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Kultur

Eine Datenbank als Weltkulturerbe

"Compact Memory" ist das jüngste Weltkulturerbe der UNESCO. Das Online-Archiv digitalisiert deutschsprachige jüdische Periodika.

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Online ist deutsch-jüdische Literaturgeschichte zu erreichen

Online-Archive gibt es zuhauf. Doch wer jüdische Periodika wie etwa Ausgaben der Zeitschrift "Der Orient" aus der Mitte des 19. Jahrhunderts suchte, hatte bisher Pech. Das Gemeinschaftsprojekt "Retrospektive Digitalisierung jüdischer Periodika im deutschsprachigen Raum" hat ein klares Ziel: Die wichtigsten Periodika von 1806 bis 1938 zusammen tragen. Auf der Online-Plattform "Compact Memory" können Nutzer das Wissenschaftsarchiv kostenlos erreichen und recherchieren.

Die Bereitstellung der Periodika ist wichtig für die Erforschung des Judentums, den Jüdischen Studien. In den Zeitungen und Zeitschriften sind die sozialen, politischen und religiösen Strömungen der jeweiligen Epoche dokumentiert. Außerdem behandeln sie Themen wie Pädagogik, Beruf, Literatur und Wissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts.

Digitales Weltkulturerbe

Aufgenommen wurde das Gemeinschaftsprojekt von der UNESCO als digitales Weltkulturerbe. Das teilte die Frankfurter Goethe-Universität am Dienstag, den 6. April 2004, mit. Damit ist die virtuelle Plattform ein Bestandteil von weltweit über 700 Kultur- und Naturstätten. Weltweit arbeitet die UNESCO in ihrem Teilbereich Kultur für die Erhaltung des kulturellen Erbes und für die Förderung der kulturellen Vielfalt.

Projektpartner des neuen Weltkulturerbes sitzen in Aachen, Köln und Frankfurt: Das Lehr- und Forschungsgebiet Deutsch-Jüdische Literaturgeschichte der RWTH Aachen, die Kölner Bibliothek Germania Judaica und das Sondersammelgebiet der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek. Die drei Partner stellen ihre Literatur zur Verfügung und widmen sich der Suche nach weiteren jüdischen Publikationen.

Finanziell unterstützt wird Compact Memory von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Das Projekt ist auf sechs Jahre angelegt. Noch bis 2006 läuft das Digitalisierungsprojekt. Zunächst sind nur deutschsprachige Publikationen online. Periodika in hebräischer und jiddischer Sprache sollen folgen.

Online-Bestand

Zur Zeit stehen auf der Internetplattform 25 Periodika mit insgesamt 300.000 Seiten zur Verfügung. Nach Anklicken der gewünschten Publikation kann der Nutzer den Jahrgang auswählen. Danach Heftnummer und schließlich die Seitenzahl. Bis 2006, dem Projektabschluss, möchten die Kooperationspartner eine Millionen Seiten für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Dann stünden insgesamt 125 Periodika bereit. Auch nach Ende des Projektes wird das Lesen und Abrufen der einzelnen Seiten kostenlos bleiben.

Verantwortlich für den Internetauftritt und der technischen Leitung der "Compact Memory" ist der Kooperationspartner in Aachen. Alexander Wesendonk, technischer Leiter des Projekts, erklärt den Weg der Zeitung ins Internet: "Zunächst wird die Publikation von einem externen Dienstleister auf Mikrofilm kopiert. Vom Mikrofilm erfolgt dann die Digitalisierung." Auf CD-ROM erreichen die Daten das technische Leitzentrum. Nach Einpflegen der Daten ins interne System, stehen die Seiten zum Lesen bereit.

Quellenzeugnisse

Die komplizierteste Aufgabe liegt nach wie vor in Menschenhand: Suchen und Finden alter deutschsprachiger jüdischer Periodika aus aller Welt. Bibliothekare der drei Kooperationspartner kümmern sich um die Findung der wichtigen Quellenzeugnisse. Doch nicht alle der rund 5000 Periodika, die in den vergangenen Jahrhunderten publiziert wurden, werden in der virtuellen Bibliothek aufgenommen.

Auswahlkriterien sind Erhaltungszustand, wissenschaftliche Verwertbarkeit und Erscheinungsdauer. Weiterhin werden Periodika in Antiqua- und Fraktur-Schrift bevorzugt. Vorteil für den Benutzer: Die beiden Schriften werden von dem automatischen Texterkennungsprogramm gut identifiziert und führen so zu optimalen Suchergebnissen.

Mit der Aufnahme des Online-Projektes als jüngstes Weltkulturerbe erhofft sich die Projektleitung höhere Aufmerksamkeit und einen weltweiten Bekanntheitsgrad. Die höchsten Nutzerzahlen kommen derzeit aus Deutschland, gefolgt von den USA, Italien und Israel.

In den nächsten zwei Jahren soll ein weiterer Service für den Benutzer eingerichtet werden: Mit einer "Warenkorbfunktion" kann der Nutzer die einzelnen Seiten sammeln und nach seiner Recherche als Mail zuschicken lassen.

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