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Amerika

Eine klare Alternative zu Bush

Bei dem Fernsehduell zwischen Bush und Kerry traten deutliche Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten zu Tage. Der Wahlkampf könnte jetzt noch einmal spannend werden, meint Daniel Scheschkewitz.

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Daniel Scheschkewitz

Als entscheidende Redeschlacht und Debatten-Showdown hatten die US-amerikanischen Medien das vermeintliche Großereignis angekündigt. Und tatsächlich, was die rund 50 Millionen Zuschauer zu sehen bekamen, war trotz des Korsetts aus Regeln, das die Debattenkommission den Kontrahenten verpasst hatte, ein lebhafter und manchmal auch scharfzüngiger Gedankenaustausch.

Dabei geriet Präsident George W. Bush vor allem beim Thema Irak deutlich in die Defensive. Bestärkt von einer aktuellen Bilanz, die von Monat zu Monat blutiger ausfällt, gelang es John Kerry, das Desaster im Irak zu seiner schärfsten rhetorischen Waffe zu machen. Bush habe den falschen Krieg am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt geführt. Klarer konnte die Botschaft Kerrys nicht kommen. Präsident Bush beschränkte sich weitgehend darauf, den vermeintlichen Kurswechsel seines Herausforderers in der Kriegsfrage als Schwäche und Unfähigkeit zur militärischen Führung darzustellen.

Doch Kerry erwies sich vielleicht zum ersten Mal in diesem Wahlkampf als cleverer. Als der Moderator die Frage nach der Charakterstärke der beiden Kandidaten aufwarf, gelang es Kerry erneut zu punkten. Mit dem ebenso einfachen wie trefflichen Satz, Beharrlichkeit sei dann eine Schwäche, wenn man auf seinen Fehlern beharre. Dem hatte Bush zumindest auf der Stilebene nichts entgegenzusetzen.

Deutlich wurde aber auch, dass unter einem US-Präsidenten Kerry die Erwartungen an die europäischen Verbündeten wachsen würden. Die Doktrin von Amerikas Recht auf militärische Präventivschläge will auch Kerry nicht aufgeben. Im Unterschied zu Bush möchte Kerry mit dem Regime in Nordkoera direkt verhandeln. Was sicherlich zu begrüßen ist. Deutlich kritischer als Bush sieht Kerry auch die rückwärts gewandte Entwicklung in Russland. Ein bequemer Präsident wäre auch John Kerry für die Welt nicht.

Den noch unentschiedenen Wählern in den USA boten sich in dieser Debatte in den wichtigsten Fragen unserer Zeit - Sicherheit und Terrorismusbekämpfung - deutlich unterschiedliche Positionen dar. In jüngster Zeit sind die Zweifel an Bush in den USA eher noch gewachsen. Bislang bloß hatte Kerry es nicht verstanden, sich als klare Alternative darzustellen. Damit hat er in dieser Debatte endlich begonnen. Spät, aber vielleicht nicht zu spät, um die Wahl doch noch einmal spannend zu machen.

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