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Politik

Eine Chinesin soll die Welt kurieren

Die chinesische Medizinerin Margaret Chan übernimmt am Donnerstag den Posten der Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Vogelgrippe-Expertin gilt als "autoritäre, aber effiziente Persönlichkeit".

Die neue WHO-Chefin Margaret Chan (Quelle: AP)

Resolute Fachfrau: die neue WHO-Chefin Margaret Chan

Ihr Auftritt ist stets kultiviert und elegant. Was aber nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass Margaret Chan auch äußerst resolut und fordernd sein kann: Die Medizinerin, die sich als Vogelgrippe-Expertin einen Namen gemacht hat, wird am Donnerstag (4.1.) neue WHO-Chefin. Bei ihrem ersten Auftritt nach der Nominierung im November sagte sie: "Die Gesundheit der Frauen und die Gesundheit der Menschen Afrikas werden ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein. Mein Herz gehört ihnen."

Killerseuchen auf der Agenda

Doch Chan wird in ihrer Amtszeit, die bis Juni 2012 dauert, in vielen weiteren Bereichen Einsatz zeigen müssen: Killerseuchen wie Aids, Malaria und Tuberkulose bedrohen weiter die Gesundheit der Menschen weltweit. Ein Übergreifen der Vogelgrippe auf Menschen könnte Millionen Opfer fordern. Und auch an nicht ansteckenden Krankheiten wie Krebs sterben immer mehr Menschen.

Als WHO-Chefin muss Chan den globalen Kampf gegen die verschiedenen Krankheiten koordinieren. Dabei kann sie allerdings auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen: Seit 2003 bei der WHO, stieg sie 2005 zur Leiterin der WHO-Abteilung zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten auf und führte das Programm gegen die Vogelgrippe.

"Autoritäre, aber effiziente Persönlichkeit"

Viele Hühner auf einem chinesischen Hühnermarkt (Quelle: AP)

Mit der Notschlachtung von Millionen Hühnern machte sich Chan nicht nur Freunde

Ihre erste große Feuerprobe bestand Chan 1997. Damals wurden erste Fälle des Vogelgrippe-Virus H5N1 beim Menschen festgestellt; in Hongkong gab es sechs Tote. Chan entschied rasch, alle 1,4 Millionen Nutzvögel in der chinesischen Metropole notschlachten zu lassen. Mit diesem radikalen Vorgehen stieß sie damals auf erbitterten Widerstand. Aus Sicht der internationalen Gemeinschaft tat sie aber genau das Richtige und verhinderte ein Übergreifen der Krankheit. "Sie ist eine autoritäre, aber effiziente Persönlichkeit", sagt ein Genfer Diplomat, der ihren Aufstieg bei der WHO verfolgt hat.

"Traditionelle Asiatin"

Eigentlich habe sie Lehrerin werden wollen, berichtete Chan im vergangenen Jahr in der "New York Times". Als "traditionelle Asiatin" folgte sie aber ihrem Mann und schrieb sich an der Medizin-Fakultät der kanadischen Universität von West-Ontario ein. Zudem sicherte sie sich einen Abschluss in öffentlicher Gesundheit an der Universität Singapur. Zurück in Hongkong trat sie 1978 in die Gesundheitsbehörde der damaligen britischen Kronkolonie ein, deren Leitung sie 1994 übernahm. Dort richtete sie ein Alarm-System für übertragbare Krankheiten ein.

Mangelnde Standhaftigkeit gegenüber Peking?

Unmittelbar vor ihrem Wechsel nach Genf im Jahr 2003 wütete die tödliche Lungenkrankheit SARS in Hongkong. 299 Menschen starben. Bei der SARS-Bekämpfung lernte Chan vor allem eins: "SARS war ein exzellentes Beispiel dafür wie wichtig Offenheit ist", sagte sie in einem Interview. "Infektionskrankheiten setzen sich über Grenzen hinweg, einen lokal begrenzten Ausbruch einer Infektionskrankheit gibt es nicht."

Allerdings wurde Chans damaliges Krisen-Management zum Teil auch heftig kritisiert. Sow warf ihr die Hongkonger Presse mangelnde Standhaftigkeit gegenüber Peking vor, das lange jeden Krankheitsfall auf eigenem Territorium bestritten hatte. Nachdem China auch beim Kampf gegen die Vogelgrippe wegen mangelnder Zusammenarbeit am Pranger steht, muss Chan zeigen, dass sie in ihrer fünfjährigen Amtszeit als WHO-Generalsekretärin auch für mehr Transparenz im eigenen Land sorgen wird.

Symbol für Chinas Machtzuwachs

Schließlich symbolisiert Chans Wahl nicht zuletzt auch die wachsende Dominanz Chinas auf der internationalen Bühne. Sie wird die erste Person aus dem kommunistisch regierten Staat, die eine UN-Organisation leitet. China führte eine intensive Kampagne für seine Kandidatin: Hinter den Kulissen sollen die Unterhändler aus dem Reich der Mitte andere WHO-Mitglieder mit finanziellen Hilfen gelockt haben. Auch auf dem kürzlich abgehaltenen chinesisch-afrikanischen Gipfel warb Peking für Chan - im Vorstand der WHO sind mehrere afrikanische Länder vertreten. (ana)

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