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Kultur

Eine Hurenführung durch Hamburg

Sex Sells - Sex verkauft sich gut - darauf sind inzwischen auch Touristikunternehmen gekommen. Eine Hamburger Hurenführung durch St. Pauli wirbt damit, der am besten besuchte Stadtrundgang Deutschlands zu sein.

Typischer Nachtclub mit Neonbeleuchtung und Schriftzug Love Story (Foto: AP)

Ob hier wirklich Liebesgeschichten beginnen ist allerdings fraglich

St. Pauli, direkt an der Davidswache. Ungefähr 20 Personen haben sich zur Hamburger Hurentour angemeldet. Touristen aus Stuttgart, Mitarbeiter eines Betriebes aus Niedersachsen, ein paar Hamburger. Die meisten sind Frauen. Aspasia, die ihren wirklichen Namen nicht preisgeben möchte, arbeitet auf der Hamburger Sündenmeile als Gästeführerin. Sie trägt eine Hamburger Dirnentracht aus dem 19. Jahrhundert: ein blaßgelbes, knöchellanges Gewand und eine Kappe, deren übergroße Ohren in den Hamburger Abendhimmel ragen. Die studierte Kulturwissenschaftlerin ist Mitarbeiterin der Hamburger Hurentour.

Vor vier Jahren hat die Niederländerin Gerritje Deterding diese Stadtführung gegründet. Auf der man allerdings nicht in Berührung mit echten Prostituierten kommt. Sie dürfen unter den wachsamen Augen der kostümierten Gästeführerinnen allenfalls aus der Ferne begutachtet werden.

Blechwand als Sichtschutz

Schauplatz der Hamburger Hurentour ist vor allem die Straße, also die schmuddeligen Gassen des Straßenstrichs, das Ambiente am Hans-Albers-Platz und an der großen Freiheit. In der Nähe der berühmten Herbertstraße bleibt Aspasia stehen. An beiden Enden der Straße ist eine Blechwand als Sichtschutz angebracht. Außer den Prostituierten darf keine Frau die Herbertstraße betreten.

Allein in der Herbertstraße können sich Männer in 28 Bordellen die Zeit vertreiben. Mit markigen Sprüchen und eindeutigen Gesten versucht die Gästeführerin, einen Besuch bei einer Prostituierten zu schildern. Einsteigerpreise würden so um die 30 Euro liegen, aber erst ab 75 Euro würde es angeblich interessant.

Viele Spielarten

Die Bordellgasse Herbertstraße in Hamburg St. Pauli (Foto: dpa)

So sieht sie aus: die Herbertstraße in Hamburg

Informationen zu Sexpraktiken und zur aktuellen Arbeit der Prostituierten wechseln sich ab mit historischen Rückblicken. Dann steigt man kurz die Treppe in ein Bordell hinauf, allerdings in ein ehemaliges. Dort hat Gerritje Deterding zwei kleine Zimmer angemietet. Eines ist ganz in schwarz gehalten.

"Richtig Sado-Maso wird direkt auf der Straße nicht angeboten", erzählt Deterding und zeigt einige Fesselmaterialien: "Da kann man sich so ein bisschen vorstellen, wie viel verschiedene Spielarten es in solchen Zimmern geben kann."

Nur angetrunken

Nach zwei Stunden endet die Hurentour beim Schnaps in einer Kneipe. Richtig rot geworden ist niemand, amüsiert haben sich alle. Aber ein bisschen deprimierend sei das Milieu doch, meint ein Besucher: "Wenn man hier so nüchtern durchläuft und sich dieses Elend anguckt, dann sagt man doch, das kann man nur im angetrunkenen Zustand ertragen."

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