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Eine blutige Angelegenheit

Ob blau, kalt oder gefroren – Blut ist ein ganz besonderer Saft. Es ist das Lebenselixier des Menschen. Aber Blut hält nicht nur ihn am Leben, sondern es belebt sogar die Sprache.

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Eine blutige Angelegenheit

[Mephisto] „Du unterzeichnest dich mit einem Tröpfchen Blut. / [Faust] Wenn dies dir völlig Gnüge tut, so mag es bei der Fratze bleiben. / [Mephisto] Blut ist ein ganz besonderer Saft.“

… lässt Goethe seinen Mephisto zu Faust sagen, um mit ihm den Teufelspakt zu besiegeln, der Mephisto die Seele des Doktor Faust sichert. Blut ist in der Tat ein ganz und gar besonderer Saft, für unseren Körper, aber auch für die Sprache. Gefühle – Begeisterung, Liebe und Hass, Wut, Ärger und Raserei – werden damit zum Ausdruck gebracht, aber auch soziale Herkunft und Zugehörigkeit, Engagement und vieles mehr.

Die Blaublütigen

Zwei Frauen in Barockkleidern, die Sonneschirmchen in der Hand halten und sich unterhalten. icture-alliance/dpa/C. Leithold

Nicht nur Blaublütige schützten sich früher gegen die Sonne

Als blaublütig gelten die Adligen, auch wenn durch ihre Adern dasselbe rote Blut fließt wie durch die Körper anderer Menschen, nämlich so bis zu sechs Liter pro Minute.

Blau deshalb, weil Adlige früherer Jahrhunderte sehr darauf achteten, keine Sonne abzubekommen.

Braun wurden nur die einfachen Menschen bei der täglichen Arbeit auf dem Felde. Durch diese blasse weiße Haut der Hochwohlgeborenen schienen die Adern bläulich hindurch und erweckten so den Eindruck, dass blaues Blut in ihnen fließt. Unfug, aber in der Sprache hat sich’s gehalten.

Die Kaltblütigen

Zwei Kaltblutpferde auf dem Acker. Sie ziehen einen Furchen hinter sich her, gelenkt von einem Bauern. picture-alliance/blickwinkel/F8-DasBild

Kaltblüter bei der Arbeit

Kaltblütig hingegen ist derjenige, der ohne Regung und Mitgefühl auch das Schlimmste in aller Ruhe tun kann, im Extremfall sogar morden.

Das kalte Blut wird so sehr mit Ruhe und Gelassenheit verbunden, dass sogar spezielle Pferderassen mit hohem Körpergewicht und ausgeglichenem Temperament als Kaltblüter bezeichnet werden.

Tatsächlich ist ihr Blut allerdings genauso warm wie das anderer Pferde. Und übertrieben hektische Menschen versucht man oft mit dem Zuspruch „Ruhig Blut!“ zu besänftigen.

Blutrünstige und Blutbäder

Wenn man heftig erschreckt wird, gefriert einem das Blut in den Adern. Bildlich gesprochen natürlich. Als blutrünstig gelten Vampire. Aber die gibt es ja nur im Film. Doch existieren auch im normalen Leben besonders aggressive Menschen, die darauf aus sind, andere zu verletzen.

Menschen, die Kampf und Gewalt aus einer abartigen Lust oder Ideologie heraus suchen. Soldaten im Krieg oder enttäuschte Liebhaber, denen es egal ist, wenn sie in ihrer Wut für Blutvergießen sorgen, und im Extremfall sogar ein Blutbad anrichten.

Die Blutsbande

Filmszene aus Winnetou-film mit Pierre Brice und Lex Barker: Die beiden verschränken zum Zeichen ihrer Blutsbrüderschaft die Unterarme. Im Hintergrund stehen Zuschauer. picture alliance/United Archives/IFTN

Winnetou und Old Shatterhand verband eine Blutsbrüderschaft

Blut ist dicker als Wasser, heißt es. Vor allem dann, wenn man sich wundert, dass Menschen, die sich in Meinung und Charakter sehr unterscheiden, dennoch zueinander halten.

Die Blutsbande – die familiäre Bindung und direkte Verwandtschaft – lässt eben viele Menschen über das Trennende hinweg blicken.

Zum Beispiel, wenn der Sohn des überzeugten Sozialdemokraten als junger Erwachsener plötzlich Sympathien für nationale Parolen entwickelt oder für kommunistische. Solche Fehltritte sorgen zwar anfangs immer für böses Blut und Ärger, letztlich aber werden sie dem eigen Fleisch und Blut doch eher verziehen als irgendwelchen Fremden.

Fleisch und Blut

Ein umgangssprachlicher Mensch aus Fleisch und Blut muss dagegen nicht mit einem verwandt sein, nicht einmal bekannt. Der Spruch dient nur der Betonung. Ein Mensch aus Fleisch und Blut ist nicht abgehoben, nicht heilig, nicht überirdisch, nicht extrem sonderbegabt, sondern einer wie wir, Durchschnitt, normal, mit Fehlern und Eigenarten.

Ein Mann bedient die Gangschaltung in seinem Auto. picture-alliance/dpa/F.Gabbert

Läuft automatisiert ab, ist in Fleisch und Blut übergegangen: das Schalten der Gänge im Auto

Dagegen ist das, was in Fleisch und Blut übergeht, etwas lange Eingeübtes: ein Text, ein Tanz, ein Lied oder auch Handgriffe an der Maschine bei der täglichen Arbeit. So sehr kann manches in Fleisch und Blut übergehen – wie automatisiert ablaufen –, dass es schon manchmal stört.

Zum Beispiel, wenn beim neuen Auto der Schalter fürs Licht an anderer Stelle angebracht ist als beim alten, und man deshalb abends immer die Scheibenwischer in Gang setzt statt der Scheinwerfer.

Das Herzblut

Das passiert nicht nur blutigen Anfängern. Im Gegenteil, eher sogar geübten Fahrern. Viel Herzblut hängt an Dingen, die uns wichtig sind. Dem Maler an Farben und Formen, dem Dichter am Klang der Worte.

Wenn die in Unordnung sind, blutet ihm, dem Maler oder Dichter – etwas übertrieben ausgedrückt – das Herz. Ein falsches Wort, ein missglückter Pinselstrich bringt ihr Blut in Wallung. Denn meistens ist diese Liebe und Fähigkeit ja mit viel Mühe erkämpft. Die Naturtalente, denen alles im Blut liegt, sind eher selten.

Wer einmal Blut geleckt hat …

Derjenige, der einmal Blut geleckt und Gefallen an etwas gefunden hat, will es genau wissen und sucht immer mehr. Der Literaturliebhaber gute Bücher, der Briefmarkensammler seltene Exemplare – und der Hobbykoch ausgefallene Rezepte und Geschmackserlebnisse.




Arbeitsauftrag
Mit wem würdest du gerne eine Blutsbrüderschaft eingehen, wann und bei was hast du mal Blut geleckt oder was liegt dir im Blut? Suche dir eine von diesen Wendungen oder eine andere aus dem Text aus. Schreib eine persönliche Geschichte – allerdings ohne die Wendung zu erwähnen. Finde am Schluss eine passende Überschrift, die ebenfalls nicht auf das Thema schließen lässt. Trag deine Geschichte vor und lass deine Lerngruppe erraten, welche Wendung du dir ausgewählt hast.

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