1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

"Eine Art Überlebensökonomie"

Eineinhalb Jahre Intifada und israelische Militärschläge haben Palästina an den Rand des Ruins getrieben. Viele Menschen in der Westbank und im Gaza-Streifen stürzten in die Armut.

default

Beschwerlicher Weg zur Arbeit: Palästinensische Pendler nach Israel

Die Katastrophe nahm ihren Anfang im September 2000. Damals brach der jüngste Volksaufstand (Intifada) gegen Israel aus. Seitdem befinden sich die autonomen Palästinenser-Gebiete in einer tiefen Rezession. Im vergangenen Jahr schrumpfte das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen um knapp ein Fünftel. Die Arbeitslosigkeit schnellte derweil von 10 Prozent auf 26 Prozent in die Höhe. Das geht aus einer aktuellen Studie der Weltbank hervor, die sie Ende März veröffentlichte. In den Jahren vor der Intifada war die palästinensische Wirtschaft dagegen um jeweils fünf bis sechs Prozent gewachsen.

Die aktuellen Schäden durch die Angriffe der isrealischen Armee kann derzeit niemand genau beziffern. Dies liegt an der Absperrung vieler Städte durch israelische Soldaten. Für die Zeit vom Start der Intifada im September 2000 bis zum Dezember 2001 errechnete die Weltbank einen finanziellen Schaden von mehr als 300 Millionen US-Dollar.

Die Hälfte lebt unter der Armutsgrenze

Für die drei Millionen Palästinenser hat der Niedergang ihrer Wirtschaft drastische Auswirkungen. Etwa die Hälfte von ihnen lebt von weniger als 2 US-Dollar am Tag und damit unter der Armutsgrenze, so die Weltbank. Keinen Aufschluss können die Statistiken der Wirtschaftsexperten indes über die Folgen der menschlichen Tragödien und Entbehrungen geben. "Ökonomisch nicht zu beziffern sind die menschlichen Verluste durch Tot und Verletzung", so die Weltbank.

Die Infrastruktur einzelner Regionen ist nach Berichten von Einwohnern und Medien komplett zerstört. "In Bethlehem, Dschenin, Nablus und anderen Städten haben die Israelis das Abwassersystem, die Trinkwasserversorgung und das Stromnetz zerstört", sagte Saeb Erekat, Berater des Palästinenser-Führers Jassir Arafat, in einem Zeitungsinterview. "Was die Sicherheitsstruktur betrifft, so glaube ich, dass wir über kein einziges Kommandozentrum, über keine Polizeistation verfügen." Ein palästinensischer Wirtschaftsexperte fasst die Lage so zusammen: "Was wir hier haben, ist einzig eine Art Überlebensökonomie."

Autonomiebehörde bankrott

Selbst die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) ist nach Angaben der Weltbank "effektiv bankrott". Dies liege vor allem daran, dass ihre Steuer-Einnahmen auf etwa ein Fünftel des Niveaus vor Beginn der Intifada geschrumpft seien. Ein riesiges Loch in die Kasse riss ein Boykott israelischer Behörden, die früher im Auftrag der PA einen Teil der Steuern kassierten. Seit Dezember 2000 hält Israel alle Zahlungen an die PA konsequent zurück. Mittlerweile sind dies etwa eine halbe Milliarde US-Dollar.

Ein Grund für den Niedergang der Wirtschaft sehen Experten auch in der Abriegelungspolitik Israels. Schätzungen zufolge sind etwa eine Million Palästinenser zumindest zeitweise von den Straßen- und Ausgangssperren betroffen. 100.000 Arbeiter hatten vor der Abriegelung der Grenzen eine feste Anstellung in Israel. Etwa die Hälfte von ihnen verlor wegen der Grenzsperren ihren Job.

Am Ende der Kräfte

Dass der Zerfall der Wirtschaft noch nicht in einem Kollaps endete, liegt Experten zufolge an mehreren Gründen. Viele Palästinenser zehrten derzeit von ihrem Ersparten oder könnten auf die Solidarität ihrer Landsleute im In- und Ausland bauen. Hilfreich seien zudem die Spenden anderer Länder und von ausländischen Hilfsorganisationen. Sie verdoppelten voriges Jahr ihre Zahlungen auf knapp eine Milliarde US-Dollar. Knapp die Hälfte des Geldes kam von Mitgliedern der Arabischen Liga, gut 100 Millionen steuerte die EU bei.

Die Widerstandskraft der palästinensischen Wirtschaft geht jedoch ihrem Ende entgegen, falls alle Streitenden nicht zur Entspannung der Lage beitrügen, so das Urteil der Weltbank. Drohende Folgen des Konflikts seien bereits absehbar: Steigende Armut, Umweltschäden, Krankheiten sowie Hilflosigkeit und Hass unter den Menschen.

WWW-Links