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Asien

"Eine Katastrophe bar jeder Vorstellung"

Die Überlebenden in Pakistan haben die Katastrophe längst nicht überstanden: Bereits 20 Millionen Menschen leiden unter den Folgen der Flut. Nun müssen die Menschen auch noch gegen Hunger und Seuchen kämpfen.

Ein von den UN veröffentlichtes Foto zeigt Überschwemmungen in der Provinz Punjab (Foto: AP)

Mit den Wassermassen beginnt die Katastrophe erst

Die Lage in den pakistanischen Überschwemmungsgebieten wird von Tag zu Tag unerträglicher. Allein 3,5 Millionen Kinder kämpfen nach Angaben der Vereinten Nationen ums Überleben. Sie seien einem "starken Risiko ausgesetzt", durch schmutziges Wasser tödlich zu erkranken, heißt es beim UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Die Folgen seien vor allem bakterielle Darminfektionen, Hepatitis, Typhus und Durchfall. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereitet sich auf eine Cholera-Epidemie vor. Ein Cholera-Fall wurde am Wochenende bereits von den UN bestätigt.

Es fehlt an Geld und Transportmitteln

Während sich die Wassermassen immer weiter nach Süden ausbreiten, kommt die Hilfe für die Flutopfer nur schleppend in Gang. In Hunderten Dörfern auf einer Fläche so groß wie Italien warten Menschen auf Rettung. Doch nach Angaben der Vereinten Nationen ist bislang erst ein Viertel der für den ersten Hilfseinsatz benötigten 459 Millionen Dollar angekommen. Zum Vergleich: Allein für Militärhilfe zahlten die USA im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar an Pakistan.

Es ist jedoch nicht allein Geld, das fehlt: Die Regierung in Islamabad, der vorgeworfen wird, zu spät auf die Katastrophe reagiert zu haben, bittet die Weltgemeinschaft eindringlich um Hubschrauber, Boote und Luftkissenfahrzeuge. Hilfsorganisationen beklagen, es gelinge nur sehr langsam, die Menschen mit sauberem Wasser, Lebensmitteln und einem Dach über dem Kopf zu versorgen. Während sich die Situation mit beängstigender Geschwindigkeit verschlechtere, deckten die zur Verfügung stehenden Mittel nur einen kleinen Teil des eigentlich Nötigen ab, sagte die Landeschefin der Hilfsorganisation Oxfam, Neva Khan.

Die Katastrophe hat viele Facetten

Pakistanisch Soldaten verteilen Nahrungsmittel an Flutopfer zum Fastenbrechen im Ramadan (Foto: AP)

Nahrungshilfen im Ramadan: Ungeheure Probleme

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation CARE steht Pakistan "unmittelbar vor einer Hungerkrise". Eine "Kraftanstrengung ohne Beispiel" sei nötig, um das Schlimmste zu verhindern. Die Verteilung von Essen und Trinken sei bisher "vollkommen unzureichend", klagte CARE. Es gebe bereits Berichte über verhungerte Kinder. "Das ist ein schreckliches Warnzeichen für die kommenden Wochen", erklärte die Organisation.

Das Ausmaß der Katastrophe übersteige jegliches Vorstellungsvermögen, berichtet Diakonie-Sprecher Rainer Lang aus der Region Charsadda. So habe es 21 Dörfer gegeben, die zwischen zwei Flüssen lagen. Nun liege dort kein Stein mehr auf dem anderen. Die Lehmhäuser seien eingestürzt, die Ernten auf den Feldern vernichtet und das Vieh ertrunken. Viele Menschen campierten unter Plastikplanen an sechsspurigen Straßen, müssten die hohe Feuchtigkeit und die enorme Hitze ertragen. Auch der vor wenigen Tagen begonnene islamische Fastenmonat Ramadan sei für Flutopfer und Helfer ein Problem, weil sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder trinken noch essen dürften.

Hilfe für Pakistan ist "humanitäre Pflicht"

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (Foto: AP)

Keine Unterstützung aus Brüssel: Nicolas Sarkozy plädiert für europäische Eingreifmission

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy holte sich mit seiner Idee einer europäischen Eingreifmission für Naturkatastrophen bei EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einen Korb. "Wir leisten finanzielle Hilfe und unterstützen Organisationen vor Ort", sagte ein Sprecher Barrosos der Nachrichtenagentur epd. "Gemeinsame Einsätze durch Militär sind nicht geplant." Der Einsatz von Soldaten sei eine kontroverse und heikle Angelegenheit. Die Entscheidung darüber liege im Einzelfall bei den Mitgliedsstaaten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) blicke "mit großer Sorge und Anteilnahme" nach Pakistan, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bilder aus dem Land seien "schockierend". Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, rief nachdrücklich zu Spenden für die Flutopfer auf. Es sei eine "humanitäre Pflicht, Pakistan zu helfen", sagte sie der "Berliner Zeitung". Zwar steige das Spendenaufkommen in Deutschland inzwischen, dies aber nur langsam. Die Bundesregierung hatte am Wochenende ihre Hochwasserhilfe von zehn auf 15 Millionen Euro aufgestockt. Das Geld soll vor allem für Nahrungsmittel, Medikamente und den Zugang zu sauberem Trinkwasser verwendet werden.

Autor: Rolf Breuch (afp, dpa, epd, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel

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