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Aktuell Europa

Eine Insel unter Wasser

Nach den schweren Regenfällen hat Premierminister David Cameron die Überschwemmungsgebiete im Norden Englands besucht. Kritiker werfen der Regierung vor, zu wenig für den Katastrophenschutz getan zu haben.

Bei einem Besuch in dem vom Starkregen heimgesuchten Norden des Landes hat der britische Premierminister David Cameron eine Überprüfung des gesamten Hochwasserschutzsystems in Aussicht gestellt. "Immer nach solchen Ereignissen muss man sich zusammensetzen und schauen, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder mehr tun müssen", sagte er dem Fernsehsender Sky News.

Kritik am Katastrophenschutz

Der Regierungschef hatte eine Sitzung des Krisenstabs Cobra geleitet und die Entsendung von 200 zusätzlichen Soldaten angekündigt. Damit sind 500 Armeeangehörige im Einsatz. Cameron bezeichnete die Überschwemmungen als "beispiellos". Doch hier widersprechen Medien und Oppositionspolitiker. "Es wird immer deutlicher, dass sogenannte beispiellose Wetterlagen von Dauer sind", sagte eine Sprecherin der Labour-Partei.

Unterdessen wächst die Kritik am Hochwasserschutz und dem Verhalten der Regierung. Viele bezweifeln, dass im Vorfeld alles getan wurde, um Überschwemmungen zu verhindern. Wurden genügend Dämme gebaut oder wurde am falschen Ende gespart? Der "Guardian" kritisierte, "leere Rhetorik und selbst die Armee" könnten einen vernünftigen Hochwasserschutz nicht ersetzen. David Rooke von der Umweltbehörde der britischen Regierung sagte der BBC, der Hochwasserschutz müsse angesichts des Klimawandels vollständig auf den Prüfstand gestellt werden.

Überschwemmungen in England

Rettungskräfte sind mit dem Schlauchboot in den überfluteten Straßen unterwegs

Unterdessen warnen die Behörden weiter vor den Gefahren in den betroffenen Gebieten. Für neun Bezirke gilt immer noch eine Warnung vor so genannten "lebensbedrohlichen Entwicklungen". Für 150 weitere Orte in England und auch Wales galt ein "normaler" Hochwasser-Alarm. Ganze Städte waren weiter überschwemmt, extremes Hochwasser führende Flüsse stellten eine permanente Gefahrenquelle dar.

Besonders betroffen ist unter anderem die historische und bei Touristen beliebte Stadt York mit ihrer mittelalterlichen Kathedrale. Hunderte Bewohner hatten am Wochenende ihre Häuser verlassen müssen. Nach Angaben der Behörden waren dort rund 500 Häuser überflutet, die Straßen ganzer Stadtviertel standen unter Wasser. Einsatzkräfte waren in Schlauchbooten auf der Suche nach gestrandeten Einwohnern unterwegs.

An der 200.000-Einwohner-Stadt Yor fließen die Flüsse Foss und Ouse zusammen. Als die Fluten über Weihnachten kamen, fielen Wasserpumpen aus. Zwar stabilisierte sich inzwischen der Pegelstand der Flüsse in York und Umgebung. "Wir sind aber immer noch mitten in einer Katastrophe", sagte Stadtrat Charlie Croft der BBC. Auch in anderen Teilen der Grafschaften Yorkshire und Lancashire wurden hunderte Menschen in Sicherheit gebracht. Betroffen waren auch Teile von Leeds und der Großraum Manchester.

Mindestens zwei Milliarden Euro Sachschaden

Das Klima in England gilt als gemäßigt. Nie zu heiß, nie zu kalt. Immer etwas Regen, mal als Schauer, mal als Niesel. Doch in diesem Dezember ist alles anders. Und es werden weitere schwere Niederschläge erwartet. Somit kann keine Entwarnung gegeben werden. Bislang haben die Behörden keine Toten gemeldet. Noch wird niemand vermisst - die ganz große Katastrophe ist bislang ausgeblieben. Doch der Sachschaden wird auf 1,5 Milliarden Pfund geschätzt, das sind knapp über zwei Milliarden Euro. Es ist bereits die zweite Hochwasser-Welle in diesem Monat, die das Land heimsucht. Schon Anfang Dezember versank Nordengland in Wassermassen. Damals gab es sogar Tote. Ein Mann in Cumbria-County stürzte in den Fluss Kent und ertrank. In London drückte eine Windböe einen 90-Jährigen gegen einen fahrenden Bus. Allein in Cumbria standen über 5000 Häuser unter Wasser.

cgn/jj (rtr/dpa/afp)

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