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Asien

Eine Demütigung für die Tibeter

Am 28. März 1959 wurde Tibets Regionalregierung aufgelöst. Dieser Stichtag soll jetzt in Tibet gefeiert werden. Als "Tag der Befreiung". Eine Demütigung für die Tibeter, findet Matthias von Hein in seinem Kommentar.

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DW ZPR Zentrale Programmredaktion Matthias von Hein

Matthias von Hein

Der Schriftsteller George Orwell hat einmal den Satz geprägt: "Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft und wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit." Diesen Satz macht sich die chinesische Führung offenbar zu eigen. Schon seit Wochen wird die chinesische Version der Geschichte auf dem Dach der Welt massiv in Filmvorführungen, großen Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen propagandistisch verbreitet.

Alles andere ausgeblendet

Tibeter protestieren in Nepal (Foto:AP)

Proteste von Exil-Tibetern in Nepal 2008

Noch vor einem Jahr hatten sich die Tibeter in den größten Protesten seit Jahrzehnten gegen die chinesische Herrschaft aufgelehnt. Jetzt sollen sie den Beginn dieser Herrschaft als "Befreiung von der Sklaverei" feiern. Und weil Peking eben die Gegenwart beherrscht, wird jede andere Sicht ausgeblendet: national wurde der Video-Kanal You-Tube blockiert, nachdem dort ein Video eingestellt worden war, in dem chinesische Sicherheitskräfte tibetische Mönche niederknüppeln. International wird der Bewegungsspielraum des Dalai Lama eingeengt. Wie zuletzt in Südafrika. Nach Druck aus Peking wurde der Friedensnobelpreisträger von einer Friedenskonferenz wieder ausgeladen. Am Ende platzte die ganze Konferenz.

Feindbild Dalai Lama

BdT Dalai Lama

50 Jahre im Exil und trotzdem in Tibet allgegenwärtig: der Dalai Lama

Bereits vor 30 Jahren hat sich der Dalai Lama offiziell von dem Ziel eines unabhängigen Tibets verabschiedet. Seither geht es ihm nur um echte Autonomie innerhalb Chinas. Dennoch behauptet Peking stur, der Dalai Lama wolle Tibet von China abspalten, sei ein Separatist. Er wird als Mensch portraitiert, der die alten Verhältnisse in Tibet wieder einführen will, nach Pekinger Lesart eine feudale Sklavenhalter-Gesellschaft. Tatsächlich war das alte Tibet nicht das Paradies, als das es westliche Romantiker gerne sehen wollen. Die Tibeter und allen voran der Dalai Lama wollten es ja selbst reformieren. Auf eine sanftere Art, in Einklang mit ihrer eigenen Kultur und Religion. Mindestens die Exzesse der maoistischen Kulturrevolution in den 60 Jahren wären ihnen dabei erspart geblieben. Und andere Länder wie etwa Bhutan haben von einer ähnlich schlechten Ausgangslage wie Tibet den Aufbau einer modernen Gesellschaft aus eigener Kraft geschafft.

Aufgezwungener Feiertag

Chinesische Soldaten in Lhasa (Foto:ap)

Chinesische Sicherheitskräfte patrouillieren in Lhasa

Wenn die Tibeter jetzt zwangsweise mit dem "Tag der Befreiung" beglückt werden, sollte eines der chinesischen Führung zu denken geben: Die Menschen, die da vor einem Jahr massenhaft auf die Strasse gegangen sind, waren ja gerade die Kinder und Enkel der vor 50 Jahren unfreiwillig "Befreiten". Die Lösung des Tibet-Problems kann nur darin liegen, den Tibetern die Mittel zur Durchsetzung ihrer verfassungsmäßigen Minderheiten-Rechte zu geben. Bisher stehen die nur auf dem Papier.