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Politik

Eine Deutsche in Washington

Vor dem Irak-Krieg hat sich DW-Reporterin Christina Bergmann auf den Weg nach Washington gemacht, um DW-RADIO vor Ort zu unterstützen. Sie machte sich auf einen Spießrutenlauf gefasst - doch weit gefehlt.

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Als Deutsche in dieser transatlantischen Eiszeit in die USA zu reisen: Zumindest hämische Bemerkungen waren da zu erwarten. Doch wie so oft sieht die Realität ganz anders aus. Ich hatte also mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch schon die Einreise war kein Problem: "Sie wollen über den Krieg berichten, oder? Willkommen in den Vereinigten Staaten!" Und zack, war der Stempel im Pass. Deutschfeindlich hörte sich das nicht gerade an.

Solidarität mit Frankreich und Deutschland

Auf der Anti-Kriegs-Demonstration in Washington, D.C., sind zunächst einmal die Franzosen die Helden des Tages. "Vive la France" ist zu hören, und "Amerika dankt la belle France" auf einem der vielen Protestplakate zu lesen. Doch auch die Deutschen werden von den Rednern mit freundlichen Worten bedacht.


Und ich werde angesprochen: Deutsche, die schon lange in den USA leben, erkennen das Deutsche- Welle-Logo auf dem Windschutz meines Mikrofons. Seit über 30 Jahren, so erzählt mir der ehemalige Kapitän Dieter Beutin, lebe er in den USA. Und jetzt sei er extra von New York gekommen, um an der Demonstration teilzunehmen. Seine 17jährige Tochter habe ihn gedrängt, gerade die jungen Leute in den USA würden sich große Sorgen machen. Aber: "Noch haben wir keinen Krieg", das habe er auch seiner Schwester in Deutschland am Telefon gesagt. Auch der 68jährige Ernst Schulte lebt in den USA, er ist aus Philadelphia angereist und sieht durchaus noch eine Chance, den Irak-Krieg zu verhindern. Er ist schon auf vielen Friedensdemonstrationen gewesen. "Ich bin Kriegsverweigerer", sagt er.

Das "Alte Europa" hat noch Fans in den USA

Und die amerikanischen Kriegsgegner? Die betonen immer wieder, dass sie auch auf die Demonstration gekommen sind, um der Welt zu zeigen, dass dieser Krieg nicht in ihrem Namen geführt wird und dass ihnen sehr viel an der Freundschaft mit Franzosen, Deutschen und anderen Europäern liegt. Zugegeben, nun ist eine Anti-Kriegs-Demonstration ein Ort, an dem nur Menschen mit einer ganz bestimmten politischen Einstellung zu finden sind. Aber es waren nicht nur ein paar Dutzend, es waren zehntausende. Und so war es doch eine angenehme Überraschung, ausgerechnet in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika als Deutsche willkommen geheißen zu werden.