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Europa

Eine Brücke der Superlative nach Sizilien

Sizilien und das italienische Festland sollen künftig durch die längste Hängebrücke der Welt verbunden werden. Mit dem Bau des "Berlusconi-Projektes" soll zum Jahreswechsel begonnen werden - allen Warnungen zum Trotz.

Computeranimation der geplanten Brücke nach Sizilien (Foto: dpa)

Eine Brücke für 6,1 Milliarden Euro?

"Im Dezember und Januar beginnen wir mit den Arbeiten an einem weiteren Infrastrukturprojekt, der Brücke über der Meerenge" von Messina, kündigte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Mittwoch (14.10.2009) vor Journalisten in Rom an. Damit steht das Projekt, das Berlusconi seit vielen Jahren im Visier hat, doch noch vor der Realisierung. Sein Vorgänger Romano Prodi hatte das Projekt 2006 gestoppt.

Ein Denkmal für Berlusconi?

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (Foto: AP)

Setzt Berlusconi falsche Prioritäten?

Kritiker unken, dass sich Berlusconi durch den Brückenbau ein Denkmal setzen möchte. Denn das Mammutprojekt soll ein Bau der Superlative werden. Die Brücke über der "Straße von Messina" soll mit 3,7 Kilometern etwa dreimal so lang werden wie die Golden Gate Bridge von San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien.

Die Pfeiler der geplanten Brücke sollen 380 Meter in den Himmel ragen. Das wäre die längste und höchste Hängebrücke der Welt. Vier Fahrspuren, zwei Standstreifen, zwei Bahngleise und zwei Fußgängerwege sind in dem Projekt eingeplant.

Beben, Strömungen und Winde könnten zum Problem werden

Computeranimation der geplanten Brücke nach Sizilien (Foto: AP)

Nur zehn Minuten sollen Autofahrer für die Überfahrt benötigen

Reisende benötigen mit einer Fähre derzeit eine Stunde für die Überfahrt vom Festland nach Sizilien. Die Zeit für die Überquerung der Brücke im Auto soll nach der Fertigstellung lediglich zehn Minuten betragen. Die Kosten für das Vorhaben werden auf rund 6,1 Milliarden Euro geschätzt. Die Bauzeit beträgt den Planungen zufolge etwa sechs Jahre.

Gegner des Projektes weisen jedoch auf mehrere Risiken hin. Als problematisch gilt, dass die Zone, in der die Brücke gebaut werden soll, extrem erdbebengefährdet ist, weil hier zwei Kontinentalplatten auseinander driften. Außerdem seien Meeresströmungen und Winde dort sehr stark. Als Folge könnte die Brücke an bis zu 100 Tagen pro Jahr geschlossen bleiben, wie es heißt. Deshalb müsste der Fährverkehr parallel in Betrieb bleiben.

Meeresbiologen und Naturschützer befürchten durch den Brückenbau auch negative Folgen für Meerestiere und Wandervögel.

Kritik an Prioritätensetzung der Regierung

Treibgut am Strand nach dem Unwetter auf Sizilien (Foto: AP)

Unwetter an der Meerenge von Messina

Desweiteren gehören die hohen Baukosten zu den Kritikpunkten des Projekts. Nach den verheerenden Überschwemmungen und Erdrutschen auf Sizilien, bei denen Anfang Oktober mindestens 28 Menschen ums Leben kamen, werden die von der Regierung gesetzten Prioritäten in Frage gestellt.

Der Sprecher der Demokratischen Partei für den italienischen Süden, Sergio D'Antoni, verlangte, "in schwierigen Zeiten sollten die geringen bereitstehenden Summen auf die wichtigsten Ziele konzentriert werden". So müsse zunächst das Risiko von Überschwemmungen eingedämmt werden.

Auch Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte die Regierung von Silvio Berlusconi auf, mehr Geld in die Sicherheit statt in "pharaonische Bauten" zu stecken. Heftige Wolkenbrüche hatten die Erdrutsche nahe Messina ausgelöst und mehrere Vororte der Hafenstadt unter Schlamm begraben. Als Hauptursache der Katastrophe sehen Zivilschutz-Experten "Pfusch und wildes Bauen". Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen, ob mangelnde Kontrollen und Fahrlässigkeit beim Bau verantwortlich sein könnten.

Autorin: Ursula Kissel (afp, dpa)
Redaktion: Wim Abbink