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Aktuell Deutschland

Eine Badewanne voller Alkoholika

Jeder Deutsche konsumiert jährlich im Schnitt 136,9 Liter alkoholische Getränke wie Bier und Wein. Dies entspreche einer vollen Badewanne, heißt es im Jahresbericht der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren.

Die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchrgefahren, DHS, Gabriele Bartsch, wies bei der Vorstellung des Jahrbuchs in Berlin daraufhin, dass die Gefahren des Konsums legaler Drogen immer noch dramatisch unterschätzt würden. Umgerechnet ergebe die "Badewanne voller Alkoholika" 9,6 Liter reinen Alkohol, den jeder Bürger im Schnitt zu sich nehme. Die Grenzwerte für einen relativ risikoarmen Alkoholkonsum gesunder Erwachsener liegen nach DHS-Angaben für Frauen bei nur zwölf Gramm und für Männer bei 24 Gramm reinen Alkohols pro Tag. Ein 0,3-Liter-Glas Bier enthält rund 13 Gramm reinen Alkohol, ein 0,2-Liter-Glas Wein rund 16 Gramm. Einen risikolosen Alkoholkonsum gebe es nicht, warnen Experten.

Rund 3,3 Millionen Menschen in Deutschland seien alkoholabhängig, heißt es in dem Jahrbuch. Die Zahl der nikotinabhängigen Bürger beziffert die Hauptstelle auf derzeit elf Millionen, 1,5 Millionen seien medikamentenabhängig. Allein an den Folgen von Tabak-und Alkoholkonsum sterben in Deutschland pro Jahr rund 200.000 Menschen, was einer mittleren Großstadt entspricht. Aufgrund des Konsums illegaler Drogen kämen hingegen lediglich rund 1.000 Menschen ums Leben.

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Neben dem menschlichen Leid verursacht Alkohol nach Angaben von Bartsch auch hohe volkswirtschaftliche Kosten. In Deutschland beliefen sie sich etwa durch alkoholbedingte Erkrankungen, Fehlzeiten oder Frühverrentung auf 26,7 Milliarden Euro jährlich, in der Europäischen Union auf 270 Milliarden Euro. Auf etwa 20 Milliarden Euro würden in der Bundesrepublik die volkswirtschaftlichen Kosten der Folgen von Tabakkonsum geschätzt. Als wirksame Vorbeugung gegen Risiken durch Alkoholkonsum empfehlen Wissenschaftler laut DHS unter anderem Preisanhebungen durch Steuererhöhungen und eine zeitliche Begrenzung des Alkoholverkaufs.

Die Unterschätzung von Alkohol und Tabak führte Bartsch auf die "sehr verführerische Werbung" und auf die große wirtschaftliche Bedeutung der Hersteller zurück. Die Einführung des Tabakwerbeverbots für Printmedien habe beispielsweise auch zur Folge gehabt, dass Zeitungen und Zeitschriften nunmehr sachgerechter über de schädlichen Folgen des Nikotinkonsums berichteten.

wl/re (dpa, afp, kna, epd)