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Wissen & Umwelt

Eine Ära nähert sich dem Ende

Nachdem der Start der "Endeavour" wegen technischer Probleme mehrmals verschoben wurde, ist die US-Raumfähre am Montag (16.5.) zu ihrer letzten Reise ins All aufgebrochen. Mit im Gepäck: etwas Wehmut und Ratlosigkeit.

Space Shuttle Endeavour (Foto: AP)

Startklar? Die "Endeavour"

Für seinen letzten Flug wurde der "Lastesel" Endeavour noch einmal richtig voll beladen. Über 7500 Kilogramm Gepäck wird das Shuttle zur Internationalen Raumstation, ISS, bringen. Den Hauptteil der Fracht macht das sogenannte Alpha-Magnet-Spektrometer aus, mit dem kosmische Strahlung gemessen werden kann. Mike Fincke, einer der sechs Astronauten an Bord der Endeavour, erklärt: "Es hat sich herausgestellt, dass wir 85 Prozent des Universums nicht verstehen." So könnten die Wissenschaftler beispielsweise immer noch nicht erklären, was Galaxien zusammenhält.

Mehr als ein Dutzend Nationen sind an dem Projekt beteiligt, auch Deutschland. Gebaut wurde das Spektrometer in Genf, am CERN, dem Europäischen Teilchenforschungszentrum. Astronaut Fincke ist begeistert: "Wir sind nur die Boten", sagt er, "aber wir werden sehr gut auf das zwei Milliarden Dollar teure Instrument aufpassen, das in den Himmel gerichtet wird und nach neuen Erkenntnissen Ausschau hält." Die Wissenschaftler sind auf der Suche nach Antimaterie - also dem, was nach einigen Theorien vom sogenannten Urknall noch übrig sein muss. Doch bei solchen Experimenten ist selten genau vorhersehbar, was man entdeckt - aber jede neue Erkenntnis sei ein Erfolg, sagt Fincke.

Reparatursystem der Shuttles wird an die ISS gebaut

Internationale Raumstation ISS (Foto: picture alliance/landov)

Nach dem letzten Shuttle-Flug im Sommer 2011 wird die ISS von russischen Sojus-Raketen versorgt

Ebenfalls im Gepäck der Endeavour: Das sogenannte Orbiter Boom Sensor System (OBSS). Ein 15 Meter langer Arm, der eigentlich an einer Art Lastkran des Shuttles angebracht wird und mit dessen Hilfe die Raumstation von außen inspiziert und repariert werden kann. Das System soll nun auf der ISS verbleiben und dort für Reparaturen genutzt werden, erklärt Kirk Shireman, der stellvertretende Chef des ISS-Progamms: "Wenn Sie sich erinnern: Im Oktober 2007 haben wir den Arm benutzt, um einen unserer zerrissenen Solarflügel an der ISS zu reparieren." Dieser Arm wird nun direkt an der ISS angebaut.

Denn in den nächsten Jahren muss die Raumstation ohne den Shuttle-Service auskommen. Deswegen bringt die Endeavour noch ein paar Extra-Vorräte mit. Auf der Erde bedeutet das Ende der Shuttles für Tausende die Kündigung, erklärt John Shannon, der Chef des Programms. Der Abbau der Arbeitsplätze findet bereits seit drei Jahren statt, sagt er: "Ende 2006 hatten wir 14.000 Angestellte, jetzt sind es etwas mehr als 6000, die Zahl der Staatsbediensteten lag damals bei 1800, jetzt sind es etwas über 1000."

Arbeitsplatzabbau und eine ungewisse Zukunft

Personen betrachten den Sternenhimmel (Foto: dpa)

Wohin geht die Reise? Noch ist unklar, welche Rolle die USA in Zukunft in der Raumfahrt spielen werden und wollen

Knapp 9000 Menschen haben bereits ihre Arbeit im Space-Shuttle-Programm verloren oder wurden umgesetzt. Der Abbau wird weitergehen, allerdings sollen keine der Beamten ihre Arbeitsplätze verlieren, verspricht Shannon, sie sollen in andere Bereiche verteilt werden. Ende Juli, wenn auch das Space Shuttle Atlantis zum letzten Mal gelandet ist, bleiben noch ein paar hundert Angestellte übrig, die das Programm abwickeln.

Unklar ist, wie es mit dem US-Raumfahrtprogramm weiter geht. Die Obama-Regierung hatte im letzten Jahr das sogenannte Constellation-Programm begraben. Danach war der Mond das Ziel, die Planung entsprechender Raketen war schon weit fortgeschritten. Die jetzigen Pläne sehen vor, Asteroiden zu erkunden und den Mars zu erreichen. Außerdem setzt man verstärkt auf die Kommerzialisierung der Raumfahrt.

Kooperation mit der ESA geht weiter

Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht, dafür viel Unsicherheit, gibt John Shannon zu. Er bemüht sich mit seiner Crew, die letzten beiden Flüge reibungslos über die Bühne zu bekommen, und versucht, Optimismus zu verbreiten: "Wir beenden das Shuttle-Programm so, wie wir wollten, mit erhobenem Kopf", erklärt er und fährt fort: "Wir führen noch einmal sehr komplexe Operationen durch, hinterlassen die ISS in hervorragender Verfassung, nehmen die Erfahrung mit und machen etwas Neues damit."

An der Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA werde sich nichts ändern, versichert ISS-Manager Kirk Shireman, denn man habe ja noch die ISS: "Ich erwarte, dass diese Zusammenarbeit an Bord der ISS noch bis mindestens 2020 weitergehen wird." Außerdem, so betont man hier bei jeder Gelegenheit, bestehe die NASA ja nicht nur aus dem Shuttle-Programm. Bei anderen Projekten werde man ebenfalls weiter zusammenarbeiten.

Doch es ist ein heftiger Einschnitt, der vor allem auch den Stolz der Raumfahrtnation USA trifft. Schließlich ist man in den nächsten Jahren darauf angewiesen, amerikanische Astronauten mit den russischen Sojuz-Raketen zur Raumstation zu bringen. Immerhin: Auch die ISS sollte eigentlich schon 2015 verschrottet werden. Aber alle Nationen waren sich einig, dass es reine Geldverschwendung wäre, die Station wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung schon wieder verglühen zu lassen. Sie soll jetzt bis mindestens 2020 als Forschungsstation dienen - auch wenn schon bald kein Shuttle mehr andocken wird.

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Judith Hartl