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Europa

Eine deutsche Straße blamiert britische Tories

Es läuft derzeit nicht gut für den britischen Premier: Der vielfach bedrängte David Cameron sucht den Ausweg in Neuwahlen. Doch schon der Auftakt des Wahlkampfes geriet zum Desaster - wegen eines Fotos aus Deutschland.

Es war schon das erste Plakat, das für Spott und Häme in den britischen Sozialen Netzwerken sorgte. Premierminister David Cameron präsentierte es persönlich. Es zeigt eine Straße inmitten grüner Felder - zusammen mit der britischen Flagge und der Inschrift "Let's stay on the road to a stronger economy" ("Lasst uns auf dem Weg zu einer stärkeren Wirtschaft bleiben").

Denn das Foto wurde vom deutschen Fotografen Alexander Burzik vor etwa sechs Jahren aufgenommen und zeigt eine Straße nahe der ostdeutschen Stadt Weimar. Kurz darauf gab es zahllose Tweets, die sich über die unfreiwillige Ironie lustig machten, dass ausgerechnet ein Foto aus dem wirtschaftlich erfolgreicheren Deutschland ausgewählt wurde.

Vor allem für die Opposition war der Fauxpas ein gefundenes Fressen: So tweetete der frühere Labour-Abgeordnete James "Tony" McNulty: "Ein weiterer Sargnagel in politischer Satire - das Straßenfoto der Konservativen ist aus Deutschland - Weimar!!"

Das ursprüngliche Foto stammt aus der Bilddatenbank der Agentur Gettys, wurde jedoch mit einem Bildbearbeitungsprogramm stark verändert. Fotograf Burzik sagte auf Anfragen des britischen Senders Channel 4 News und des Twitter-Nutzers Elaine O'Neill, dass schätzungsweise 35 Prozent des Plakats aus seinem Foto stammten. Der Rest sei aus anderen Bildern hinzugefügt worden.

Noch kurz davor hatte der britische Schatzkanzler George Osborne im britischen Fernsehen beteuert: "Es handelt sich um ein britisches Foto und um eine britische Landstraße." Der britische Tory-Europaabgeordnete Daniel Hannan ging einen anderen Weg und verteidigte das Plakat auf Twitter mit einem gewagten Vergleich: Das deutsche Foto sei nur eine "Erinnerung, dass die britische Wirtschaft die deutsche in 25 Jahren überholt haben wird."

Der Fehltritt der britischen Konservativen ereignete sich unmittelbar vor dem Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in London. Im Mittelpunkt des Treffens mit Premier Cameron stehen dann die beiderseitigen Beziehungen und die europäische Konjunktur.

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