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Kultur

"Eine gute Tat"

Das Dänisch-Jüdische Museum öffnet seine Pforten. Entworfen hat es Daniel Libeskind. Im Gegensatz zum Jüdischen Museum in Berlin, muss man das neue Museum in Kopenhagen richtig suchen.

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Typisch Libeskind? Modell des jüdischen Museums in Kopenhagen


Erst beim Betreten des wunderschönen und fast versteckten Bibliothekgartens in Kopenhagen entdeckt man die ersten Spuren neuer Architektur entlang dem 1906 errichteten klassizistischen Backsteingebäude der Königlichen Bibliothek. Zwei weiße Markierungen auf dem Kieselsteinboden führen zu einer Art Piazza aus grauem Marmor, auf der sieben Marmorblöcke einige in den Boden versenkte Lichtlinien überschneiden. Darauf, dass hinter ihnen ein Schatz liegt, deutet eine graue, massive Tresortür hin, auf der das hebräische Wort "Mitzva" prangt, zu Deutsch "eine gute Tat".

Dänisch Jüdisches Museum in Kopenhagen

Dänisch-Jüdisches Museum - Außenansicht

Jüdische Geschichte

Im Oktober 1943, als die Nachricht über die baldige Deportation der Juden in die Todeslager durchsickerte, wurden 7.000 Juden über Nacht versteckt und innerhalb von wenigen Wochen in Fischerbooten ins neutrale Schweden gebracht. Auch die meisten der 500 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportierten Juden aus Dänemark haben den Krieg überlebt und wurden bei der Rückkehr herzlich empfangen. Die Erfahrungen der dänischen Juden auf der Flucht vor den Nazis will der Architekt Daniel Libeskind nachfühlbar machen ebenso wie die Zivilcourage vieler Dänen, die im damaligen Europa einmalig war.

Boden wie Wasser

Dänisch Jüdisches Museum in Kopenhagen Fotomontage

Dänisch-Jüdisches Museum in Kopenhagen - Fotomontage

"Der unebene Boden vermittelt das Gefühl, auf dem Wasser zu sein. Der Besucher empfindet es so, als verliere er den Boden unter seinen Füßen genauso wie die Juden damals auf dem Wasserweg nach Schweden", erklärt Museumsdirektorin Janne Laursen. "Gleichzeitig ist der Boden aus Eichenholz wie viele Decks, die Wände aus Birkenholz sollen an Schweden erinnern. Alles ist mit dem Konzept der Mitzwa verbunden, die Libeskind für das Museum entworfen hat - der Boden, die schrägen Wände und die Leuchtlinien, die hier die Hoffnung repräsentieren."

Warum stellt man die fast beispielhafte 300-jährige dänisch-jüdische Geschichte auf lediglich 300-Quadratmetern in einem fast versteckten Gebäude aus, das sogar zu klein ist, um die Gäste der feierlichen Einweihung durch Königin Margrethe II unterzubringen? Von diesem

Dänisch Jüdisches Museum in Kopenhagen

Dänisch-Jüdisches Museum in Kopenhagen - Postkarten aus Theresienstadt

Ort aus wird Dänemark seit 800 Jahren regiert, sagt Kent Matinussen, Direktor des Dänischen Architektur Museums. "Dieser Hof der Königlichen Bibliothek liegt über den Fundamenten Kopenhagens. Diese kleine Insel Slotsholmen ist die Wiege Dänemarks. Kopenhagen entstand hier im 12. Jahrhundert als Binnenhafen. Der Name 'Kopenhagen' bedeutet auf Dänisch ‚'der Handelshafen'."

Historie - kurz zusammengefasst

Darüber hinaus wurde das Königliche Bootshaus, in dem das Museum residiert, durch König Christian IV. als Waffenarsenal der Marine errichtet. Der gleiche Regent lud 1619 zugleich die ersten Juden nach Dänemark ein, nach Glückstadt an der Elbe, das damals zu Dänemark gehörte. Die Rettung der meisten dänischen Juden und die Deportation von 500 von ihnen nach Theresienstadt bilden nur einen Teil der Ausstellung. Der Besucher erfährt viel über die Geschichte der dänischen Juden, er lernt etwas über das Ritual in der Synagoge und die Religionsausübung in der jüdischen Familie.

Dänisch Jüdisches Museum in Kopenhagen

Dänisch-Jüdisches Museum in Kopenhagen - Innenansicht

Und er erfährt, dass das verheißene Land sowohl Dänemark als auch Israel sind. Die Zeichnung des Tempels in Jerusalem aus einer Hagada (der Gebetsammlung des Pessach-Festes) aus dem 18. Jahrhundert sieht genauso aus wie das Rosenborg-Schloss des Königs Christian IV in Kopenhagen.

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