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Eine Frage der Ehre

Mancher ehrbare Mensch ist Ehrfurcht gebietend. Das Ehrgefühl wird leicht verletzt. Zu einem Ehrenmord kommt es noch zu oft. Eine Ehrenrunde muss nicht immer was Schönes sein. In Ehren gehalten werden Erinnerungsstücke.

Spricht jemand von seiner Ehre, dann ist sein Selbstwertgefühl betroffen, also das Bewusstsein, das er von seiner eigenen Würde und seinem Wert innerhalb der Gesellschaft hat. Das Wort beschreibt aber auch die Achtung und Wertschätzung einer Person durch ihre Mitmenschen. Dann bezieht sich die Ehre nicht so sehr auf den persönlichen Wert eines Menschen, sondern auf das Ansehen, das jemand wegen seiner gesellschaftlichen Stellung, seiner Lebensführung oder besonderer Leistungen hat.

Verletzte Ehre

Ein Ritter auf einem weißen Pferd mit schwarz-rot karierter Decke galoppiert über eine grüne Wiese,in der Hand hält er eine rote Fahne.

Auf dem Weg zu Ruhm und Ehre

Die Ehre wird verletzt, wenn jemand zum Beispiel fälschlich beschuldigt wird, gelogen oder sein Wort nicht gehalten zu haben. Das Gegenteil der Ehre ist die Schande. Damit ist der Verlust der Ehre – oder in milderer Form – eine persönliche Blamage gemeint.


Der Begriff mutet nicht zu Unrecht etwas altertümlich an, stammt er doch aus dem Mittelalter. Damals war das Ansehen einer Person von großer Bedeutung. Jedoch konnten nur Männer ihre Ehre durch Loyalität, Freigebigkeit, Klugheit, Beständigkeit und Tugendhaftigkeit vergrößern oder zurückgewinnen. Für Frauen war allein ihre Tugendhaftigkeit gleichbedeutend mit Ehre. War sie einmal verloren, konnte sie nicht mehr zurückgewonnen werden.

Sterben für die Ehre

Der Schattenriss zweier Männer,die Rücken an Rücken mit erhobenen Pistolen stehen,bereit zum Duell.Im Hintergrund ein Baum,ebenfalls als Schattenriss.

Entscheidung im Morgengrauen

Auch nach dem Ende des Mittelalters war es für die Menschen sehr wichtig, auf ihre Ehre zu achten und als ehrbare Bürger zu gelten. Bestimmte Gesellschaftsschichten hielten noch lange Zeit an der Vorstellung fest, dass freie Männer sich und ihre Ehre mit der Waffe verteidigen mussten. Bei einer Beleidigung der Mannesehre forderte man seinen Widersacher nach dem Vorbild des ritterlichen Zweikampfes zum Duell mit tödlichen Waffen, um die so genannte Ehrenstreitigkeit auszutragen.

Dabei ging es nicht um den Sieg sondern ausschließlich darum, dass beide Duellanten durch die bloße Bereitschaft, sich zum Kampf zu stellen und den Tod zu riskieren, ihre Ehrenhaftigkeit unter Beweis stellten. Unabhängig von seinem Ausgang hatte das Duell zur Folge, dass die Beleidigung als gesühnt galt und beide Beteiligten wieder als Ehrenmänner angesehen wurden. Wer sich weigerte, einer Duellforderung nachzukommen, wurde als ehrlos betrachtet.

Morden für die Ehre

Ein großes Küchenmesser mit blutiger Klinge.

Blutige Tradition

Auch heute noch werden Menschen um der Ehre willen getötet, nämlich beim so genannten Ehrenmord. In streng patriarchalischen Gesellschaften hängt die Ehre der Männer auch vom Verhalten ihrer weiblichen Angehörigen ab. Als Verletzung der sittlichen Ehre gilt, wenn eine Frau die ihr auferlegten Regeln und Normen verletzt, beispielsweise wenn sie eine außereheliche sexuelle Beziehung eingeht oder auch nur im Verdacht steht, dies getan zu haben.

Je nachdem, wie streng der Ehrbegriff ausgelegt wird, verletzt eine Frau die Familienehre sehr schnell. Wiederhergestellt wird sie, indem die Frau getötet wird. Im Verständnis dieser Gesellschaften geht es bei einem Ehrenmord vor allem darum, den "Schandfleck" aus der Familie zu entfernen.

Für Ehre und Vaterland

Die Steinfigur eines Soldaten mit Helm,Mantel und geschultertem Gewehr auf einem steinernen Podest.

Versteinerte Erinnerung an die Gefallenen des Krieges

Beim Militär hat der Begriff der Ehre zu allen Zeiten eine große Rolle gespielt. Wer im Kampf mit dem Feind nicht den nötigen Mut zeigte oder gar seine Fahne im Stich ließ, also Fahnenflucht beging, konnte schnell seine Soldatenehre verlieren. Wurde ein Soldat aber in der Schlacht getötet, so wurde seinen Angehörigen mitgeteilt, er sei "für das Vaterland auf dem Feld der Ehre gefallen".


Später erinnert dann ein Ehrenmal an ihn und die anderen toten Soldaten des Krieges. Vor solch einem besonderen Denkmal, aber auch vor Gebäuden oder zu Ehren einer hohen Persönlichkeit hält manchmal eine Gruppe von Soldaten eine Ehrenwache. Wenn es sich dabei um einen Staatsgast handelt, so ist er zuvor sicher mit militärischen Ehren empfangen worden.

In allen Ehren

Der amerikanische Leichtathlet Carl Lewis bei einer Ehrenrunde,über dem Kopf schwenkt er eine große US-Flagge.

Die Runde des Siegers

In der deutschen Alltagssprache begegnet uns die Ehre immer noch häufig. Wenn ich immer die Wahrheit sage und vertrauenswürdig bin, nennt man mich ehrlich und hält mich vielleicht sogar für einen Ehrenmann. Will ich eine Aussage bekräftigen oder etwas versprechen, dann gebe ich mein Ehrenwort, aber nicht wie manch anderer leichtfertig, um von meiner eigentlichen Unehrlichkeit abzulenken.

Ich lege großen Ehrgeiz an den Tag, wenn ich erfolgreich sein will und werde bei einer Ehrung für meine Arbeit ausgezeichnet. Obwohl ich in der Schule eine Ehrenrunde gedreht, also wegen schlechter Leistungen eine Klasse wiederholt habe, kann mir dennoch viele Jahre später von einer Universität wegen besonderer Leistungen die Ehrendoktor-Würde verliehen werden. Beim Sport kann ich nach einem grandiosen Sieg noch eine Ehrenrunde im Stadion laufen, wobei mir die Zuschauer zujubeln. Meine Ehrenurkunde behandle ich natürlich sorgfältig und bewahre sie sorgsam auf – ich halte sie in Ehren.

Ehrbarer Mensch

Die aufrecht stehende Zahl 100 geformt aus Kuchenteig,oben mit Schokoguss.In jeder Zahl steckt eine brennende Geburtstagskerze,auf dem Boden liegt buntes Konfetti.

Auf jeden Fall ein Ehrentag

Weil ich oft ehrenamtlich – ohne Bezahlung – zum Wohle anderer arbeite, werde ich zum Ehrenbürger meiner Heimatstadt ernannt und bin in verschiedenen Vereinen Ehrenmitglied, brauche also wegen meiner besonderen Stellung keinen Beitrag zu bezahlen. Zu einem Fest an meinem Geburtstag, der auch Ehrentag heißt, erscheint sicher auch ein wichtiger Ehrengast wie zum Beispiel der Bürgermeister.

Wenn andere Leute ihre Schulden aus einem Glücksspiel nicht bezahlen wollen, packe ich sie bei ihrer Ehre und appelliere an ihr Ehrgefühl – denn Spielschulden sind Ehrenschulden.

So viel Ehre

Da viele Menschen wegen meines so ehrenvollen Lebens Ehrfurcht vor der Würde meiner Person haben, erweisen sie mir dann sicher sehr zahlreich bei meiner Beerdigung die letzte Ehre. Doch ganz ehrlich: So ein Leben wäre dann wohl doch zu viel der Ehre!


Fragen zum Text

Wenn man an das Ehrgefühl eines Menschen appelliert, ...

1. gibt man ihm sein Ehrenwort.

2. packt man ihn bei seiner Ehre.

3. hält man ihn in Ehren.

Wer in der Schule eine Ehrenrunde dreht, ...

1. lässt sich wegen guter Schulnoten feiern.

2. muss wegen Ungehorsams einmal um das Schulgebäude laufen.

3. muss wegen schlechter Leistungen eine Klasse wiederholen.

Früher mussten freie Männer ...

1. sich zur Verteidigung ihrer Ehre bewaffnen.

2. ihre Ehre und ihre Waffe verteidigen.

3. ihre Ehre mit der Waffe verteidigen.

Arbeitsauftrag

Suchen Sie Informationen zum Thema "Ehrenmorde in Deutschland" – zum Beispiel unter http://www.ehrenmord.de oder http://www.ehrenmord-in-deutschland.de. Wählen Sie ein Fallbeispiel aus. Schreiben Sie einen Text, in dem Sie zunächst allgemeine Informationen über die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland zum Thema geben. Danach stellen Sie das von Ihnen gewählte Fallbeispiel vor. Sie können unter anderem folgende Fragen behandeln: Wer war das Opfer, wer der Täter? Was war das Motiv für die Tat? Wie wurde der Mörder bestraft? Diskutieren Sie anschließend in der Gruppe über zwei oder drei Beispiele.

Autor: Thomas Pelzer

Redaktion: Beatrice Warken

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