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Politik

Eine harte Nuss

Im Kriegsfall könnte sich Saddam Hussein in seinem Atombunker verstecken. Die USA machen sich deshalb Gedanken, wie man diesen Bunker "knacken" kann - und fahren dazu nach Bosnien, wo ein ähnlicher Bunker steht.

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Ob es in Husseins Bunker auch so schöne Wandbilder gibt?

Als Saddam Hussein 1976, damals noch als irakischer Vizepräsident, Jugoslawien besuchte, zeigte ihm der jugoslawische Staatspräsident Jozip Broz Tito voller Stolz seinen Atombunker, der 500 Menschen aufnehmen konnte. Drei Jahre später war Hussein selbst Präsident im Irak und in den 1980er-Jahren schickte Tito seine Ingenieure nach Bagdad, um eine kleinere Version in der Nähe des Präsidentenpalastes zu bauen.

Lehren aus Bosniens Bunkern ziehen

Eine Reportage der US-Fernsehsenders ABC widmete sich der Frage, wie das US-Militär Saddams speziellen Atombunker einnehmen könnte. Dort wird sich der irakische Diktator im Falle einer Besetzung Bagdads voraussichtlich verstecken. Die amerikanische Regierung schickte daher eine Expertengruppe nach Bosnien, um dort einen Bunker, den sich Tito im Ort Bugojno seinerzeit gebaut hatte, unter die Lupe zu nehmen. Es handelt sich dabei um eine nahezu identische Kopie des Bunkers, den jugoslawische Experten zuvor für Saddam Hussein in Bagdad gebaut hatten. Ein Team von ABC sprach mit einem jugoslawischen Ingenieur, der am Bau beider Bunker beteiligt war.

Auch wenn die amerikanischen Beamten darüber schwiegen, was sie in Titos luxuriöser Bergfestung gefunden haben, sprachen die amerikanischen Journalisten nicht nur darüber, was sie in Bosnien gesehen haben, sondern gaben auch einige weitere, kleine und versteckte Details über Titos Bunker bekannt. Einer der am Bau beteiligten Ingenieure informierte über wichtige architektonische Unterschiede beider Gebäude. Er erklärte den ABC-Journalisten, dass er den Bunker nur für unzerstörbar halte, solange die US-Armee konventionelle Munition verwende, wie sie von NATO-Truppen während des Krieges gegen Jugoslawien aus der Luft eingesetzt worden war. Uneinnehmbar sei Saddams Bunker aber nicht.

Bombensicher und luxuriös

Der Bunker in Bagdad wurde aufgrund des sandigen Untergrundes mit einer Schutzwand aus über vier Meter dickem Stahlbeton versehen. Nach Aussage des Ingenieurs würde der Bunker einen direkten Treffer mit 2000 Kilogramm TNT oder eine Atombomben-Explosion in zwei Kilometern Entfernung überstehen. Schon während des Golf-Krieges von 1991 wurde der Bunker in Bagdad von drei Cruise-Missiles getroffen. Trotzdem wurde nur das Kongresszentrum zerstört, das als Tarnung über dem Bunker lag. "Alle Installationen der Anlage funktionierten nach dem Angriff weiter", erinnert sich der Ingenieur.

Einerseits könne die US-Armee Saddam Hussein in dem Bunker einschließen. Die Amerikaner hätten nach Einschätzung des Ingenieurs bereits eine Chance, wenn sie nur einen der zwei Ausgänge des Bagdader Bunkers zerstörten. Jedoch könne Hussein, einmal von der Außenversorgung abgeschnitten, immerhin noch 30 Tage in der Anlage ausharren. Sie sei mit Lagern für Wasser und Treibstoff, Notstromaggregaten sowie Luft- und Wasserfiltern ausgestattet. Ein Kommandozentrum sei auch vorhanden. Die Bunker sind den Angaben zufolge mit luxuriösen Apartments und immerhin drei Schlafzimmern ausgestattet. Ein ausgeklügeltes System von Türen halte auch extremem Druck stand. Doch völlig sicher ist Hussein auch in seinem Bunker nicht: Mit lasergelenkten "Bunker-Buster-Bomben", die den Mantel des Bunkers zerstören, könnte auch diese Festung geknackt werden.

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