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Wirtschaft

Eine Frage der Kohle

Die EU hat China mit einer Beschwerde bei der Welthandelsorganisation gedroht - sollte bis Ende der Woche keine Einigung gefunden werden. Hintergrund sind die von China abgeschafften Subventionen für den Kokskohleexport.

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Die chinesischen Kohleminen decken nicht mal den Eigenbedarf

Kokskohle ist derzeit weltweit knapp. Grund dafür sind die Exportbeschränkungen Chinas. Die Europäische Union (EU) rechnet allerdings noch in dieser Woche mit Zugeständnissen vom weltgrößten Koksproduzenten China. EU-Handelskommissar Pascal Lamy kritisierte am Mittwoch (26.5.2004) die chinesische Exportpolitik in punkto Kokskohle. Lamy erwartet von China, "dass es die Mengen bereit stellt, die wir brauchen und das zu Preisen, die nicht spekulativ sind."

Bis Freitag (28.5.) hat sich die EU als Frist für Verhandlungen gesetzt. Bis dahin hat China noch die Möglichkeit, die Exportbeschränkungen für Kokskohle zu lockern. "Sollte das nicht der Fall sein, wissen beide Seiten, dass es keine Alternative dazu gibt, den Fall vor die WTO (Welthandelsorganisation) zu bringen", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Es wäre das erste Mal, dass die EU in einem Handelsstreit mit China die WTO anruft. Immerhin ist China Europas größter Handelspartner.

Hälfte der Kokskohle kommt aus China

China hatte am vergangenen Freitag beschlossen, mit dem Beginn dieser Woche seine Subventionen für den Export von Kokskohle und Koks zu streichen. Damit will das Land eine Versorgung der eigenen Stahlproduktion sicherstellen. International stößt die Entscheidung auf harsche Kritik. Es wird erwartet, dass der Stahlpreis auf dem Weltmarkt weiter steigt, weil viele Stahlerzeuger vom Import chinesischer Kokskohle abhängig sind. Fast die Hälfte der weltweit verfeuerten Kokskohle wird in China produziert, bei den weltweit exportierten Mengen beläuft sich der Anteil der Volksrepublik auf nahezu drei Viertel.

Bereits zuvor hatte China seine Exporte eingeschränkt und zugleich die eigene Nachfrage erhöht. Damit hatte das Land für einen deutlichen Anstieg der Weltmarktpreise für Stahl gesorgt, der wiederum Industrieunternehmen in der EU unter Druck gesetzt hatte. Stahl ist so teuer wie seit 1989 nicht mehr. Schrottpreise sind im vergangenen Jahr um rund 75 Prozent gestiegen. Die Preise für Koks haben sich im selben Zeitraum verdreifacht. Grund ist vor allem die drängende Rohstoff-Frage in China. Denn: Das Land kann trotz einer Erhöhung der Stahlproduktion seinen eigenen Bedarf bei Weitem nicht befriedigen. China benötigt laut Branchenangaben in diesem Jahr mit rund 260 Millionen Tonnen so viel Stahl wie nie zuvor. Daher der gestiegene Eigenbedarf an Kokskohle.

China weltweit größter Exporteur

Das Problem mit der Kokskohle-Versorgung hatte die EU bereits Anfang Mai bei einem Besuch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in Brüssel angesprochen. Im

vergangenen Jahr hatte China 1,6 Milliarden Tonnen Kokskohle produziert und 14,75 Millionen Tonnen exportiert. Damit ist das Land mit Abstand der größte Exporteur weltweit. Der zweitgrößte Exporteur Russland kommt jährlich gerade einmal auf Ausfuhren von zwei bis drei Millionen Tonnen. Stahlerzeuger benötigen rund 0,8 Tonnen Koks, um eine Tonne des Metalls zu gewinnen.

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor hat für das dritte Quartal 2004 bereits wegen der auf die chinesische Nachfrage zurückgehende Verteuerung der Rohstoffe eine Erhöhung der Preise für Flachstahl angekündigt.

Deutschland will mitmischen

Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp Steel erwägt angesichts der weltweiten Koksknappheit einen Ausbau der eigenen Koksproduktion. "Es gibt erste Prüfungen einer Erweiterung der HKM-Kokerei im Duisburger Süden", sagte ein Sprecher von ThyssenKrupp Steel am Montag. Und: der hohe Rohstoffbedarf in China dürfte noch auf absehbare Zeit für Knappheit an Koks sorgen, hieß es weiter.

Wegen der hohen Rohstoffpreise haben europäische Hersteller bereits mehrfach ihre Stahlpreise angehoben und für Juli eine weitere Steigerung angekündigt.

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