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Bücher

Eine Brücke zwischen Buch und Kino

Wie bringt man ein Buch auf die Leinwand? Während die Organisatoren der Berlinale darauf wohl auch keine einfache Antwort haben, versuchen sie zumindest, Filmproduzenten und Verleger einander näher zu bringen.

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Literatur auf der Leinwand: Ganz so einfach geht es nicht

Die Frage am Eingang ist einfach und trotzdem tiefgründig. "Buch oder Film?", fragt eine junge Frau die Gäste, bevor sie sie zu ihren Frühstückstischplätzen mit blauen, beziehungsweise roten Servietten schickt. Dabei ist die farbliche Zuordnung keineswegs dazu gedacht, Cineasten und Literaten voneinander fern zu halten. Es ist schlicht ein einfacher Weg, die zwei Gruppen bei der Veranstaltung Breakfast & Books auf der Berlinale zu vermischen.

"Wir wollen eine Brücke zwischen den zwei Welten sein", so Syd Atlas, die das Projekt als Teil des Berlinale Co-Production Market organisiert hat. Zum zweiten Mal lockt das Buch-Frühstück rund 100 Filmschaffende sowie Verlags- und Literaturagenten ins Berliner Abgeordnetenhaus, um dort über mögliche Buchadaptionen fürs Kino zu sprechen.

Marktplatz für Ideen

Dreharbeiten zu Das Parfüm von Tom Tykwer in Barcelona

Literaturverfilmungen wie Patrick Süskind's 'Das Parfüm' können nur wenige schultern

"Es ist eine wichtige Börse", meint Astrid Kahmke, die als Produzentin für Bavaria Film arbeitet. Mag ja sein, dass die vorgestellten Bücher nichts für sie seien, so Kahmke. "Aber dann kann man ja fragen: "Was habt Ihr denn sonst noch?" Literaturverfilmungen hätten zwar wegen der Kosten für den Ankauf von Buchrechten immer noch einen relativ kleinen Marktanteil. Doch einige der in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse präsentierten Bücher werde sie auf jeden Fall genauer unter die Lupe nehmen, sagt Kahmke.

Neben Filmrechten haben die Organisatoren in diesem Jahr aber auch schon auf die Produktionskosten geachtet. "Wir haben den Verlagen gesagt, dass sie im Auge behalten sollen, dass die Filme zwei bis acht Millionen kosten sollen", sagt Sonja Heinen, die Leiterin des Co-Production Market. Im letzten Jahr seien nämlich einige Historienschinken im Angebot gewesen, die die finanziellen Möglichkeiten der anwesenden Produzenten bei weitem überschritten hätten.

Schmeckt nach Popcorn

BDT Muttertag

Eine Szene aus 'Der Ausflug'?

So achtet Syd Atlas bei der Vorstellung der ausgewählten Bücher auch darauf, kostensenkende Vorteile zu erwähnen. "Wir sollten betonen, dass dieser Film komplett an einem Ort gedreht werden kann", sagt sie zum Beispiel zur Horror-Novelle "The Stain" des britischen Autoren Paul Finch. Gregory Messina vom französischen Editions Robert Laffont verkauft sein Projekt -- "La Fugue" von Valerie Sigward - gleich selbst gut. "Die Autorin ist sich voll bewusst, dass die Handlung ausgedehnt werden muss. Sie hat nichts gegen Veränderungen".

Bettina Breitling von Random House Germany hat sich sogar schon eine Eröffnungsszene für "Der Ausflug" von der niederländischen Autorin Renate Dorrestein ausgedacht. "Man sieht eine Wiese, riecht die Blumen und hört die Bienen und ahnt bereits, dass etwas Schreckliches passieren wird". Atlas lässt sich von der Atmosphäre anstecken: "Ich kann bereits das Popcorn schmecken".

Literarische Bälle

Buchmesse Frankfurt Bücherstapel

Auf der Buchmesse geht es geregelter zu

Während sich ihr Publikum mit Pfannkuchen begnügen musste, schienen einige der Literaten die lockere Atmosphäre zu genießen. "Anders als auf der Buchmesse ist es hier sehr offen", so Thomas Wiedling, der mit dem russischen Buch "Kovcheg detei" (Die Arche der Kinder) von Vladmiri Lipovetsky nach Berlin gekommen ist. Es erzählt die wahre Geschichte eines US-Journalisten, der 800 russischen Kindern 1918 das Leben rettete. "Man geht hier einfach auf die Leute zu und wirft ihnen den Ball zu", sagt Wiedling. "Vielleicht ist der, mit dem man spricht, nicht der, der das machen wird. Aber vielleicht wirft er den Ball weiter".

Endstation Hollywood

Ein paar Tische weiter versichert der argentinische Produzent Juan Ignacio Ciordia, dass er zwar an dem Buch interessiert sei, die Geschichte aber leider ein paar Nummern zu groß für ihn sei. "Das ist die Art von Film, die Hollywood am Besten machen kann". Das Buch "Leila" von Alexandra Cavelius über ein bosnisches Mädchen, das während des Krieges systematisch vergewaltigt würde, sei da schon eher was für ihn.

BdT Hollywood Schild bekommt Anstrich

Die letzte Anlaufstelle für Literaturagenten?

Das hörte Agnieszka Golosch von Ullstein Buchverlage nur zu gerne: Eine deutsche Produktionsfirma hat sich bereits die Option auf "Leila" gesichert, war dann aber wegen Finanzierungsschwierigkeiten abgesprungen. "Die letzte Chance ist der internationale Markt", so Golosch. Mit der Vermarktung von Literaturverfilmungen könnten Verlage zwar gut Geld verdienen, doch der Verkauf von Filmrechten sei nicht besonders lukrativ - zumindest in Deutschland. "Wenn ich so was nach Amerika verkaufen würde, wäre das was anderes - da sitzt die Knete".

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