Eine App gegen den Paletten-Schwund | Wirtschaft | DW | 12.02.2018
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Logistik

Eine App gegen den Paletten-Schwund

Container, Europaletten, Obst- und Gemüseboxen gehen oft verloren oder werden geklaut. Der Schaden geht in die Hunderttausende. Abhilfe schaffen will das Startup Poolynk aus Bad Pyrmont mit seiner gleichnamigen App.

Deutsche Welle: Sie versprechen Spediteuren und anderen Versendern von Waren Einsparungen im fünf- bis sechsstelligen Euro-Bereich pro Jahr. Worin besteht ihre Geschäftsidee?

Stephan Collisi: Alle kennen die Europaletten, auf denen Produkte transportiert werden. Oder die berühmten Fleisch-, Obst und Gemüsekisten vom Metzger und aus den Supermärkten, wo wir einkaufen. Im Fachjargon heißen diese Paletten, Kisten und andere Behältnisse Transportmittel, denn sie werden auch zum Transport der Waren über die gesamte Lieferkette eingesetzt. Das Problem dabei ist, dass von zirka hundert Paletten oder Behältern, die versendet werden, im Schnitt nur 95 wieder zurückkommen. Für den jeweiligen Versender entsteht dadurch großer Schaden.

Das Ganze funktioniert in einer Art Tauschverfahren. Transportpaletten oder Kisten werden im Mehrwegverfahren eingesetzt, so ähnlich wie Pfandflaschen. Innerhalb einer Lieferkette besteht ein extrem hohes Verlustrisiko. Man könnte annehmen, wenn von hundert Paletten 95 wieder zurückkommen, hört sich das nicht ganz so dramatisch an. Weltweit sind aber rund fünf Milliarden gemeinsam genutzte Ladungsträger unterwegs und wenn davon pro Umlauf fünf Prozent Schwund entsteht, bedeutet das über die gesamte Lieferkette pro Jahr einen Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe durch Verlust und damit verbundene erhöhte Administrationskosten.

Und wie kommen Sie mit Ihrer Idee ins Spiel?

Wir haben uns die Frage gestellt, warum im Zeitalter der digitalen Transformation immer noch - wie schon seit den Zeiten der Postkutschen - mit einer Dokumentation in Papierform gearbeitet wird. Wir dagegen nutzen eine Cloud im Internet. Der Nutzer kann sich über eine kleine App auf seinem Smartphone oder Tablet anmelden. Alle Nutzer haben die Möglichkeit, von jedem Ort der Erde gemeinsam auf diese Datenbank zuzugreifen und die Übergabe von Paletten oder Kisten elektronisch zu dokumentieren und zu verfolgen.

Sie bieten also ein elektronisches Quittungs- und Rechnungssystem: Der eine gibt der andere nimmt, beide bescheinigen die Transaktionen elektronisch und jeder weiß, wo sich seine Waren und Transportmittel gerade befinden. Kann man das so sagen?

Genau, es funktioniert so ähnlich wie das Internet-Banking: Dabei sehe ich beispielsweise, dass mein Arbeitgeber das Gehalt überwiesen hat, dass ich bereits die Miete und die Versicherung für den Monat bezahlt und wieviel Geld ich im Supermarkt ausgegeben habe.

Wenn das so einfach ist - wieso ist nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen?

So ganz neu ist die Idee nicht und ich möchte auch nicht den Anschein erwecken, dass wir das erfunden hätten. Solche Systeme gab es bereits. Aber sie funktionierten nur im jeweiligen Bereich einzelner Firmen. In längeren Lieferketten interagieren aber viele Firmen miteinander, die nicht auf ein einheitliches System zurückgreifen konnten. Unser System arbeitet Unternehmens-neutral und übrigens auch ohne sprachliche Barrieren. Die App "beherrscht" rund 50 Sprachen.

Welches Sparpotential hat ein Spediteur in Deutschland mit der App und welche Kosten entstehen?

Stephan Collisi, Gründer (Poolynk)

Stephan Collisi vom Start-up Poolynk

Nehmen wir als Beispiel eine kleine mittelständische Spedition mit einem Fuhrpark von 30 bis 40 Lkw: Die Kosten für verlorene Ladungsträger betragen in diesem Fall ungefähr 80.000 Euro pro Jahr. Davon lassen sich mit der App bis zu 50.000 Euro einsparen. Die Kosten für die App belaufen sich dagegen lediglich auf 1000 bis 5000 Euro jährlich und richten sich nach der Anzahl der registrierten Ladungen.

Die Firma Poolynk ist seit eineinhalb Jahren mit der App auf dem Markt - welche Ziele haben Sie mittel- und langfristig?

Global gibt es rund fünf Milliarden gemeinsam genutzte Ladungsträger, mit denen zwischen 180 und 200 Milliarden Transaktionen im Jahr stattfinden. Was das Volumen angeht, gibt es für uns also nach oben hin kaum eine Grenze. Wir sind ein Startup. Uns ist durchaus bewusst, dass irgendwann mal ein ganz großer Logistik-Konzern durchaus Interesse haben könnte, uns zu übernehmen und dann in sein eigenes System zu integrieren. Wir sind aber davon überzeugt, dass unsere App nur dann funktionieren kann, wenn eine neutrale Rolle gewährleistet ist. Wenn irgendein Transport-Dienstleister uns kaufen würde, hätten dessen Mitbewerber ein Problem damit. Denn niemand möchte, dass seine ganzen Bewegungsdaten auf der Plattform des Konkurrenten abgebildet sind.

Das Gespräch führte Klaus Ulrich

Stephan Collisi ist Mitgründer und Geschäftsführer des Start-ups Poolynk aus Bad Pyrmont. Der Betriebswirt arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Ladungsträger Management.

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