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Politik

Eine gute Repräsentantin Deutschlands

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in ihrer Rede vor den beiden Kammern des US-Parlaments für die Solidarität der USA bei der deutschen Wiedervereinigung bedankt. Ein Kommentar von Miodrag Soric.

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Miodrag Soric (Foto: DW)

Miodrag Soric

Es war eine der wichtigsten Reden, die die Bundeskanzlerin bislang gehalten hat. Sie gewährte den Zuhörern nicht nur einen Einblick in das Leben der Politikerin Merkel, sondern zeigte auch, wie sie persönlich denkt. Sie sprach im US-Kongress am Dienstag (03.11.2009) von ihrem Leben in der DDR, den begrenzten Möglichkeiten, die dieser totalitäre Staat ihr bot; sie sprach vom Mauerfall, so wie sie ihn erlebte: als Chance für einen Neuanfang, besonders für sie selbst. Frau Merkel beschrieb ihren ersten Besuch in den USA Anfang der 90er Jahre. Die biographischen Bezüge gaben der Rede Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Die amerikanischen Abgeordneten lauschten ihr gebannt. Sie erhoben sich über ein Dutzend Mal, um die Rednerin zu beklatschen. Die Rede zeigte besonders dann Wirkung, wenn sie die gemeinsamen Werte beschwor, die Europäer und Amerikaner miteinander verbinden. Beispielsweise der Kampf um Freiheit und was er für den einzelnen Menschen bedeutet, und wie wichtig es auch heute noch ist, sich dafür weltweit einzusetzen. Auch in Afghanistan. Frau Merkel erfüllte die Erwartungen der Zuhörer, als sie den Krieg in Zentralasien direkt ansprach. Die Botschaft lautete: Deutschland steht weiterhin zu seiner Bündnistreue, ist auch in schwierigen Zeiten ein verlässlicher Partner.

An Israels Seite

In wohl kaum einer anderen Rede hat die Kanzlerin so deutlich herausgestellt, was ihr politisch wichtig, ja essentiell erscheint: Israels Existenzrecht zum einen, und zum anderen die Absage an den Iran, Atomwaffen besitzen zu dürfen, eben weil Teheran Israel bedroht. Die Kanzlerin trug die Solidarität Deutschlands mit dem jüdischen Volk glaubwürdig vor. Sie machte deutlich, dass Deutschland der Unterstützung Israels verpflichtet ist. Das ergibt sich aus der deutschen Geschichte, besonders aus der schlimmen Zeit des Nationalsozialismus.

Frau Merkel beschwor in ihrer Rede vor beiden Häusern des Kongresses nicht nur die gemeinsamen Werte der USA und Deutschlands. Sie machte auch deutlich, was dieses in der aktuellen politischen Lage bedeutet. Sie präsentierte sich damit als politische Enkelin des ersten deutschen Kanzlers Konrad Adenauer, der 1957 ebenfalls die Ehre hatte, vor amerikanischen Abgeordneten zu sprechen.

Zeichen der Dankbarkeit

Am Ende vergaß sie auch den Dank an die USA nicht. Ohne die Solidarität der Amerikaner wäre die Wiedervereinigung, die mit dem Mauerfall vor 20 Jahren begann, nicht so reibungslos und vor allem friedlich verlaufen. Geschickt zitierte die Kanzlerin die amerikanischen Präsidenten bis hin zu John F. Kennedy: Sie alle hatten sich über Jahrzehnte hinweg für die Wiedervereinigung Deutschlands eingesetzt.

Der Kanzlerin ist in Washington ein großer Wurf gelungen. Sie fand stets die richtigen Worte und den richtigen Ton, auch bei Themen wie der Globalisierung und beim Klimawandel. Sie hat Deutschland gut repräsentiert.

Autor: Miodrag Soric

Redaktion: Martin Schrader

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