Kölner nur Kölsch verehren. Aber was sich hier und dort so traditionsgemäß entwickelt hat, wird natürlich von vielen gar nicht so eng gesehen. Das zeigt sich, wenn man einige Kneipengäste in der Düsseldorfer Altstadt danach fragt, was sie denn am liebsten trinken.

O-Töne:

"Als Biertrinker, sag ich mal, schmeckt mir fast jedes Bier gut. Dat hat irgendwie 'ne gewisse Frische, et schmeckt, et mundet, und man ist zufrieden. / Ich trink Kölsch am liebsten. In Düsseldorf gibt's das no nisch, aber in Köln trink isch das gerne. Unser Alt, da hab isch misch sehr wahrscheinlisch dran übertrunken, ne. Und wenn isch in Köln bin, trink ich sehr gerne das Kölsch. Schmeckt mir irgendwie noch n bisschen süffiger als dat Altbier."

Sprecher:

Der erste Sprecher sagte: "Als Biertrinker, sag ich mal, schmeckt mir fast jedes Bier gut." Die Formel sag ich mal – oder auch denk ich mal – verleiht einer Sache einen eher beiläufigen Ton. Man möchte nicht, dass die eigene Meinung allzu streng verstanden wird und fügt eben deshalb ein kleines sag ich mal oder denk ich mal ein. Den umgangssprachlichen Ausdruck süffig benutzen die meisten dann, wenn sie ein Getränk gut und leicht zu trinken finden und wenn es ihnen schmeckt. Hören Sie noch ein paar weitere Stimmen zum Biergenuss.

O-Töne:

"Nach zwanzig Jahren Alt trink ich jetzt mal zwanzig Jahre Pils. Altbier mag ich, wenn, nur aus den Hausbrauereien hier in Düsseldorf, ansonsten trink ich lieber Pils. Die normalen Altbiersachen, die es so in der Stadt gibt, mag ich nicht mehr. Zu lang getrunken, zu viel getrunken. / Ich trink am liebsten Maracuja-Saft, aber wenn, trink ich Pils, weil, ich komme aus dem Ruhrgebiet. Ich pass mich halt immer an. Wenn ich nach Bayern fahr, trink ich immer Weizen, weil da viel Weizen getrunken wird."


Sprecher:

Haben sie verstanden, was der Mann damit meinte, als er sagte: "Altbier mag ich, wenn, nur aus den Hausbrauereien"? Das Wort wenn stand für einen ganzen Satz, nämlich für den einschränkenden Teilsatz wenn ich es trinke. Die Einschränkung deutet darauf hin, dass er Altbier nicht besonders häufig trinkt, aber wenn er einmal Altbier trinkt, dann auch nur das aus den Hausbrauereien. Das sind Gaststätten, die ihr Bier noch selbst brauen oder die einer Brauerei angeschlossen sind. Der letzte Sprecher hat bei fast allen Verben den letzten Vokal unbetont gelassen. Er sagte, ich trink, statt ich trinke und ich pass mich an, statt ich passe mich an. Solche Abschleifungen sind überall in Deutschland zu hören.

Sprecherin:

In Düsseldorf kann man nicht nur reichlich Altbier trinken, man kann dort auch Brauereien besichtigen, um zu erfahren, was es mit dem legendären Altbier denn nun auf sich hat. Ich habe mich für eine der alten und kleineren Brauereien entschieden. Der Braumeister erklärt mir, wie das Bier zum Altbier wird.

O-Ton Braumeister:

"Wir haben hier am Niederrhein hauptsächlich obergärige Brauart, Altbier ist ein obergäriges Bier. Der wesentliche Unterschied zwischen Ober- und Untergärung ist folgender: erstens, die obergärige Hefe arbeitet bei höheren Temperaturen, das heißt, während der Gärung haben wir eine Temperatur von zwanzig, zweiundzwanzig Grad, bei der Untergärung müssen wir eine künstliche Temperatur halten zwischen sieben und neun Grad. Der zweite Unterschied ist, nach Beendigung des Gärungsprozesses schwimmt die obergärige Hefe auf dem Bier, man hat also eine Hefedecke auf dem Bier, da wird die Hefe oben abgeerntet, und bei der untergärigen Hefe senkt sich die Hefe auf den Bottichboden, und da wird, nachdem das Bier aus dem Gärbottich in den Lagertank gepumpt worden ist, die Hefe vom Bottichboden, vom Gärbottichboden, auch geerntet. Durch die eigentliche Gärung ist der Geschmacksunterschied zwischen der Ober- und Untergärung nicht so wesentlich. Nur beim Altbier haben wir eine höhere Hopfengabe, das heißt, wir haben pro Hektoliter etwa 200/220 Gramm Hopfen."

Sprecherin:

Der Hopfen bewirkt also den geschmacklichen Unterschied und die dunklere Farbe. Bleibt noch die Frage zu klären, warum das Altbier Altbier heißt. Auch dazu weiß der Braumeister etwas zu sagen.

O-Ton Braumeister:

"Wir haben verschiedene Biere obergäriger Brauart, das ist erstmal in Düsseldorf das Altbier, dann in Köln haben wir Kölsch. Dann gibt's in Bayern das Weizenbier, Weißbier, wie die Bayern sagen. Und in Berlin gibt's die Berliner Weiße. Und dann müsst isch noch erklären, wie der Name Altbier überhaupt zustande gekommen ist, und zwar war hier am Niederrhein hauptsächlich im vorigen Jahrhundert generell nur Biere obergäriger Brauart. Das kam also daher: man hat eine höhere Gärungstemperatur, und die Untergärung brauchen wir eine kühle Temperatur zwischen sieben und neun Grad. Die konnte man aber im vorigen Jahrhundert, als noch keine Kältemaschine, eh, als man die noch nicht kannte, konnte man also nicht künstlich nachkühlen, und so hat man eben mit obergäriger Hefe gearbeitet. 1871 hat dann die Firma Linde die erste Kältemaschine entwickelt, die speziell für Brauereien entwickelt wurde. Und so hatte man hier am Niederrhein dann die Möglichkeit, auch mit untergäriger Hefe zu arbeiten, und dieses Altbier, was man heute kennt, hatte früher den Namen Lagerbier, obergäriges Lagerbier. Und wenn beispielsweise 'nen Gast in 'ne Gaststätte ging, und bestellte sich ein Bier, sagt er kein Altbier sondern ein Lager, ich hätte gern ein Lager. So, und dann nach der Einführung der Kältemaschine hatte man die Möglichkeit, mit untergäriger Hefe zu arbeiten. Man konnte also zwei Biere herstellen, und so hat der Volksmund eben das alte Bier, das alteingesessene Bier, so ist der Name Alt entstanden. Das eine war das neue Bier, das andere war das alte Bier."

Sprecherin:

Das Altbier ist also nicht etwa ein altes Bier, sondern ein nach altem Verfahren gebrautes Bier. Das trifft für das Kölsch aber ebenso zu. Und warum heißt nun das Kölsch nicht auch Alt? Das hat wohl nichts mit der Besonderheit des Kölner Bieres zu tun, sondern eher mit der Neigung der Menschen, sich von anderen unterscheiden zu wollen. Im Medizinhistorischen Institut der Universität Düsseldorf in Düsseldorf kann man auch noch ganz andere Dinge über Bier erfahren.

O-Ton Professor Hans Schadewaldt:

"Das war einmal in der Zeit der Cholera, wo man ja wusste, dass das verseuchte Wasser die Ursache ist. Da Bier aber ja entweder sterilisiert oder mindestens pasteurisiert wird, das heißt also bestimmten Hitzeprozeduren unterzogen wird, können Cholerabakterien, Vibrionen, im Bier nicht leben. Und daher wurde früher auch empfohlen, wenn man schon in solchen Zeiten lebte, um Gottes Willen kein Wasser trinken, sondern möglichst auf Bier zurückgreifen."

Sprecher:

Der Professor sprach davon, dass man in der Zeit der Cholera empfohlen hat, um Gottes Willen kein Wasser zu trinken. Wenn man etwas um Gottes Willen tun muss oder nicht tun darf, dann soll das eine Warnung oder auch eine Aufforderung besonders betonen. Das, was man da um Gottes Willen tun soll, ist meist dringend notwendig. Um Gottes Willen wird manchmal auch als Ausruf gebraucht, wenn etwas Unangenehmes oder Schlimmes geschehen ist, genauso wie der Ausruf Mein Gott.


Sprecher:

In früheren Jahrhunderten gab es in Deutschland ein Spezialbier für Seefahrer. Damit halfen sich die Seefahrer gegen den Skorbut, eine schlimme Krankheit hervorgerufen durch Vitaminmangel. Und auch heute noch sollen viele Ärzte vor allem Altbier empfehlen, um Nieren- oder Blasensteine zu verhindern. Die Anwendungen sind zahlreich, und manchmal wurde das Bier auch gar nicht als Getränk verwendet.

O-Ton Professor Hans Schadewaldt:

"Das älteste Zeugnis, was wir haben vom Bier als Heilmittel, ist ein eigenartiges Rezept aus dem Zweistromland, aus der assyrischen Welt. Da gibt es auf einer Keilschrift eine Empfehlung, ein Rezept, wenn sie so wollen, für die Behandlung von Zahnschmerzen. Denn die ägyptische Welt glaubte, dass der Zahnschmerz ausgelöst wird durch einen Zahnwurm, der im Zahn nagt und allmählich an die Oberfläche kommt. Und um das zu behandeln und den Zahnwurm abzutöten, gab es eine Rezeptempfehlung mit Bier und einer bestimmten Pflanze, hinter der man Opium vermuten könnte. Bier als Mittel, als Desinfektionsmittel für äußere Verletzungen. Wenn man nichts Besseres hat, gibt's zwei Methoden. Wenn man Bier zur Hand hat, sollte man Bierverbände machen, man kann auch Weinverbände machen natürlich, oder man muss im Notfall sogar seinen eigenen Urin benutzten. Beides sind desinfizierende Maßnahmen, um Eiterungen zu verhindern. Essig macht man möglichst nicht auf solche Wunden. Erstens schmerzt es und zweitens heilen die schlechter. Beim Bier heilen die Wunden ganz gut."

Sprecher:

Und noch ein ganz anderes Kapitel. Es gibt eine ganze Menge Bierlieder. Lieder, die den edlen Gerstensaft besingen. Wenn eine Gruppe von Menschen ganz ungeheuer durstig ist, dann klingt das so:

Musik:

Die Toten Hosen: "Altbierlied"

"…wo bleibt unser Altbier,

wir haben in Düsseldorf die längste Theke der Welt,

ja, ja, ja, ja,

Ja, sind wir im Wald hier, wo bleibt unser Altbier,

wo ist denn der Held, der mit seinem Geld

die Runden bestellt?

wo ist denn der Held, der mit seinem Geld die Runden bestellt?…"


Fragen zum Text

Wenn es etwas schon sehr lange gibt, dann existiert es …

1. seit gestern.

2. seit eh und je.

3. seit neuestem.

Kein obergäriges Bier ist …

1. das Weißbier.

2. das Kölsch.

3. das Pils.

Altbier heißt Altbier, weil es …

1. ganz lange gelagert wird.

2. nach einer althergebrachten Tradition gebraut wird.

3. so hell aussieht wie die Haare eines alten Menschen.


Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich über die Geschichte der Bierherstellung in Deutschland. Verfassen Sie dazu ein Referat. Erwähnen Sie darin zum Beispiel, aus was Bier hergestellt wird, wie es gebraut wird, aber auch welche Wirkung es auf den Körper hat.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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