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Kultur

Eine Akademie für das Jüdische Museum Berlin

Der Platz ist knapp geworden im Jüdischen Museum Berlin. Rund 750.000 Besucher strömen jährlich in das Haus, die Nachfrage nach Bildungsangeboten steigt kontinuierlich. Zeit also für einen Erweiterungsbau!

Geplante Akademie des Jüdischen Museums Berlin - Entwurf: Daniel Libeskind © Jüdisches Museum Berlin - Rendering: bromsky

Aufgefallen ist die Halle bislang kaum. Direkt gegenüber des Jüdischen Museums hatte sie sich hinter Buschwerk und einer Mauer versteckt. Blumen wurden dort gehandelt. Bis Anfang Mai 2010. Dann ist der Großmarkt in eine neue, modernere Halle umgezogen, für die alte an der Lindenstraße schrieb der Berliner Senat fortan eine kulturelle Nutzung vor. Profitieren wird davon nun das Jüdische Museum. Ihm ist es gelungen, den dreischiffigen Zweckbau aus den 60-er Jahren zu erwerben.

Umgebaute Großmarkthalle

Die Bildungsabteilung, das Archiv und die Bibliothek werden in dieses neue Gebäude ziehen und dort ein akademisches Programm verwirklichen, das sich insbesondere mit Fragen der Integration, der Migration und mit einem jüdisch-islamischen Forum beschäftigen soll, freut sich Börries von Notz, der geschäftsführende Direktor des Jüdischen Museums. Und dass Daniel Libeskind, der mit dem Jüdischen Museum sein erstes, vielbeachtetes Projekt realisiert hat, erneut als Architekt gewonnen werden konnte, sei ein großes Glück. Zweifellos, denn das Haus verdankt seinen Weltruhm zu einem guten Teil dessen zickzackförmigem Museumsbau.

Weniger spektakulär ist nun der Umbau der ehemaligen Blumenhalle zu einer Bildungsakademie geplant. Die Industriehalle, so erläutert Jochen Klein, Projektleiter des Züricher Büros von Daniel Liebeskind, bleibt in ihrem Erscheinungsbild weitgehend erhalten. Sie wird wo nötig entkernt, soll aber nicht gedämmt oder verkleidet werden. Vielmehr ist eine Bebauung nach dem Haus-im-Haus-System geplant. Nur die in die weitläufige Halle - sie hat immerhin eine Nutzfläche von 6400 Quadratmetern - gesetzten Gebäude werden später beheizt.

Animation der Fassade der geplanten Akademie des Jüdischen Museums Berlin. © Jüdisches Museum Berlin - Rendering: bromsky

Animation der Fassade der geplanten Akademie des Jüdischen Museums Berlin.

Bei diesen neu gebauten Bestandteilen handelt es sich um drei gegeneinander geneigte Holzkuben, die Libeskind quasi aus dem Hallenboden wachsen lässt. Die Figur des schräg gestellten Kubus hat er bereits im "Garten des Exils" und im Glashof des Jüdischen Museums variiert; Libeskind orientiert sich also bewusst an seiner eigenen Architektursprache und bindet die künftige Akademie so an den bestehenden Museumskomplex an.

Unübersehbar wird das auch im neu entstehenden Stadtraum zwischen Museum und Halle sein. Denn der Bauplan sieht vor, dass einer der drei schräg gestellten Holzkuben die Außenwand der Halle durchschlägt. Durch einen Einschnitt in dieser riesigen Holzkiste werden die Besucher dann künftig die Akademie des Jüdischen Museums betreten.

Erinnern und bewahren

Der "Garten des Exils" im Jüdischen Museum steht symbolisch für all jene, die während des Nationalsozialismus ins Exil geflohen sind. Viele dieser Menschen überlassen ihren Nachlass und damit ihre Geschichte und ihr Wissen dem Jüdischen Museum. Manch so ein Vermächtnis gelangt in einer großen Holzkiste zurück nach Deutschland. An diesen Kisten hat sich Daniel Libeskind orientiert und sie zur Grundlage seines Entwurfs gemacht - als Symbol für die Nachlässe, die in der Akademie bewahrt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.

Worauf im Übrigen bereits die in den Eingangskubus eingelassenen Oberlichter hinweisen werden. Sie sollen nämlich die Form der hebräischen Buchstaben Alef und Bet aufnehmen. Die beziehen sich auf das Lernen und greifen damit die in der Akademie untergebrachten Programmbereiche Bildung, Bibliothek und Archiv auf.

Animation des Innenraums der geplanten Akademie des Jüdischen Museums Berlin. © Jüdisches Museum Berlin - Rendering: bromsky

Animation des Innenraums der geplanten Akademie des Jüdischen Museums Berlin.

Laut Börries von Notz soll diese Akademie ein allgemeiner Studienort sein. Gleichzeitig will man aber auch Gastwissenschaftlern längere Forschungsaufenthalte ermöglichen. "Wir haben vor, in einer ersten Studie die Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen, die in den 1990er Jahren nach Deutschland gekommen sind, über ein solches Fellowship-Programm zu erforschen".

Forschen werden die Gastwissenschaftler in den Räumlichkeiten, die in den Holzkuben inmitten der alten Blumenhalle eingerichtet werden. Und zwischendurch können sie im Grünen pausieren. Denn auf der rund 900 Quadratmeter großen Freifläche zwischen Auditorium und Bibliothek, also mitten in der Halle, legt das Atelier le Balto auf vier Plateaus einen "Garten der Diaspora" an, der mit Pflanzen aus den neuen Heimatländern von Juden begrünt werden soll.

11 Millionen Euro kostet der Umbau der ehemaligen Industriehalle insgesamt. Sechzig Prozent trägt der Bund, die restlichen 40 Prozent haben Privatpersonen beigesteuert, allem voran Eric F. Ross. Nach dem 1919 als Erich Rosenberg in Dortmund geborenen US-Unternehmer soll das Gebäude der Akademie denn auch benannt werden. Die Eröffnung ist für den Sommer 2012 geplant.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Gudrun Stegen