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Wirtschaft

Eine Chance, den Kunden wieder zu entdecken

Der Konjunktureinbruch hinterlässt auch in der Informations- und Kommunikationsindustrie seine Spuren: Auf der diesjährigen CeBIT gibt diesmal keinen Aussteller-Rekord zu vermelden. Ein Kommentar von Rolf Wenkel.

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Auf der CeBIT 2002 (13. - 20. 3. 2002) finden sich diesmal 7.962 Aussteller, rund 130 weniger als im Vorjahr. Erstmals also keine neuen Rekorde.

Doch die Deutsche Messe AG, zum Optimismus verpflichtet, gewinnt auch diesen deutlich gedämpften Vorzeichen noch etwas Gutes ab: Erstmals ist die Warteliste der 300 bis 400 Aussteller, die nicht berücksichtigt werden konnten und mit denen man eine eigene Halle hätte füllen können, vollständig abgebaut. Und außerdem, so Eberhard Roloff, Sprecher der Messe AG, rückt man in diesen Zeiten wieder enger zusammen. Abspaltungstendenzen, weil die eine oder Teilbranche der I- und K-Industrie sich nicht ausreichend berücksichtigt fühlt, seien vorerst kein Thema mehr.

Apropos. Was ist überhaupt das Thema auf dieser Messe? Natürlich werden die Prozessoren schneller, die Festplatten größer, die Handies bunter und multifunktionaler, natürlich wächst wie immer alles zusammen zur großen Multimedia- Zentrale, die auch den Haushalt managt. Natürlich wird alles noch pfiffiger und anwenderfreundlicher. Aber wirklich neue, revolutionäre Technologien, die der Branche einen Aufschwung geben könnten, die zeichnen sich nicht ab.

Nicht jedes Jahr wird schließlich so etwas wie das Internet erfunden. Und überhaupt: Braucht man für´s Briefeschreiben einen Zwei-Megahertz-Prozessor? Braucht man, um seine E-Mails abzurufen, eine ultraschnelle DSL-Verbindung? Braucht man, um ein paar Buchstaben und Zahlen auf den Monitor darzustellen, Grafikkarten, die alleine so viel kosten wie die hochwertige Komponente einer HiFi-Anlage?

Schon vor drei Jahren sprach jeder von "Bluetooth", jener drahtlosen Funktechnologie, die mit dem Kabelsalat rund um den PC aufräumen soll - doch jetzt erst stehen die ersten nützlichen Produkte in den Regalen des Handels. Der Start von UMTS dagegen, der dritten Mobilfunkgeneration, wird immer weiter nach hinten verschoben, alle Telekombetreiber sind auf der Suche nach der ultimativen Anwendung, die jeden Konsumenten sofort davon überzeugen soll, dass er sich für rund 750 Euro ein neues Handy zulegen muss.

Klar, es gibt inzwischen rund sechs Millionen Laptop-Computer allein in Deutschland, und eine schnelle Datenübertragung vom Laptop zum Computer der Firmenzentrale via UMTS-Handy wäre schon nicht schlecht - aber sechs Millionen potenzielle Kunden sind noch kein Massenmarkt, für den man immerhin bereit war, Finanzminister Hans Eichel rund 50 Milliarden Euro für Lizenzen hinzublättern.

Aber vielleicht erlebt der Kunde ja in diesem Jahr eine Renaissance, vielleicht wird er in diesem Jahr wieder entdeckt. Die Vorzeichen dazu - Flaute in der Branche - sind ausnahmsweise gut. Die Firma Apple hat es vor einigen Jahren vorgemacht: Schicke Technik, gepaart mit abschreckenden Preisen und einer kaum zu überbietenden Arroganz gegenüber dem Kunden, hatten den Weltkonzern ins Wanken gebracht, bis das Management die Devise ausgab: Wir müssen den Kunden wieder entdecken.

So schwer ist das übrigens gar nicht, denn der normale Anwender hat auch die normalen Probleme: Er möchte keinen "Bluescreen", keinen schweren Ausnahmefehler, keinen "Dr. Watson", der Fehlerprotokolle aufzeichnet, keine aufdringlich tanzenden Büroklammern auf dem Textverarbeitungsdokument, und er will endlich einen funktionierenden Treiber für seinen neuen DVD-Brenner. Vielleicht sollten die großen IT-Konzerne einfach mal in ihre eigene Telefon-Hotline hereinhören, wo genervte Kunden gebührenpflichtig von gestressten Aushilfskräften abgewimmelt werden.

Die CeBIT ist da, die Flaute ist da - und die Chance ist da, dem ganz normalen Anwender mit seinen ganz alltäglichen Problemen endlich einmal aufmerksam zuzuhören.