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Kölsch

Eine Bayerin in Köln

Als Bayerin hat Alexandra Kassen so ihre Probleme mit dem rheinischen Dialekt - aber auf der Bühne ihres Theaters "Das Senftöpfchen" haben viele kölsche Nachwuchskünstler ihren ersten und entscheidenden Auftritt gehabt.

Ihre Vorliebe sind originelle Hütchen. Wenn sie Hötche sagt, dann singt sie ein bisschen und dehnt das "ö" dabei lang und genüsslich. Der Name sei eine Liebesbezeugung, sagt Alexandra Kassen. "Und so fasse ich ihn auch auf."

Alexandra Kassen

Unbekannte Talente
Die Liebeserklärung gilt der Prinzipalin des Kölner Senftöpfchen-Theaters. Einer Frau, die freiwillig auf ein volles Haus verzichtet, weil sie Nachwuchskünstler auf ihre Bühne holt – Talente. Darauf achtet sie streng: Unbekannte, die keiner sehen möchte.

Konstantin Wecker war für eine Woche angesetzt. Nach drei Tagen mussten sie abbrechen: Es kam keiner – damals als der Name Wecker noch genauso wenig bekannt war wie auch der von Alfred Biolek, Konrad Beikircher, Fredl Fesl, Sissi Perlinger, Harald Schmidt, Dieter Nuhr, und so weiter. Alles Unbekannte, die erst im Töpfchen zu Namen wurden und die das „Töpfchen“ in der ganzen Republik bekannt machten.

Der Liedermacher Konstantin Wecker

Immis aus Bayern
Es ist 1959 im März. Das Ehepaar Fred und Alexandra Kassen zieht von München nach Köln und eröffnet das Senftöpfchen. Kölns siebtes Theater, Kölns erstes Kabarett. Als Rheinländer, als ehemaliges Ensemblemitglied des Meister-Sextetts, als Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft traut sich Fred Kassen die Karnevals-Hochburg und Kabarett-Diaspora Köln zu.

Seiner Frau fällt der Umzug nicht leicht. Köln liegt noch am Boden, die Menschen sind ihr fremd: "Ich habe damals kein einziges Wort der kölschen Sprache verstanden."

Die Band Bläck Fööss

Bläck Fööss und Höhner
Bis heute versteht die Bayerin nicht alles. Trotzdem umgibt sich die über 90-jährige gern mit kölschen Tönen. 1974, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, sie hat sich gerade gegen die politische und für die Bühne des Senftöpfchens entschieden, da hört sie die kölsche Gruppe Bläck Fööss – auf hochdeutsch "nackte Füße" – auf einem Hausfrauennachmittag im Karneval.

"Die Leute haben immer geschrien: 'Zugabe, Zugabe!', erinnert sie sich, "ja denk ich 'Zugabe', da könnte man doch mal was Längeres draus machen." Wie so oft hat sie sich auf den Weg gemacht. In einem Probekeller in der Südstadt hat sie die kölschen Jungs gefunden und engagiert: ihre erste Kölsch-Gruppe im Senftöpfchen.

Der Kabarettist Konrad Beikircher

Guter Riecher
Die Mundart hat auf ihrer Bühne seither einen festen Platz. Es kamen weiter Kölsch-Gruppen: die Höhner – damals steckten sie noch in Kostümen aus Hühnerfedern – dann die Räuber, die Paveier.

Der Weg ist immer der gleiche: Am Anfang steht das sichere Gespür der Kassen, es kommen die Schallplattenfirmen, die Funkanstalten, dann das Fernsehen. Zuletzt ist das Senftöpfchen zu klein. Eigentlich hat Alexandra Kassen die Arbeit und andere den Lohn. Aber so würde sie das selbst nie sehen.

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